Nizza

Wer auf die Idee gekommen ist, dieses Stück Mainufer nach der Stadt an der französischen Riviera zu benennen, ist nicht überliefert. Klar ist aber, dass die Frankfurter die Parkanlage zwischen der Untermainbrücke und der Friedensbrücke schon seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts „Nizza„“ nennen, weil in der windgeschützten, sonnenreichen Südlage mit ihrem milden Mikroklima viele mediterrane Pflanzen gedeihen, die anderswo in der Stadt nicht zu finden sind. Palmen zum Beispiel, aber auch Feigen- und Zitronenbäume. Im Laufe der Zeit ist die Anlage mit ihrer Platanenallee mehrfach umgestaltet worden, zuletzt 2005. Seitdem gibt es dort nur noch frostresistente Pflanzen, die im Winter nicht ausgelagert, sondern nur verpackt werden müssen. Vor allem aber wurde damals der alte Café-Pavillon durch ein modernes Restaurant-Gebäude ersetzt. Von der Terrasse des „Main Nizza“ haben die Gäste einen perfekten Blick auf die andere Mainseite.

Foto: Lukas KreibigEiserner Steg

Der Weg zum Museumsufer führt für die meisten Gäste der Mainmetropole über den Eisernen Steg. Und weil es in der Stadt kaum einen besseren Platz für ein paar Selfies vor der Frankfurter Hochhauskulisse gibt, tummeln sich vor allem bei gutem Wetter die Touristen aus aller Welt auf der 1868 erbauten Fußgängerbrücke. Auf der Nordseite sind es von dort nur ein paar Schritte zum Römer und zur gerade neu entstehenden Altstadt, auf der Südseite locken nicht nur die Ausstellungshäuser, sondern auch Bars und Cafés: direkt am Fuß des Stegs zum Beispiel das „Mainstrand“ und gleich daneben das Bootshaus Dreyer, ein schwimmendes Café mit einem atemberaubenden Blick auf die Skyline.

Foto: Victor HedwigLiteraturhaus

Man könnte meinen, eine Frankfurter Institution wie das Literaturhaus gäbe es schon seit Generationen. Tatsächlich ist es aber noch nicht einmal drei Jahrzehnte alt - und in einem Gebäude untergebracht, dass zwar historisch wirkt, in seiner jetzigen Form aber erst seit zwölf Jahren steht. Das klassizistische Gebäude der Alten Frankfurter Stadtbibliothek war 1825 an dieser Stelle eröffnet worden, wurde im Zweiten Weltkrieg aber vollständig vernichtet und erst 2005 wieder aufgebaut. Seither dient es als Literaturhaus für Lesungen, Diskussionen und Gesprächskreise, aber auch für ausgelassene Partys und Feste. Und dann ist da ja auch noch das Restaurant „Goldmund“ im Erdgeschoss des Hauses. Dort tischt der Küchenchef statt mediterranem Mainstream lieber deutsche und französische Klassiker auf. Auch das passt sehr gut zu dieser Frankfurter Institution.

Cronberg-Platz

Früher wurde an dieser Stelle geschlachtet. Aber daran erinnert heute nichts mehr, der einstige Schlacht- und Viehhof ist verschwunden. An seiner Stelle ist seit den neunziger Jahren ein modernes Wohnviertel entstanden, dessen Zentrum der weitläufige, runde Walther-von-Cronberg-Platz bildet, benannt nach dem Kronberger Ritter, der im 16. Jahrhundert dem Deutschen Orden vorstand. Heute herrscht hier im Sommer geradezu mediterranes Treiben. Die zahlreichen Bars und Restaurants rund um den Platz, den „Main Plaza“-Turm und das ovale Colosseo-Haus, locken Anwohner wie Besucher ins Freie, und der Fontänenbrunnen in der Mitte des Areals bietet nicht nur den Kindern Abwechslung und Abkühlung. Zum Main sind es nur wenige Schritte, wo die Uferpromenade und Rasenflächen zum Sonnenbaden oder Picknick einladen und man einen guten Blick auf den Turm der Europäischen Zentralbank hat.

Foto: Victor HedwigHafenpark

Lange war die Gegend rund um die frühere Großmarkthalle im Ostend eine einzige Baustelle. Der gläserne Doppelturm der Europäischen Zentralbank wuchs in den Himmel, und zu seinen Füßen wühlten sich Gärtner und Landschaftplaner durch den Boden. Inzwischen ist der Hafenpark fertig und zu einem neuen Lieblingsort der Frankfurter geworden. Nicht nur an den Wochenenden, aber dann ganz besonders, strömen sie auf das weitläufige Sport- und Freizeitgelände zwischen Deutschherrn- und Honsellbrücke. Der dortige Skaterpark ist der größte Deutschlands, an der früheren Ruhrorter Werft kann sich das direkt am Main gelegene Ausflugslokal „Oosten“ kaum vor Gästen retten, und ein Stückchen weiter finden an der Weseler Werft regelmäßig Freiluftkonzerte und Kulturveranstaltungen statt. Kaum zu glauben, dass hier bis 1980 Kohle umgeschlagen wurde.

Gerbermühle

Bei sommerlichem Wetter gibt es keinen schöneren Platz in Frankfurt. Unter den Füßen knirscht der Kies im großzügigen Garten, über den Köpfen rauschen die Bäume, und auf dem Main ziehen die Schiffe vorüber. Wenn dann noch auf dem Tisch ein Teller mit Grüner Soße und ein Schoppen Ebbelwei stehen, ist das Glück perfekt. Kein Wunder, dass schon Goethe gern hierherkam. Die „Gerbermühle“ ist schon immer ein Liebling der Frankfurter gewesen – auch wenn Offenbach hier am Oberräder Flussufer schon gefährlich nahe ist. Das Ausflugslokal, das im Krieg schwer beschädigt, in den Siebzigern wieder eröffnet und schließlich 2007 komplett renoviert wurde, ist ein wahres Stück Frankfurt. Im Garten werden zu gehobenen, aber akzeptablen Preisen regionale und andere Deftigkeiten serviert. Der Schickeria-Faktor ist höher als anderswo – aber erträglich.

Foto: Patrick JunkerHafen Offenbach

Der blaue Kran erinnert noch an die industrielle Vergangenheit, aber jetzt ist auch er eine touristische Attraktion. Obwohl natürlich nicht nur Besucher das mit einer Aussichtsplattform ausgestattete Stahlungetüm besteigen und aus knapp zehn Metern Höhe die Aussicht auf die Frankfurter Skyline genießen sollen, sondern durchaus auch die Einwohner des neuen Hafenstadtteils in Offenbach. Noch wird an allen Ecken und Enden gebaut, insgesamt sollen einmal rund 3000 Menschen in dem Quartier wohnen. Leben ist aber schon jetzt eingekehrt. Das liegt nicht nur am blauen Kran, der langen Promenade auf der Mole und der neuen, großzügigen Hafentreppe, die zum zentralen Treffpunkt des neuen Viertels geworden ist. Zur Attraktivität tragen auch ein gerade eröffnetes italienisches Restaurant und natürlich das Kulturzentrum „Hafen 2“ bei, das wegen der Bauarbeiten zwar einen neuen Standort in der Nähe finden musste, nun aber viel mehr Platz für Konzerte und Open-Air-Kino-Abende hat.

Frankfurter Bootshaus

Ob er nun Offenbacher oder Fechenheimer Mainbogen heißt, ist eine Frage des Standorts. Auf jeden Fall macht der Main an dieser Stelle eine langgezogene Kurve und umschließt Frankfurts östlichsten Stadtteil. Die Flächen südlich von Fechenheim sind Landschaftsschutzgebiet und ein Paradies für Radfahrer und Wanderer. Und zum Glück gibt es hier seit etwas mehr als einem Jahr auch wieder die Gelegenheit zur Einkehr: Die Gaststätte im Vereinshaus des Frankfurter Ruder-Clubs Fechenheim heißt nun offiziell „Frankfurter Bootshaus“ und bietet eine moderne Mischung aus deutscher und internationaler Kost. Vor allem auf der Sommerterrasse lässt es sich mit Blick auf den Main und die Ruderer bestens aushalten.

Museumsufer

Mit der Idee für das Museumsufer hat Ende der Siebziger die Neuentdeckung und Neugestaltung des Mainufers in Frankfurt begonnen. Neun Ausstellungshäuser reihen sich inzwischen am Schaumainkai aneinander, aber auch auf der nördlichen Uferseite sind Sammlungen zu finden, in denen man ganze Tage zubringen kann – wären da nicht auch noch die Parks und Gärten und vor allem die Lokale, die das Frankfurter Museums-Ensemble vervollständigen, zum Beispiel das „Emma Metzler“ im Museum Angewandte Kunst und das ausgesprochen beliebte Café im Liebieghaus. Auf dem Tiefkai direkt am Fluss gibt es weitere Orte der Geselligkeit wie das Dönerboot und das „Maincafé“.

Westhafen

Die Vision vom Wohnen am Fluss ist in vielen europäischen Städten gleichzeitig populär geworden, nicht nur in London und Hamburg. In Frankfurt hat sie Anfang der neunziger Jahre als Erstes im früheren Westhafen Form angenommen – und inzwischen ist das Areal im Gutleutviertel ein durchaus lebendiges Quartier, das seinen Bewohnern mit der bebauten Mole, der Marina im früheren Hafenbecken und dem weithin sichtbaren Westhafen-Tower, dem „Gerippten“, nicht nur ein besonderes Plätzchen direkt am Main bietet, sondern auch wegen seiner Restaurants und Lokale beliebt ist. Das Angebot reicht vom architektonisch reiz-vollen „Druckwasserwerk“ im historischen Backsteinbau direkt an der Main-Neckar-Eisenbahnbrücke bis zur anspruchsvollen „Frankfurter Botschaft“. Besonderen Charme hat das französische Lokal „Émile“, das auf einem kleinen Hausboot am Pier schwimmt.

Foto: Dieter RüchelLicht- und Luftbad

Auf dieser kleinen Halbinsel haben sich die Frankfurter schon vor 100 Jahren entspannt. Das Licht- und Luftbad war im Jahr 1900 als Flussschwimmbad und Naherholungsgebiet für Arbeiterfamilien angelegt worden, es gab eine Garderobenhalle, Umkleidekabinen, Kioske und einen Turnplatz. Inzwischen erlebt das einstige Arbeiterbad am Niederräder Mainufer als „Licht- und Luftbad“ eine Renaissance. Vor ein paar Jahren wurde ein neuer, schwimmbarer Imbiss namens „Lilu“ auf dem Gelände gebaut, dazu eine Holzterrasse. Teure Möbel und schicke Lounge-Accessoires sucht man allerdings noch immer vergebens, der Reiz liegt im Schlichten. Bei freiem Eintritt können sich die Gäste auf den weiten Ufer- wiesen am Main, auf 150 Quadratmeter Strand, auf dem Spielplatz oder an der Boulebahn vergnügen. Auch Grillen ist erlaubt.

Foto: Victor HedwigOrange Beach

Das hier ist der Gegenentwurf zu den Angeber-Stränden und Schickeria-Treffpunkten in der City. Der „Orange Beach“ unter den Eisenbahnbrücken im Gutleut wird gerne als Stadtstrand bezeichnet, und der Name klingt für Unkundige womöglich nach einer Nobeladresse - eigentlich ist dieses Kleinod aber nichts weiter als eine Trinkhalle. Und die Gäste sind deshalb nicht durchgestylt bis zum Bauchnabel, sondern authentisch bis zum Unterhemd. Das Büdchen heißt so, weil das Häuschen schon bei den Vorbesitzern eine orangefarbene Fassade hatte. Selbst ein von einem Brandstifter im Januar 2014 gelegtes Feuer konnte dem „Orange Beach“ nichts anhaben. Inhaber Olaf Gries hat alles wieder aufgebaut und den Charme des Improvisierten erhalten. Und so stehen vor der Bude auch in diesem Sommer die Bierbänke und auf dem Sandstreifen am Mainufer Strandkörbe und weiße Plastikstühle. Manche Besucher lassen die Füße im Wasser baumeln, und dass alle paar Minuten ein Zug über die Brücken donnert, stört niemanden.

Zum Nussbaum

Von den besonders angesagten Abschnitten des Mainufers ist die Gaststätte „Zum Nussbaum“ weit entfernt. In jeder Hinsicht. Einerseits liegt das Schwanheimer Ufer tatsächlich einige Kilometer abseits der Innenstadt, und ein Ausflug dorthin nimmt von den meisten Stadtteilen aus einige Zeit in Anspruch. Zum anderen fehlt dem Kleingartenverein Schwanheim, in dessen Anlage das rustikale, deutsch-polnische Lokal in einem schmucklosen Flachbau untergebracht ist, jegliche trendige Anziehungskraft. Hier, direkt an der Staustufe Griesheim mit ihrer vielgenutzten Schleuse und fern aller Vintage-Möblierung und Urban-Gardening-Spinnerei, ist die Zeit in gewisser Weise stehengeblieben. Hier ist Frankfurt noch ehrlich, bodenständig und unaufgeregt. Hier haben die Leute einen richtigen Garten, essen im „Nussbaum“ Zigeunerschnitzel und genießen ansonsten die Ruhe.

Foto: Helmut FrickeSchwanheimer Düne

Der Fachmann spricht von einer Binnendüne. Und er meint damit ein großes Sandfeld, das in einiger Entfernung von den Küsten von Nord- und Ostsee liegt. Das gibt es in Deutschland an einigen Stellen, zum Beispiel am Oberrhein, in der Lüneburger Heide – und in Schwanheim. Die dortige Düne hat eine Ausdehnung von fast 60 Hektar und ist nach der bisher letzten Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren entstanden. Seit 1984 steht das Gebiet südöstlich des Industrieparks Höchst unter Naturschutz, 2003 wurde es zudem zum Flora-Fauna-Habitat nach Europäischem Recht erklärt. Landschaftlich wirkt das Gebiet eher karg. Es besteht aus buschartigen Kiefernwäldern, Streuobstwiesen und den eigentlichen Sanddünen, die für Laien auf den ersten Blick allerdings gar nicht so leicht zu erkennen sind. Für Botaniker und Ornithologen ist die Schwanheimer Düne allerdings ein Kleinod. Durch dessen empfindlichsten Teil führt seit 1999 ein breiter Holzbohlenweg, der allein schon einen Besuch wert ist.

Mainfähre Höchst

Sie ist die Einzige ihrer Art auf Frankfurter Stadtgebiet: die Fähre zwischen Schwanheim und Höchst. In allen anderen Stadtteilen am Main gibt es Brücken, hier aber bringt seit dem Jahr 1623 ein Fährmann die Passagiere auf die andere Seite des Flusses. Heutzutage allerdings nur Fußgänger und Radfahrer, denn der Betrieb der alten Autofähre wurde 1991 nach dem Bau der Leunabrücke eingestellt. Entsprechend beschaulich ist die kurze Fahrt mit der „Walter Kolb“. Für Ausflügler, die aus Schwanheim kommen, ist die Fähre der ideale Weg, um ohne große Umwege in die Höchster Altstadt zu gelangen, wo vor allem das kulinarische Dreigestirn des Höchster Schlossplatzes – die Gasthäuser „Zum Bären“, „Alte Zollwache“ und „Zum Schwan“ – für eine Rast wie geschaffen ist. Außerdem sind das mittelalterliche Schloss, der Zollturm und die Justinuskirche einen Besuch wert. Auf der anderen Mainseite ist der Fähranleger ein guter Ausgangspunkt zur Erkundung des Naturschutzgebietes „Schwanheimer Düne“. Zudem steht in seiner Nähe die „Tillylinde“, die an die historische Schlacht bei Höchst im Dreißigjährigen Krieg erinnert, als die siegreichen kaiserlichen Truppen unter Feldmarschall Tilly im Jahr 1622 an dieser Stelle lagerten.

Foto: Victor HedwigSchiffsmeldestelle Höchst

Es gibt Leute, für die ist das Höchster Mainufer inzwischen so etwas wie ein Stück Côte d'Azur in Frankfurt. Das ist sicher ein bisschen übertrieben, und außerdem gibt es ja schon das Nizza am Untermainkai. Tatsächlich aber ist dort, wo in Höchst einst die vorbeifahrenden Schiffe erfasst und gezählt wurden und vor ein paar Jahren noch Autos auf dem Tiefkai an der Stadtmauer standen, ein wunderbarer Ort zum Relaxen und geselligen Beisammensein entstanden. Die „Schiffsmeldestelle“ ist im Grunde nichts weiter als eine Mischung aus Strandbar und Biergarten, die keinen Sand, aber dafür viel Rasen zu bieten hat. Doch wenn die Sonne scheint und am Abend die Fackeln und Kerzen angezündet werden, kommen die Leute in Scharen und lassen es sich in Liegestühlen und an Biertischen mit deftiger Verpflegung, Ebbelwei und Bier gutgehen.

Foto: Victor HedwigSchiffsmeldestelle Höchst

Es gibt Leute, für die ist das Höchster Mainufer inzwischen so etwas wie ein Stück Côte d'Azur in Frankfurt. Das ist sicher ein bisschen übertrieben, und außerdem gibt es ja schon das Nizza am Untermainkai. Tatsächlich aber ist dort, wo in Höchst einst die vorbeifahrenden Schiffe erfasst und gezählt wurden und vor ein paar Jahren noch Autos auf dem Tiefkai an der Stadtmauer standen, ein wunderbarer Ort zum Relaxen und geselligen Beisammensein entstanden. Die „Schiffsmeldestelle“ ist im Grunde nichts weiter als eine Mischung aus Strandbar und Biergarten, die keinen Sand, aber dafür viel Rasen zu bieten hat. Doch wenn die Sonne scheint und am Abend die Fackeln und Kerzen angezündet werden, kommen die Leute in Scharen und lassen es sich in Liegestühlen und an Biertischen mit deftiger Verpflegung, Ebbelwei und Bier gutgehen.

Mainfähre Höchst

Sie ist die Einzige ihrer Art auf Frankfurter Stadtgebiet: die Fähre zwischen Schwanheim und Höchst. In allen anderen Stadtteilen am Main gibt es Brücken, hier aber bringt seit dem Jahr 1623 ein Fährmann die Passagiere auf die andere Seite des Flusses. Heutzutage allerdings nur Fußgänger und Radfahrer, denn der Betrieb der alten Autofähre wurde 1991 nach dem Bau der Leunabrücke eingestellt. Entsprechend beschaulich ist die kurze Fahrt mit der „Walter Kolb“. Für Ausflügler, die aus Schwanheim kommen, ist die Fähre der ideale Weg, um ohne große Umwege in die Höchster Altstadt zu gelangen, wo vor allem das kulinarische Dreigestirn des Höchster Schlossplatzes – die Gasthäuser „Zum Bären“, „Alte Zollwache“ und „Zum Schwan“ – für eine Rast wie geschaffen ist. Außerdem sind das mittelalterliche Schloss, der Zollturm und die Justinuskirche einen Besuch wert. Auf der anderen Mainseite ist der Fähranleger ein guter Ausgangspunkt zur Erkundung des Naturschutzgebietes „Schwanheimer Düne“. Zudem steht in seiner Nähe die „Tillylinde“, die an die historische Schlacht bei Höchst im Dreißigjährigen Krieg erinnert, als die siegreichen kaiserlichen Truppen unter Feldmarschall Tilly im Jahr 1622 an dieser Stelle lagerten.

Foto: Helmut FrickeSchwanheimer Düne

Der Fachmann spricht von einer Binnendüne. Und er meint damit ein großes Sandfeld, das in einiger Entfernung von den Küsten von Nord- und Ostsee liegt. Das gibt es in Deutschland an einigen Stellen, zum Beispiel am Oberrhein, in der Lüneburger Heide – und in Schwanheim. Die dortige Düne hat eine Ausdehnung von fast 60 Hektar und ist nach der bisher letzten Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren entstanden. Seit 1984 steht das Gebiet südöstlich des Industrieparks Höchst unter Naturschutz, 2003 wurde es zudem zum Flora-Fauna-Habitat nach Europäischem Recht erklärt. Landschaftlich wirkt das Gebiet eher karg. Es besteht aus buschartigen Kiefernwäldern, Streuobstwiesen und den eigentlichen Sanddünen, die für Laien auf den ersten Blick allerdings gar nicht so leicht zu erkennen sind. Für Botaniker und Ornithologen ist die Schwanheimer Düne allerdings ein Kleinod. Durch dessen empfindlichsten Teil führt seit 1999 ein breiter Holzbohlenweg, der allein schon einen Besuch wert ist.

Zum Nussbaum

Von den besonders angesagten Abschnitten des Mainufers ist die Gaststätte „Zum Nussbaum“ weit entfernt. In jeder Hinsicht. Einerseits liegt das Schwanheimer Ufer tatsächlich einige Kilometer abseits der Innenstadt, und ein Ausflug dorthin nimmt von den meisten Stadtteilen aus einige Zeit in Anspruch. Zum anderen fehlt dem Kleingartenverein Schwanheim, in dessen Anlage das rustikale, deutsch-polnische Lokal in einem schmucklosen Flachbau untergebracht ist, jegliche trendige Anziehungskraft. Hier, direkt an der Staustufe Griesheim mit ihrer vielgenutzten Schleuse und fern aller Vintage-Möblierung und Urban-Gardening-Spinnerei, ist die Zeit in gewisser Weise stehengeblieben. Hier ist Frankfurt noch ehrlich, bodenständig und unaufgeregt. Hier haben die Leute einen richtigen Garten, essen im „Nussbaum“ Zigeunerschnitzel und genießen ansonsten die Ruhe.

Foto: Victor HedwigOrange Beach

Das hier ist der Gegenentwurf zu den Angeber-Stränden und Schickeria-Treffpunkten in der City. Der „Orange Beach“ unter den Eisenbahnbrücken im Gutleut wird gerne als Stadtstrand bezeichnet, und der Name klingt für Unkundige womöglich nach einer Nobeladresse - eigentlich ist dieses Kleinod aber nichts weiter als eine Trinkhalle. Und die Gäste sind deshalb nicht durchgestylt bis zum Bauchnabel, sondern authentisch bis zum Unterhemd. Das Büdchen heißt so, weil das Häuschen schon bei den Vorbesitzern eine orangefarbene Fassade hatte. Selbst ein von einem Brandstifter im Januar 2014 gelegtes Feuer konnte dem „Orange Beach“ nichts anhaben. Inhaber Olaf Gries hat alles wieder aufgebaut und den Charme des Improvisierten erhalten. Und so stehen vor der Bude auch in diesem Sommer die Bierbänke und auf dem Sandstreifen am Mainufer Strandkörbe und weiße Plastikstühle. Manche Besucher lassen die Füße im Wasser baumeln, und dass alle paar Minuten ein Zug über die Brücken donnert, stört niemanden.

Foto: Dieter RüchelLicht- und Luftbad

Auf dieser kleinen Halbinsel haben sich die Frankfurter schon vor 100 Jahren entspannt. Das Licht- und Luftbad war im Jahr 1900 als Flussschwimmbad und Naherholungsgebiet für Arbeiterfamilien angelegt worden, es gab eine Garderobenhalle, Umkleidekabinen, Kioske und einen Turnplatz. Inzwischen erlebt das einstige Arbeiterbad am Niederräder Mainufer als „Licht- und Luftbad“ eine Renaissance. Vor ein paar Jahren wurde ein neuer, schwimmbarer Imbiss namens „Lilu“ auf dem Gelände gebaut, dazu eine Holzterrasse. Teure Möbel und schicke Lounge-Accessoires sucht man allerdings noch immer vergebens, der Reiz liegt im Schlichten. Bei freiem Eintritt können sich die Gäste auf den weiten Ufer- wiesen am Main, auf 150 Quadratmeter Strand, auf dem Spielplatz oder an der Boulebahn vergnügen. Auch Grillen ist erlaubt.

Westhafen

Die Vision vom Wohnen am Fluss ist in vielen europäischen Städten gleichzeitig populär geworden, nicht nur in London und Hamburg. In Frankfurt hat sie Anfang der neunziger Jahre als Erstes im früheren Westhafen Form angenommen – und inzwischen ist das Areal im Gutleutviertel ein durchaus lebendiges Quartier, das seinen Bewohnern mit der bebauten Mole, der Marina im früheren Hafenbecken und dem weithin sichtbaren Westhafen-Tower, dem „Gerippten“, nicht nur ein besonderes Plätzchen direkt am Main bietet, sondern auch wegen seiner Restaurants und Lokale beliebt ist. Das Angebot reicht vom architektonisch reiz-vollen „Druckwasserwerk“ im historischen Backsteinbau direkt an der Main-Neckar-Eisenbahnbrücke bis zur anspruchsvollen „Frankfurter Botschaft“. Besonderen Charme hat das französische Lokal „Émile“, das auf einem kleinen Hausboot am Pier schwimmt.

Museumsufer

Mit der Idee für das Museumsufer hat Ende der Siebziger die Neuentdeckung und Neugestaltung des Mainufers in Frankfurt begonnen. Neun Ausstellungshäuser reihen sich inzwischen am Schaumainkai aneinander, aber auch auf der nördlichen Uferseite sind Sammlungen zu finden, in denen man ganze Tage zubringen kann – wären da nicht auch noch die Parks und Gärten und vor allem die Lokale, die das Frankfurter Museums-Ensemble vervollständigen, zum Beispiel das „Emma Metzler“ im Museum Angewandte Kunst und das ausgesprochen beliebte Café im Liebieghaus. Auf dem Tiefkai direkt am Fluss gibt es weitere Orte der Geselligkeit wie das Dönerboot und das „Maincafé“.

Frankfurter Bootshaus

Ob er nun Offenbacher oder Fechenheimer Mainbogen heißt, ist eine Frage des Standorts. Auf jeden Fall macht der Main an dieser Stelle eine langgezogene Kurve und umschließt Frankfurts östlichsten Stadtteil. Die Flächen südlich von Fechenheim sind Landschaftsschutzgebiet und ein Paradies für Radfahrer und Wanderer. Und zum Glück gibt es hier seit etwas mehr als einem Jahr auch wieder die Gelegenheit zur Einkehr: Die Gaststätte im Vereinshaus des Frankfurter Ruder-Clubs Fechenheim heißt nun offiziell „Frankfurter Bootshaus“ und bietet eine moderne Mischung aus deutscher und internationaler Kost. Vor allem auf der Sommerterrasse lässt es sich mit Blick auf den Main und die Ruderer bestens aushalten.

Foto: Patrick JunkerHafen Offenbach

Der blaue Kran erinnert noch an die industrielle Vergangenheit, aber jetzt ist auch er eine touristische Attraktion. Obwohl natürlich nicht nur Besucher das mit einer Aussichtsplattform ausgestattete Stahlungetüm besteigen und aus knapp zehn Metern Höhe die Aussicht auf die Frankfurter Skyline genießen sollen, sondern durchaus auch die Einwohner des neuen Hafenstadtteils in Offenbach. Noch wird an allen Ecken und Enden gebaut, insgesamt sollen einmal rund 3000 Menschen in dem Quartier wohnen. Leben ist aber schon jetzt eingekehrt. Das liegt nicht nur am blauen Kran, der langen Promenade auf der Mole und der neuen, großzügigen Hafentreppe, die zum zentralen Treffpunkt des neuen Viertels geworden ist. Zur Attraktivität tragen auch ein gerade eröffnetes italienisches Restaurant und natürlich das Kulturzentrum „Hafen 2“ bei, das wegen der Bauarbeiten zwar einen neuen Standort in der Nähe finden musste, nun aber viel mehr Platz für Konzerte und Open-Air-Kino-Abende hat.

Gerbermühle

Bei sommerlichem Wetter gibt es keinen schöneren Platz in Frankfurt. Unter den Füßen knirscht der Kies im großzügigen Garten, über den Köpfen rauschen die Bäume, und auf dem Main ziehen die Schiffe vorüber. Wenn dann noch auf dem Tisch ein Teller mit Grüner Soße und ein Schoppen Ebbelwei stehen, ist das Glück perfekt. Kein Wunder, dass schon Goethe gern hierherkam. Die „Gerbermühle“ ist schon immer ein Liebling der Frankfurter gewesen – auch wenn Offenbach hier am Oberräder Flussufer schon gefährlich nahe ist. Das Ausflugslokal, das im Krieg schwer beschädigt, in den Siebzigern wieder eröffnet und schließlich 2007 komplett renoviert wurde, ist ein wahres Stück Frankfurt. Im Garten werden zu gehobenen, aber akzeptablen Preisen regionale und andere Deftigkeiten serviert. Der Schickeria-Faktor ist höher als anderswo – aber erträglich.

Foto: Victor HedwigHafenpark

Lange war die Gegend rund um die frühere Großmarkthalle im Ostend eine einzige Baustelle. Der gläserne Doppelturm der Europäischen Zentralbank wuchs in den Himmel, und zu seinen Füßen wühlten sich Gärtner und Landschaftplaner durch den Boden. Inzwischen ist der Hafenpark fertig und zu einem neuen Lieblingsort der Frankfurter geworden. Nicht nur an den Wochenenden, aber dann ganz besonders, strömen sie auf das weitläufige Sport- und Freizeitgelände zwischen Deutschherrn- und Honsellbrücke. Der dortige Skaterpark ist der größte Deutschlands, an der früheren Ruhrorter Werft kann sich das direkt am Main gelegene Ausflugslokal „Oosten“ kaum vor Gästen retten, und ein Stückchen weiter finden an der Weseler Werft regelmäßig Freiluftkonzerte und Kulturveranstaltungen statt. Kaum zu glauben, dass hier bis 1980 Kohle umgeschlagen wurde.

Cronberg-Platz

Früher wurde an dieser Stelle geschlachtet. Aber daran erinnert heute nichts mehr, der einstige Schlacht- und Viehhof ist verschwunden. An seiner Stelle ist seit den neunziger Jahren ein modernes Wohnviertel entstanden, dessen Zentrum der weitläufige, runde Walther-von-Cronberg-Platz bildet, benannt nach dem Kronberger Ritter, der im 16. Jahrhundert dem Deutschen Orden vorstand. Heute herrscht hier im Sommer geradezu mediterranes Treiben. Die zahlreichen Bars und Restaurants rund um den Platz, den „Main Plaza“-Turm und das ovale Colosseo-Haus, locken Anwohner wie Besucher ins Freie, und der Fontänenbrunnen in der Mitte des Areals bietet nicht nur den Kindern Abwechslung und Abkühlung. Zum Main sind es nur wenige Schritte, wo die Uferpromenade und Rasenflächen zum Sonnenbaden oder Picknick einladen und man einen guten Blick auf den Turm der Europäischen Zentralbank hat.

Foto: Victor HedwigLiteraturhaus

Man könnte meinen, eine Frankfurter Institution wie das Literaturhaus gäbe es schon seit Generationen. Tatsächlich ist es aber noch nicht einmal drei Jahrzehnte alt - und in einem Gebäude untergebracht, dass zwar historisch wirkt, in seiner jetzigen Form aber erst seit zwölf Jahren steht. Das klassizistische Gebäude der Alten Frankfurter Stadtbibliothek war 1825 an dieser Stelle eröffnet worden, wurde im Zweiten Weltkrieg aber vollständig vernichtet und erst 2005 wieder aufgebaut. Seither dient es als Literaturhaus für Lesungen, Diskussionen und Gesprächskreise, aber auch für ausgelassene Partys und Feste. Und dann ist da ja auch noch das Restaurant „Goldmund“ im Erdgeschoss des Hauses. Dort tischt der Küchenchef statt mediterranem Mainstream lieber deutsche und französische Klassiker auf. Auch das passt sehr gut zu dieser Frankfurter Institution.

Foto: Lukas KreibigEiserner Steg

Der Weg zum Museumsufer führt für die meisten Gäste der Mainmetropole über den Eisernen Steg. Und weil es in der Stadt kaum einen besseren Platz für ein paar Selfies vor der Frankfurter Hochhauskulisse gibt, tummeln sich vor allem bei gutem Wetter die Touristen aus aller Welt auf der 1868 erbauten Fußgängerbrücke. Auf der Nordseite sind es von dort nur ein paar Schritte zum Römer und zur gerade neu entstehenden Altstadt, auf der Südseite locken nicht nur die Ausstellungshäuser, sondern auch Bars und Cafés: direkt am Fuß des Stegs zum Beispiel das „Mainstrand“ und gleich daneben das Bootshaus Dreyer, ein schwimmendes Café mit einem atemberaubenden Blick auf die Skyline.

Nizza

Wer auf die Idee gekommen ist, dieses Stück Mainufer nach der Stadt an der französischen Riviera zu benennen, ist nicht überliefert. Klar ist aber, dass die Frankfurter die Parkanlage zwischen der Untermainbrücke und der Friedensbrücke schon seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts „Nizza„“ nennen, weil in der windgeschützten, sonnenreichen Südlage mit ihrem milden Mikroklima viele mediterrane Pflanzen gedeihen, die anderswo in der Stadt nicht zu finden sind. Palmen zum Beispiel, aber auch Feigen- und Zitronenbäume. Im Laufe der Zeit ist die Anlage mit ihrer Platanenallee mehrfach umgestaltet worden, zuletzt 2005. Seitdem gibt es dort nur noch frostresistente Pflanzen, die im Winter nicht ausgelagert, sondern nur verpackt werden müssen. Vor allem aber wurde damals der alte Café-Pavillon durch ein modernes Restaurant-Gebäude ersetzt. Von der Terrasse des „Main Nizza“ haben die Gäste einen perfekten Blick auf die andere Mainseite.

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  • Stadt, Land, Fluss – und vor allem Ufer

    Von PETER BADENHOP

    27.06.2017 · Den Fluss vor ihrer Tür haben die Frankfurter lange links liegengelassen. Als Hamburger, Münchener und Düsseldorfer längst schon die schönen Seiten von Elbe, Isar und Rhein für sich entdeckt und deren Ufer zu Orten der urbanen Entspannung, Unterhaltung und Geselligkeit gemacht hatten, fristete der Main noch immer ein unverdientes Schatten-dasein. Aber das hat sich gottlob in den vergangenen 25 Jahren gründlich geändert.

    Heute ist nicht mehr nur das weit über die Stadt hinaus bekannte Museumsufer eine Zierde der Mainmetropole, auch die anderen Abschnitte des Flusses sind längst voller Leben. Die Zahl der Attraktionen zwischen Höchst und Offenbach nimmt mit jedem Jahr zu. Zuletzt hat die Nachbarstadt im Südosten mit der Entwicklung des alten Hafens zu einem modernen Wohngebiet einen neuen Anziehungspunkt geschaffen.

    Peter Badenhop hat sich an beiden Ufern des Mains umgesehen und mehr als ein Dutzend Tipps auf dieser Seite zusammengetragen, alle Informationen finden Sie mit einem Klick auf die roten Buttons.

    Quelle: F.A.Z.