Teurer Geiz des Weinliebhabers

Volltrunken an Gate und Rollfeld

Von Katharina Iskandar
 - 12:21

Weinliebhaber sind mitunter merkwürdig. Vor allem, wenn sie meinen, es gebe keine besseren Tropfen als jene aus ihrer Heimat. Der Mann, der dieser Tage am Frankfurter Flughafen beinahe den Betrieb zum Erliegen brachte, schwört offenbar auf Rebensaft aus Baden-Württemberg, der ja zumindest manchmal ganz ordentlich ist. Zwei Flaschen badischen Weins hatte er im Handgepäck dabei.

Als ihn die Sicherheitsmitarbeiter bei der Kontrolle kurz vor seinem Abflug nach Bangkok darauf aufmerksam machten, dass die Flaschen aus Sicherheitsgründen nicht mit an Bord genommen werden dürften, weigerte sich der 67 Jahre alte Badener, die Bouteillen abzugeben: Sie seien viel zu wertvoll, da trinke er sie lieber an Ort und Stelle selbst aus.

Ohne Flaschen, mit Promille

Gesagt, getan. Nach Genuss der edlen Tropfen konnte der Weinfreund dann wenig später zwar – ohne Flaschen – die Kontrolle passieren. Als er schließlich am Gate ankam, war er allerdings inzwischen derart betrunken, dass die Fluggesellschaft sich weigerte, ihn mitzunehmen. Als er dann auch noch auf der Suche nach einer Toilette offenbar versehentlich einen Nothebel betätigte und kurz davor war, auf das Rollfeld zu laufen, griff die Bundespolizei ein und nahm den Mann fest.

Fast ein Promille Alkohol hatte er im Blut. Drei Stunden dauerte es, bis er nüchtern genug war, um den Heimweg anzutreten. Er fragte die Beamten nach einem Taxistand und ließ sie wissen, dass es ihm egal sei, dass die Fahrt gut 150 Euro kosten würde. Er habe „heute ohnehin schon genug Geld ausgegeben“. Vielleicht wird der Flughafen-Aufenthalt für ihn aber noch teurer. Denn wegen des Beinahe-Ausflugs auf das Rollfeld droht nun ein Bußgeld von 10.000 Euro.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite