Weiterbildung für Busfahrer

Lektionen in Kundenservice

Von Hans Riebsamen
 - 10:33

Der Wind hat sich gedreht für die Busfahrer. Vor ein paar Jahren kämpften sie noch mit Lohndumping. Denn durch den vielerorts eingeführten Wettbewerb im Busverkehr sank das Lohnniveau. Mittlerweile sind die Fahrer gefragt wie schon lange nicht mehr. Vor allem im Rhein-Main-Gebiet. Dort tritt der Flughafen als Konkurrent für die Busunternehmen auf. Das Kutschieren von Passagieren vom Terminal zum Flugzeug gilt als weniger stressig als das Manövrieren eines Busses, etwa im dichten Stadtverkehr von Frankfurt oder Wiesbaden. Außerdem zahlt der Flughafen besser.

Wegen der geänderten Marktlage konnte denn auch die Gewerkschaft Verdi im Busfahrerstreik Anfang des Jahres höhere Löhne durchsetzen. Der Stundenlohn stieg von 12 auf 12,50 Euro und soll bis zum 1. Dezember 2018 bei 13,50 Euro liegen.

Verträge müssen geändert werden

Die Schwierigkeit besteht darin, dass viele Busunternehmen mit dem RMV oder anderen Verkehrsträgern langfristige Verträge haben, die auf Grundlage des alten Lohnniveaus geschlossen wurden. Nun müssen die Verträge so geändert werden, dass die gestiegenen Löhne Berücksichtigung finden. Daran arbeitet eine Arbeitsgruppe unter Führung von Volker Sparmann, dem Mobilitätsbeauftragten für Hessen und Schlichter im Tarifstreit. Mit den Vertragsänderungen geht es voran, wie aus der Arbeitsgruppe zu hören ist. Im Tarifvertrag wurde auch verabredet, die Vergütung für Auszubildende deutlich zu erhöhen. Die Branche möchte mehr qualifizierten Nachwuchs gewinnen und dadurch die Qualität im Busverkehr verbessern. Die lässt derzeit immer wieder zu wünschen übrig.

Wer regelmäßig mit dem Bus fährt, erlebt erstaunliche Geschichten. Zum Beispiel, dass der Busfahrer den Weg nicht kennt und die Fahrgäste fragen muss. Ein anderer weiß über die Tarife nur rudimentär Bescheid und kann einem nicht sagen, was eine bestimmte Fahrt kostet. Ein Dritter ist nicht informiert über die Mitnahmemöglichkeiten am Wochenende und verlangt von einem Fahrgast, der eigentlich unentgeltlich mitfahren darf, Fahrgeld. Und dann sind da noch die Fahrer, die ihre Kunden unfreundlich behandeln oder überfordert sind, sobald es Ärger im Bus gibt.

Mangelnde Ausbildung als großes Problem

Der entscheidender Grund für solche unerfreulichen Vorkommnisse ist oft die mangelnde Ausbildung. Früher war Busfahrer ein angesehener Beruf, der Mann hinter dem Steuer galt als Autoritätsperson, die für Ordnung sorgte und sich kümmerte, wenn jemand Hilfe brauchte. Inzwischen wird das Busfahren oft nur noch als Job mit geringem Sozialprestige angesehen. Viele, die am Steuer sitzen, haben zwar das Fahren, aber nie den Dienst am Fahrgast erlernt.

Das soll sich ändern, geht es nach Hans-Jörg von Berlepsch, dem Geschäftsführer der Frankfurter Nahverkehrsorganisation Traffiq, die den Busverkehr in der Mainmetropole organisiert. „Wir wollen neben einer besseren Bezahlung auch eine bessere Qualifikation der Fahrer“, sagt er.

Mehr als nur Bus steuern

Um einen Bus lenken zu dürfen, muss man bisher eine Qualifikation als Berufskraftfahrer nachweisen. Die Prüfungen nehmen Industrie- und Handelskammern ab, zum Stoff zählen zum Beispiel Gesetzes- und Fahrzeugkunde. Auch das Thema Kundendienst steht auf dem Lehrplan, besitzt aber keine große Bedeutung, da Berufskraftfahrer in der Regel keine Kunden, sondern Güter transportieren. Für Busfahrer hingegen ist ein professioneller Umgang mit den Fahrgästen von hoher Bedeutung – zumindest müsste er das sein.

Tatsächlich lernen jene, die eine dreijährige Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb machen, weitaus mehr, als nur den Bus sicher zu steuern. Diese „Edelfahrer“ werden auch mit der kaufmännischen und psychologischen Seite des Busgeschäfts vertraut gemacht, zum Beispiel mit dem Vertrieb und der Kundenbetreuung. Häufig steigen diese hochqualifizierten Busspezialisten im Betrieb in Leitungspositionen auf oder schulen Mitarbeiter. Allerdings kann man nur bei wenigen Busunternehmen in Hessen eine solche Fachausbildung machen, weshalb es auch nur wenige solcher Fachkräfte gibt.

Weiterbildung soll helfen

Nun versucht die Branche, zwischen der Minimalausbildung als Berufskraftfahrer und der Spitzenausbildung zur Fachkraft eine mittlere Qualifikation zu etablieren, die über eine Weiterbildung an elf Schultagen erreicht wird. Der RMV ist mit seinen Trainern, die in Busbetrieben die Fahrer schulen, ein Vorreiter.

Traffiq knüpft in Frankfurt daran an. Das Unternehmen hat von der städtischen Busgesellschaft ICB für die Direktvergabe des BusbündelsE jüngst verlangt, dass alle Fahrer an einer solchen Weiterbildung teilgenommen haben. Wenn die Nahverkehrsgesellschaft im nächsten Jahr wieder ein Bündel ausschreibt, will sie eine solche Weiterbildung der Fahrer ebenfalls zur Bedingung machen. Traffiq möchte, dass das Fahrpersonal vor allem im Umgang mit den Kunden geschult wird. Die Fahrer stünden in einem dreifachen Spannungsfeld, sagt Berlepsch: Der Verkehr werde dichter, das Benehmen vieler Fahrgäste schlechter und die anderen Verkehrsteilnehmer gebärdeten sich aggressiver: „Das muss ein Busfahrer aushalten.“

In Frankfurt wünscht man sich, dass die Weiterbildung der Fahrer in einer Art Pass dokumentiert wird. Wenn heutzutage ein Fahrer die Firma wechsele, könne er in der Regel nicht nachweisen, dass er an einer Schulung teilgenommen habe. Zudem pocht Traffiq auf eine regelmäßige Auffrischung der Kenntnisse. Geht es nach Berlepsch, soll deshalb ein Fahrer an zwei Tagen im Jahr eine Nachschulung machen. Auf diese Weise will der Traffiq-Geschäftsführer erreichen, dass die Zufriedenheit der Fahrgäste derart steigt, dass es nur noch in Ausnahmefällen zu Beschwerden kommt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Riebsamen, Hans (rieb.)
Hans Riebsamen
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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