Weyland nirgendwo vorne

Frankfurter Grünen-Anhänger stimmten für Feldmann

Von Tobias Rösmann
 - 06:37

Bei einem solchen Ergebnis stößt selbst eine Wahlanalyse an ihre Grenzen. Am Sonntag hat Amtsinhaber Peter Feldmann nicht nur mit 70,8 Prozent die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt so hoch gewonnen wie niemand zuvor. Der Sozialdemokrat lag der Statistik zufolge, die das Bürgeramt nach durchgearbeiteter Nacht präsentiert hat, auch in allen Stadtteilen vorne. Nicht einmal in den CDU-Hochburgen im Nordend konnte sich seine Herausforderin Bernadette Weyland durchsetzen. Ihr mit 49,5 Prozent der Stimmen bestes Resultat erzielte sie in Harheim, doch im ganzen Stadtgebiet reichte es nur zu 29,2 Prozent. Weniger bekam nie ein CDU-Politiker seit Einführung der Direktwahl in den neunziger Jahren.

Apropos Negativrekord: Das trifft auch auf die Wahlbeteiligung zu, die im Vergleich zum ersten Durchgang vor zwei Wochen um 7,4 Punkte auf 30,2 Prozent sackte. Nicht einmal jeder dritte Berechtigte nutzte die Möglichkeit, das Stadtoberhaupt für die nächsten sechs Jahre mitzubestimmen. Die geringste Beteiligung verzeichnete mit 18,3 Prozent die Innenstadt, die beste mit 42,8 Prozent der Stadtteil Nieder-Erlenbach.

38.000 Briefwähler

Von den gut 505.000 Berechtigten wählten knapp 115.000 an der Urne und knapp 38.000 per Brief. Weil etliche ihre Briefwahlunterlagen nicht rechtzeitig bekommen hatten, hatten manche damit gedroht, die Wahl anzufechten. Doch Hans-Joachim Grochocki, Leiter der Geschäftsstelle Wahlen, sieht einem solchen Einspruch nach eigenen Worten „sehr gelassen entgegen“. Eine Umstellung auf Digitalversand komme nicht in Frage: Laut Gesetz sei es verboten, Briefwahlunterlagen per Mail zu versenden, weil das nicht sicher genug sei, sagt Grochocki. Der zuständige Stadtrat Jan Schneider (CDU) erklärt den schleppenden Versand damit, dass es auf dem Markt kein Unternehmen mehr gebe, dass eine derart große Zahl an Briefen in wenigen Tagen zustellen könne. Deshalb müsse die Stadt darüber nachdenken, die Frist zwischen erstem Wahlgang und Stichwahl von zwei auf drei Wochen zu verlängern. „Wir müssen dem Bürger aber auch klar sagen, dass die Urnenwahl nach wie vor die Regel sein soll und muss.“

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OB-Wahl in FrankfurtDarum hat Peter Feldmann gewonnen

Da Feldmann in allen Altersgruppen, in allen Stadtteilen und sogar in fast allen der 490 Wahlbezirke vorn lag, bietet allein ein Blick auf die Wählerwanderung etwas Spannung. Zu sehen ist, dass der Sozialdemokrat nirgends so gut abschnitt wie in den von den Grünen geprägten Wahlkreisen, in denen er im Schnitt 83,4 Prozent an Zustimmung erhielt. Das belegt, dass die meisten Grünen-Anhänger die Sache ähnlich sahen wie Daniel Cohn-Bendit, der vor der Stichwahl für Feldmann geworben hatte.

Vier von zehn Grünen-Anhängern wählten

Nachdem die eigene Kandidatin Nargess Eskandari-Grünberg ausgeschieden war, gingen laut Analyse nur noch gut vier von zehn Grünen-Wählern zur Stichwahl. Von denen wiederum gaben lediglich knapp neun Prozent Weyland ihre Stimme, 91 Prozent votierten für Feldmann. Das stützt die These, wonach die Basis der Grünen nach wie vor nicht mit der CDU und deren Kandidaten sympathisiert.

Eindeutig ist auch das Wahlverhalten der Linken-Anhänger. Anders als vermutet, blieben sie nicht überwiegend zuhause, obwohl ihre Bewerberin Janine Wissler im ersten Durchgang ausgeschieden war. Stattdessen gingen zwei Drittel von ihnen auch zur Stichwahl. Dort wiederum wählten sie zu fast 96Prozent Feldmann.

Weyland hatte abermals ein Mobilisierungsproblem: Nur vier von fünf ihrer ohnehin schon recht wenigen Wähler aus dem ersten Durchgangs gingen noch zur Stichwahl. Das lässt vermuten, dass sie nicht mehr an einen Sieg der eigenen Kandidatin glaubten. Auch deshalb büßte Weyland zwischen den beiden Durchgängen fast 4000 Stimmen ein.

Feldmann dagegen konnte dank der starken Mobilisierung der eigenen Anhänger und der Hilfe von Linken und Grünen sein Ergebnis um fast 20000Stimmen verbessern. Besonders gut schnitt der SPD-Politiker im Riederwald und im Nordend-Ost ab, wo er 83,6 beziehungsweise 81,2Prozent der Stimmen bekam. Am wenigsten Zustimmung, aber immer noch die Mehrheit, erhielt er mit 50,5Prozent in Harheim.

Quelle: F.A.Z.
Tobias Rösmann
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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