Frankfurter Immobilienmarkt

Unten einkaufen, oben wohnen

Von Rainer Schulze
 - 11:16

Was für eine Platzverschwendung: In Frankfurt fehlen Wohnungen, doch in vielen Vierteln machen sich eingeschossige Supermärkte und Autohäuser breit. Und zwar in bester Lage. Dass sie diese Grundstücke effizienter nutzen können, haben auch deren Eigentümer erkannt. Der Discounter Aldi-Nord reißt in Berlin beispielsweise erste Filialen ab und errichtet sie neu – samt Wohnungen in den Obergeschossen. Ähnliches hat nun auch die Lidl-Kette in Frankfurt vor. Im Gallus weicht eine eingeschossige Filiale einem Gebäudekomplex mit Lidl-Supermarkt im Erdgeschoss und 110 Wohnungen.

Lidl hat seine Pläne kürzlich dem Stadtplanungsamt vorgestellt. Die Filiale Mainzer Landstraße 377–385 wurde im Jahr 2001 eröffnet. Sie liegt auf Höhe des Ordnungsamts und hat einen großen Parkplatz. Auf dem rund 7700 Quadratmeter großen Gelände will der Lebensmittelhändler zwei Gebäude errichten. Im vorderen Gebäude finden die neue Lidl-Filiale sowie 40 Wohnungen Platz. Im Hof entsteht ein Parkplatz, an den sich das zweite Gebäude entlang der Lahnstraße anschließt. In diesem reinen Wohngebäude werden 70 Wohnungen untergebracht. Das Projekt will der Discounter gemeinsam mit der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG verwirklichen, die das reine Wohnhaus übernimmt.

„Metropolfiliale“ in Niederrad

„Wir freuen uns, dass die Stadt Frankfurt unseren Plänen für die Mainzer Landstraße offen gegenübersteht“, sagt Stephan Luxem, Leiter des Lidl-Immobilienbüros Rhein-Main und Verantwortlicher für das Bauprojekt im Gallus. „Sobald wir grünes Licht für unser Vorhaben erhalten haben, können wir in die Detailplanung gehen und dringend benötigten Wohnraum schaffen.“

In der Bürostadt Niederrad will Lidl ebenfalls platzsparend eine alte Filiale ersetzen. In diesem Fall entstehen allerdings keine zusätzlichen Wohnungen auf dem Grundstück. Mit dem Bau der neuen „Metropolfiliale“ an der Kreuzung von Goldsteinstraße und Lyoner Straße wurde vor einigen Tagen begonnen. Im Vergleich zu herkömmlichen Filialen, die wegen des vorgelagerten Parkplatzes mindestens 6000 Quadratmeter brauchen, kommt das neue Konzept mit der Hälfte der Fläche aus.

Photovoltaik-Anlage auf dem Dach

Auf demselben Grundstück entsteht eine Filiale mit fast doppelt so großer Verkaufsfläche und zehn Parkplätzen mehr. Der Supermarkt befindet sich im ersten Stock, unter ihm liegen die Parkplätze. Die Kunden gelangen über Rollbänder nach oben. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach erzeugt Strom aus Sonnenenergie, den die Kunden unentgeltlich nutzen können, um während des Einkaufs ihre Elektroautos oder -fahrräder aufzuladen. Im Dezember 2018 soll die neue Filiale eröffnet werden. In dem Gebäude soll auch eine Apotheke Platz finden.

Das Unternehmen meint, das Konzept sei ideal auf den „urbanen Raum“ zugeschnitten. Die „Metropolfiliale“ sei „eine Blaupause dafür, wie wir uns Einzelhandel in dichtbesiedelten innerstädtischen Gebieten vorstellen“, sagt Alexander Thurn, Geschäftsleiter Immobilien bei Lidl Deutschland.

Quelle: F.A.Z.
Rainer Schulze
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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