Frankfurt

Online-Befragung zu Standorten für Toiletten

Von Mechthild Harting, Frankfurt
 - 09:00

Mit einem Klick im Internet können Frankfurter in den nächsten beiden Monaten auf einer interaktiven Karte der Stadt eintragen, wo sie sich künftig eine Toilettenanlage wünschen und wie das stille Örtchen aussehen soll. Reicht eine mobile Einrichtung für die Sommermonate? Oder soll es etwas solides, dauerhaftes sein? Auch die 53 Toilettenanlagen, für die das Liegenschaftsamt und damit Dezernent Jan Schneider zuständig ist, findet man auf der Homepage der Stadt auf dem Bürgerbeteiligungsportal „FFM Frankfurt fragt mich“. Sie sollen Schneider zufolge nicht nur zur Kenntnis genommen werden, sondern auch bewertet werden, etwa ob sie sauber genug sind.

Dass die Zahl der vorhandenen öffentlichen Anlagen nicht reicht, weiß Schneider. Geht man von den 53 Anlagen aus, die derzeit für jedermann zugänglich sind, komme rein rechnerisch auf 13000 Bürger eine Anlage. „Das ist eindeutig verbesserungswürdig“, sagte Schneider bei der Präsentation der Online-Befragung. Das Thema Toiletten sei in den vergangenen Jahren „ein bisschen vernachlässigt worden“. Schließlich wachse die Bevölkerung seit Jahren, auch habe sich das Freizeitverhalten stark geändert, wie die große Zahl der Besucher in Parks zeige. Doch die Stadt habe nicht reagiert und die Zahl der Toiletten sogar eher noch verringert. Das will Schneider ändern.

Bedarf derzeit schwer einzuschätzen

Im vergangenen Sommer – da hatte Schneider gerade die Zuständigkeit für das Liegenschaftsamt und damit für die Stabsstelle „Öffentliches Toilettenwesen“ übernommen – machte der amerikanische Unternehmer Kerry Reddington, Mitglied der Kommunalen Ausländervertretung, mit einer Kampagne darauf aufmerksam, dass es insbesondere an dem im Sommer gut besuchten Mainufer an Toiletten fehle. Aber nicht nur dort. Heute meint Schneider, der seitdem in regem Kontakt mit Reddington steht, dass die Stadt Frankfurt mit Blick auf ihre „Sanitärversorgung noch besser werden muss“. Nicht nur, weil das Thema öffentliche Toiletten die Bürger beschäftige, sondern auch, weil in der Stadtverwaltung niemand einen Überblick habe, wie viele Anlagen tatsächlich zur Verfügung stehen. Das Grünflächenamt etwa betreibt Toiletten in Parks und hat mit Gastronomiebetrieben am Mainufer Verträge geschlossen, dass nicht nur deren Kunden ihre Notdurft auf den Toiletten verrichten dürfen.

Gestützt auf die Online-Befragung, die, wenn es notwendig ist, auch noch bis in den Mai verlängert werden kann, will Schneider im Laufe des Jahres eines umfassendes, systematisch erarbeitetes Standortkonzept für alle öffentlichen Toiletten vorlegen. Erst dann könne man auch sagen, in welchem Umfang Investitionen notwendig seien. Derzeit sei der Bedarf „schwer einzuschätzen“.

Schneider hatte im vergangenen Sommer spontan die Idee, eine stillgelegte Anlage in der Kaimauer direkt neben der Gastronomie „Nizza“ zu reaktiveren. Seine Hoffnung, dass dies mit „ein paar neuen Fliesen und Kloschüsseln“ erledigt sei, hat sich nicht bewahrheitet. Die Decke der Räumlichkeiten sei marode. Schneider hofft nun, im Sommer mit den Bauarbeiten beginnen zu können.

Eigene, städtische Infrastruktur aufbauen

Die Frankfurter sollen jedoch nicht jahrelang auf neue Klosetts und Modernisierungen warten. Im Mai und Juni erfolge die zweite Testphase für die acht Dixie-Toiletten, die auf Initiative Reddingtons für die Stadt unentgeltlich an den Nord- und Südenden von Holbeinsteg und Untermainbrücke aufgestellt werden, so Schneider. Anders als im Herbst, als die erste Testphase lief, sollen sie nun täglich gereinigt und zumindest durch ein paar Blumen so eingefasst werden, dass sie besser zum Mainufer passen. Und Schneider will die Vergabe der Reinigungsleistungen bei allen ihm unterstellten Anlagen ändern.

Überlegungen, Firmen die Aufstellung von Toilettenanlagen zu genehmigen, die die Anlagen sauber halten und sie gleichzeitig als gewinnbringende Werbefläche nutzen – wie das etwa in Wiesbaden geschieht – lehnt Schneider ab. „Wir sind gut beraten, wenn wir unsere eigene, städtische Infrastruktur aufbauen.“

Befragung: www.ffm.de

Quelle: F.A.Z.
Mechthild Harting - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Mechthild Harting
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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