„Ich hoffe, es hat Wumms“

Frankfurt und ich, Folge 7: Sandra Kranich, Feuerwerkskünstlerin, 24.05.2018



Wenn es knallt, kracht und Funken schlägt, ist Sandra Kranich in ihrem Element. Ihre Augen leuchten bei jedem Böller, der in die Luft schießt, ihr Körper ist vollgepumpt mit Adrenalin. Kranich hat ihre Leidenschaft für Feuerwerke zu Kunst gemacht. Sie zündet Feuerwerkskörper in Metallbildern, Installationen oder Skulpturen. Die Kraft der Explosionen verändert das Material, es entstehen neue Formen und Farben, Schmauchspuren legen sich wie Zeichnungen auf den Untergrund. „Bei meiner Arbeit gibt es immer ein Davor, ein Währenddessen und ein Danach“, sagt die Künstlerin.

Video: F.A.Z.

Wer nun denkt, die Feuerwerks-Künstlerin müsse selbst so explosiv und extrovertiert sein wie ihre Werke, der irrt. Ruhig und bescheiden tritt Kranich auf, erzählt eher beiläufig von ihren internationalen Auftritten in Shanghai, Los Angeles oder zuletzt in Sao Paulo, wo sie im Rahmen der Biennale bunte Metallbilder in einer Galerie geschossen hat. Angefangen hat alles mit einem Studium in Offenbach, visuelle Kommunikation. Ihre Zeichnungen erinnerten Kranich an Feuerwerke. Nach ihrem Wechsel an die Städelschule in Frankfurt entschied die Künstlerin, sich parallel zur Pyrotechnikern ausbilden zu lassen. Ein Handwerksberuf, in dem es um elektrische Zünder, Aufbauten oder Sicherheitsbestimmungen geht.

In der Silvesternacht zur Jahrtausendwende zündete Kranich ihr erstes eigenes Feuerwerk – im Historischen Museum hatte sie tausende Streichholzschachteln zu Kugeln verbaut und mit Zündschnur verbunden. Bei ihren ersten Werken ging es um die Feuerzeichnungen. Was sie störte war, dass nichts übrig blieb. Heute versucht Kranich, die Zeit und die Energie, die ein Feuerwerkskörper entlädt, in ihren Werken zu speichern.

Der Lieblingsplatz in 360°: Palmengarten

Wie verschlug es die gebürtige Ludwigsburgerin nach Frankfurt? Da geht es ihr wie vielen hier: Sie ist hängen geblieben in der Mainmetropole. Irgendwann fühlte sie sich so wohl zwischen Hochhäusern und Apfelweinkneipen, dass sie nicht mehr weg wollte. Auch wegen der eng miteinander verbundenen Künstlerszene, der Galerie PPC, in der sie ausstellt, und wegen der tollen Museen wie Städel, MMK oder Schirn. Auf die Frage, ob nicht Berlin besser wäre für eine internationale Künstlerin, antwortet Kranich, dass sie dort ja nur eine von vielen wäre. Und dass sie ja auch jederzeit dorthin fahren könne, wenn es sie dorthin zieht – weil Frankfurt so schön zentral liegt.

Die Lieblingsorte

Idee & Konzept: Andreas Krobok
Redaktion: Matthias Alexander, Andreas Krobok
Video: Daniel Blum, Andreas Brand, Kathrin Jakob, Johannes Krenzer
Multimedia: Carsten Feig

Quelle: F.A.Z.