Ausstellung eröffnet

Das las Anne Frank

Von Samuel Rieth
 - 09:16

Im ersten Raum ist die Welt noch in Ordnung: Die Bilder an der Wand zeigen Frauen und Männer beim Billardspiel, ein prächtiges Stadthaus und ein Kino. Im Regal liegen Partituren und zwei Geigen, denn Anne Franks Familie war sehr musikalisch. Doch wer das Zimmer verlässt, erfährt im nächsten Raum mehr über ihr Leben im Exil – vor allem anhand ihrer Bücher.

„Eine Wohnung für Franks“ heißt die Ausstellung, die am Sonntag in den Räumen des Archivs der Goethe-Universität eröffnet worden ist. Sie gehört zum Fest „Frankfurt liest ein Buch“, denn dieses Buch ist 2015 „,Grüße und Küsse an alle‘ – Die Geschichte der Familie von Anne Frank“ von Mirjam Pressler.

Durch die gleichen Bücher blättern wie sie

Die Ausstellung sei der „Versuch einer Verneigung“ vor der Familie, sagte der Kurator, Wolfgang Schopf vom Literaturarchiv der Universität, während der Eröffnung. Gezeigt wird sie in der Dantestraße9: Das Elternhaus von Anne Franks Vater stand einst direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite. Die Ausstellungsmacher haben Presslers Werk und Annes Tagebuch nach Buchtiteln, Gegenständen und historischen Ereignissen durchforscht.

Vor allem Bücher haben sie dann zusammengekauft: Originalbesitz der Franks zeigt die Ausstellung nicht, doch alle Ausgaben sind zeitgenössisch. Der Besucher kann die Bücher in die Hand nehmen und in den gleichen Werken blättern wie Anne in ihrem Hinterhaus-Versteck in Amsterdam: Goethe, Schiller, „Vom Winde verweht“ und „Palästina am Scheideweg“, Biographien, aber auch „Mädchenbücher“, wie es im Tagebuch heißt.

Die andere Seite des Raumes handelt vom Exil in Basel: Dorthin floh die andere Hälfte der Familie Frank – und überlebte. In der Mitte hängen vergrößert nachgedruckte Zeitungsartikel über Ereignisse, die das Tagebuch erwähnt, etwa die Kapitulation Italiens oder Bombardierungen in Amsterdam.

Neben den Büchern hängen an der Wand Bilder der Frauen, mit denen auch Anne ihr Zimmer schmückte. Marie Antoinette zählt dazu, aber auch Schauspielerinnen wie Greta Garbo und Ginger Rogers werden gezeigt. Mit Leim und Pinsel habe sie so aus dem Zimmer „ein einziges Bild gemacht“, schreibt Anne im Tagebuch. „Es sieht viel fröhlicher aus.“

Die Ausstellung

Noch bis 26. April ist „Eine Wohnung für Franks“ täglich von 15 bis 19 Uhr in den Ausstellungsräumen des Archivs der Goethe-Universität Frankfurt, Dantestraße 9, zu sehen.

Quelle: F.A.Z.
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