Nach Schlappe bei OB-Wahl

Frankfurter CDU kommt ohne Scherbengericht aus

Von Tobias Rösmann
 - 11:48

Jan Schneider, der CDU-Vorsitzende, klingt zufrieden. „Die Resonanz war gut und die Stimmung auch“, sagt er nach einem Mitgliedertreffen am Samstag, bei dem es darum gehen sollte, die herbe Niederlage der eigenen Kandidatin Bernadette Weyland in der Oberbürgermeisterwahl aufzuarbeiten. „Es ist nicht in ein Scherbengericht ausgeartet, weder für die Kandidatin noch für den Parteivorstand.“ Solch ein kontrolliertes Dampfablassen, zu dem sich gut 100 der etwa 2800 Mitglieder einfanden, fand auf Wunsch der CDU-Führung hinter geschlossenen Türen statt; Journalisten waren nicht erwünscht. Außerdem wählte die CDU einen für sie ungewöhnlichen Ort: Man traf sich in einem großen Raum von „Co-Work & Play“.

Wer mit Teilnehmern spricht, sieht Schneiders Einschätzung weitgehend bestätigt. „Dass die Veranstaltung stattfand, ist ein Wert an sich“, sagt einer und fügt hinzu: „So kann man uns nicht vorwerfen, wir hätten die Niederlage unter den Teppich gekehrt.“ Neue Erkenntnisse habe das dreistündige Treffen allerdings nicht gebracht. Ein anderer berichtet, „die üblichen Verdächtigen“ hätten herumgenörgelt, die CDU brauche wieder mehr Profil, ohne konkrete Vorschläge zu machen. Die meisten jedoch seien daran interessiert gewesen, die Schlappe von Mitte März aufzuarbeiten und nun auch wieder nach vorne zu schauen.

Potential nicht ausgeschöpft

In die Veranstaltung führte Schneider ein, indem er Zahlen aus der Wahlanalyse nannte. Der CDU war es damals nicht annähernd gelungen, ihr Potential abzurufen, zudem kamen zur Stichwahl weniger eigene Anhänger als zum ersten Wahlgang. Danach habe er jeweils fünf Stellungnahmen gesammelt und nach und nach beantwortet. Einhellige Meinung war, Schneider habe das „gut gemacht“.

Überraschend fanden manche, wie ungeschoren Weyland davonkam, die „aus Termingründen“ nicht an dem Treffen teilnahm. Es habe „letztlich keine Schuldzuweisungen an die Kandidatin“ gegeben, die so schlecht abgeschnitten hatte wie kein CDU-Bewerber in einer solchen Direktwahl zuvor. „Es hieß aber auch ,Nachlese‘ und nicht ,Nachtreten‘“, merkt ein Teilnehmer an. Schneider habe allerdings darauf hingewiesen, dass es der ausdrückliche Wunsch Weylands gewesen sei, den Wahlkampf ohne enge Anbindung an den Kreisverband zu organisieren. Damit sei er latenten Vorwürfen aus der Runde begegnet, wonach die Parteiführung die Kandidatin nicht ausreichend unterstützt habe.

Ohne Löwenstein und Rhein

Zwei Aspekte hätten in der Nachbetrachtung eine besondere Rolle gespielt, sagt Schneider im Gespräch mit dieser Zeitung. So sei sich die Partei einig darin, dass die Zeit zu knapp gewesen sei, um Weyland bekannt genug zu machen. Außerdem sei es nicht gelungen, die eigenen Themen so zu kommunizieren, dass sie beim Wähler angekommen seien. „Am Ende blieb nur hängen, dass sie das Waldstadion verkaufen wollte.“

Bemerkenswert fanden manche, wer alles nicht an der Wahlnachlese teilnahm. Bürgermeister Uwe Becker, Wissenschaftsminister Boris Rhein und der Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein fehlten nach Schneiders Worten jedoch aus jeweils guten Gründen.

Quelle: F.A.Z.
Tobias Rösmann
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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