<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Kommentar

Ästhetisch unterirdisch

Von Rainer Schulze
 - 10:05

Die Hauptwache feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag. Vor fünfzig Jahren wurde die unterirdische Station eröffnet. Auch der Platz über ihr stammt gestalterisch aus dieser rebellischen Zeit. Doch während die Achtundsechziger milde geworden sind, gilt für die Hauptwache: Sie ist vor allem hässlich geworden.

Trichter, Krater oder schlicht „das Loch“: Für den breiten Treppenabgang neben dem historischen Gebäude haben die Frankfurter viele Synonyme. Das überdimensionierte Ungetüm liegt an einer der wichtigsten Stellen der Stadt. Ein verschenkter Raum. Er stammt aus einer Zeit, als man Passanten lieber sicher unter der Erde führen wollte, als sie oberirdisch dem Verkehr auszusetzen.

Die Zeit der autogerechten Stadtplanung ist glücklicherweise vorbei. Die Hauptwache wurde vor wenigen Jahren für den Autoverkehr gesperrt, ohne dass das prognostizierte Chaos eingetreten ist. Die Straße, die die Hauptwache früher von der Zeil trennte, ist heute ein verkehrsberuhigter, aber unwirtlicher großer Raum, mit Betonpollern abgesperrt. Unter der Erde geben die viel zu weitläufige, schäbige B-Ebene und die technisch veraltete Station für U- und S-Bahn kein besseres Bild ab.

F.A.Z.-Newsletter Familie
F.A.Z.-Newsletter „Hauptwache“

So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

Eine Bestandsaufnahme im Untergrund ist überfällig. Die Verkehrsbetriebe hätten ihren Job auch schon vor Jahren erledigen können. Die Stadt beginnt nun immerhin endlich in der richtigen Reihenfolge zu planen. Erst schauen, was unten zu tun und oben statisch möglich ist, dann auf dieser Grundlage einen Wettbewerb ausschreiben.

Architekten und Landschaftsplaner dürfen sich auf eine spannende Aufgabe freuen. Die Stadt könnte an dieser Stelle einen attraktiven Freiraum schaffen. Dort sollten sich Passanten ausruhen, aber auch vergnügen können. Die Industrie- und Handelskammer hat völlig recht. Die Innenstadt steht in einem Wettbewerb mit Einkaufszentren und dem Online-Handel. Attraktive Plätze, auf denen man sich gerne trifft, ziehen die Menschen an.

Schon viele Versuche sind gescheitert, die Hauptwache neu zu gestalten. Dass der neue Anlauf hinter dem Zeitplan liegt, ist ein schlechtes Omen. Die Stadt hat zudem auch noch andere teure Baustellen, etwa die Sanierung der Bühnen. Man muss fast von Glück sagen, dass die Bahnstation technisch dermaßen veraltet ist, dass die Stadt einfach handeln muss. Sonst würde hier vermutlich nie etwas passieren.

Quelle: F.A.Z.
Rainer Schulze
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
  Zur Startseite