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Großkontrolle in Frankfurt

Gelbe Karte für Schwarzfahrer

Von Pauline Stahl
 - 07:17

Ihr nervöser Blick verrät sie. Das junge Mädchen hat die Rolltreppe an der U-Bahn-Station Höhenstraße genommen. Oben angekommen, erwarten sie die Kontrolleure. Erschrocken hält sie die Hand vor den Mund, während sie weiter in ihr Telefon spricht. Irgendwann legt sie auf. Kleinlaut geht sie auf den Kontrolleur zu. „Ich habe meine Fahrkarte vergessen.“ Der Kontrolleur nickt und schickt sie zu einem Kollegen. „Was denkst du, was es kostet, ohne Fahrkarte zu fahren?“, fragt er das Mädchen. Sie zuckt mit den Schultern, zückt ihren Geldbeutel. Keine Ahnung – aber 20 Euro habe sie dabei. Zu wenig. Der Kontrolleur klärt auf: „Heute gibt es nur eine Verwarnung.“ Werde sie an einem anderen Tag ohne Fahrkarte erwischt, müsse sie 60 Euro bezahlen. Damit sie künftig daran denkt, ein Ticket zu kaufen, drückt ihr der Kontrolleur eine gelbe Karte in die Hand. Glück gehabt.

Ähnlich wie dem jungen Mädchen ergeht es an diesem Nachmittag zahlreichen weiteren Fahrgästen. Eingang und Ausgang verschiedener Stationen werden von zahlreichen Fahrkartenkontrolleuren des Rhein-Main-Verkehrsbundes (RMV) besetzt. Die Aktion von RMV, Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und Traffiq hat zum Ziel, den Druck auf Schwarzfahrer zu erhöhen. Auch an der U-Bahn-Station Bornheim-Mitte, in der Straßenbahnlinie 12 und in vier Buslinien fragen Kontrolleure jeden Fahrgast nach seinem Ticket. Eine Chance, der Aktion zu entgehen, haben die Bahnfahrer nicht.

Vorsorglich die Taschen durchsuchen

Wer aus der U-Bahn steigt, wird sofort von einem Kontrolleur empfangen. Er bittet die Fahrgäste jedoch nur, das Ticket bereitzuhalten. Kontrolliert wird erst am Ausgang. Vor der Rolltreppe wartet ein weiterer Mitarbeiter des VGF. Auch er erinnert die Gäste lediglich daran, schon einmal vorsorglich die Taschen nach dem gültigen Fahrausweis zu durchsuchen. Verschwinden können die Schwarzfahrer ohnehin nicht mehr. Höchstens umkehren. Aber das Risiko, dass auch an anderen Bahnsteigen kontrolliert wird, ist vielen zu hoch. Schon auf der Rolltreppe wird klar, wer einen Fahrschein dabeihat und wer nicht. Manch einer schaut ertappt, versucht erst gar nicht, eine Ausrede zu finden. Andere beginnen hektisch ihre Hosentaschen und Rucksäcke zu durchsuchen. Die Mehrheit passiert die Kontrolle ohne Probleme.

„Heute sind alle sehr positiv gestimmt“, sagt eine Kontrolleurin. Seit knapp zehn Jahren übt sie diese Tätigkeit aus. Ihre Aufgabe bei der Großaktion ist es, die Menschen ohne Ticket zu ermahnen und ihnen die Folgen des Schwarzfahrens aufzuzeigen. „Die meisten haben sich heute ganz reumütig gezeigt.“ Die Standardausrede der Schwarzfahrer sei wenig kreativ: Ticket vergessen. Manch einer versuche zu verhandeln. Schließlich sei man nur eine einzige Station gefahren. So schlimm könne das doch nicht sein. Eine Frau habe sich beschwert, dass der Automat ihren 100-Euro-Schein für eine Einzelfahrt verweigert habe. Die wohl kreativste Ausrede, die der Kontrolleurin präsentiert wurde, ist gleichzeitig auch die unglaubwürdigste. Der Automat habe geschlossen. „Ich könnte Bücher über die ganzen Ausreden schreiben, die ich hier zu hören bekomme.“

Fahrscheine wären günstiger

Sie ist eine von 100 Beschäftigten, die an diesem Tag bei der Großkontrolle im Einsatz ist. Die Aktion zielt darauf ab, die Schwarzfahrer-Quote zu senken. „Fünf Prozent aller Fahrgäste im RMV-Gebiet haben kein gültiges Ticket“, sagt RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. Dadurch entstünden im Jahr 40 Millionen Euro Verlust, die der RMV zu verzeichnen habe. „Bezahlen müssen das dann die Leute, die sich ein Ticket kaufen.“ Fehle am Ende das Geld, müssten Tarife erhöht oder das Angebot für die Fahrgäste müsse eingeschränkt werden. Schranken vor den U- und S-Bahn-Stationen, wie es in anderen Ländern üblich sei, will Ringat nicht einführen. „Wir setzen hier auf gut ausgebildete Mitarbeiter.“

Das junge Mädchen von der Rolltreppe verlässt nach der Begegnung mit den Kontrolleuren reumütig und mit der gelben Karte in der Hand die Station. Kurze Zeit später ertappen die Kontrolleure abermals eine Schwarzfahrerin. Sie gibt unverholen zu, schon zweimal erwischt worden zu sein. Insgesamt 120 Euro habe sie für das Schwarzfahren zahlen müssen. Jeweils ein Einzelfahrschein wäre erheblich günstiger gewesen.

Quelle: F.A.Z.
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