Poser-Szene in Frankfurt

Mit dem Ferrari um den Block

Von Katharina Iskandar, Frankfurt
© dpa, F.A.Z.

Am Dienstagabend zitterten bei Rudolf Ebener wieder einmal die Scheiben. Der Rentner wohnt in Frankfurt in einer Wohnung im Allerheiligenviertel, einem der Brennpunkte der Stadt. Nicht nur, dass dort seit Jahren Dealer Haschisch und Marihuana verkaufen und das Viertel ein bekannter Rückzugsort für Kleinkriminelle ist. Seit kurzem trifft sich dort auch die sogenannte Poser-Szene. Junge Männer, die mit Maseratis oder anderen luxuriösen Sportwagen durch die Straßen jagen.

Sieben-, achtmal drehten sie jeden Abend ihre Runde, klagen Anwohner. „Wenn sie den Motor aufdrehen“, sagt Ebener, „ist das ein Getöse, als wenn mehrere Propeller-Maschinen aus dem Zweiten Weltkrieg über einen hinwegdonnern.“

Wo man gesehen wird

Der Polizei ist das Phänomen bekannt. Seit kurzem gibt es in der Direktion Verkehrssicherheit eine eigene Arbeitsgruppe dafür. Wobei die Beamten fein unterschieden zwischen Tunern, Rasern und Posern. Klassische Raser wie etwa in Berlin, die sich an den Wochenenden verabreden, um sich Rennen zu liefern, gibt es laut Polizei in Frankfurt nicht. Allerdings fänden immer mal wieder vereinzelt Autorennen unter Tunern statt, die sich regelmäßig an der Hanauer Landstraße träfen, um an ihren Autos herumzubasteln. Die Polizei habe diese Szene im Blick, seitdem es in Frankfurt, aber auch in anderen hessischen Städten den sogenannten Carfreitag gibt.

Die Gruppe, die die Beamten tatsächlich derzeit am meisten beschäftigt, sind die Poser, die mit Luxusautos um den Block fahren. Wie Polizeisprecherin Annegret Kaus mitteilt, sind die Beschwerden von Anwohnern aus dem gesamten Stadtgebiet stark angestiegen. Ähnliches sei aus anderen Großstädten zu hören. „Grund der Beschwerden ist in diesen Fällen die Lautstärke, die beispielsweise durch das Aufheulenlassen des Motors verursacht wird“, so Kaus.

Eine feste Zahl von Personen oder feste Gruppierungen gebe es nicht. „In der Regel treffen sich aber zwei oder drei Personen spontan oder verabreden sich und fahren dann zusammen durch die Innenstadt.“ Die Ferraris, Maseratis und sonstige Luxuswagen sind meistens nur gemietet. Bevorzugte Strecken sind die Tour durch das Allerheiligenviertel mit Abstecher auf die östliche Zeil sowie die Neue Mainzer Straße am Opernplatz entlang. Überall dort eben, wo man gesehen wird.

Raser-Szene verhindern

Entsprechend niedrig ist das Tempo. Auf den ausgewählten Strecken fahren die Poser langsam, mitunter so, dass sie den Verkehr aufhalten. Dann beschleunigen sie plötzlich, lassen den Motor aufheulen und rasen dann quasi im Sprint bis zur nächsten Ampel.

Die Polizei will nun verstärkt gegen diese Unsitten vorgehen. „Es werden intensive und regelmäßige Kontrollen durchgeführt“, so Kaus. Vor allem soll verhindert werden, dass aus der Poser-Szene irgendwann eine Raser-Szene hervorgeht, wie es sie in anderen Großstädten schon gibt – wo es dann mitunter zu schweren Unfällen kommt. Die Beamten setzen auf Geschwindigkeitsmessungen, die sowohl von der Polizei selbst, aber auch von Mitarbeitern der Stadt vorgenommen werden.

„Unter Beobachtung“

Inzwischen führt die Polizei sogar ein eigenes Poser-Verzeichnis, in dem alle Personen aufgeführt werden, die mit dieser Fahrweise aufgefallen sind. Damit wollen sich die Beamten einen Überblick über die Szene verschaffen, aber auch erreichen, dass die Strafen am Ende höher ausfallen.

„Bisher stellt das Verursachen von unnötigem Lärm beim Autofahren lediglich eine Ordnungswidrigkeit dar, die bei dem ersten Verstoß zehn Euro kostet“, so Kaus. Erst durch wiederholte Verstöße werde es für den Fahrer teurer. Zudem schreibt die Polizei bekannte Poser, aber auch die Halter der Autos inzwischen an. In den Briefen wird ihnen mitgeteilt, dass sie „unter Beobachtung“ stehen.

Quelle: F.A.Z.
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