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Der Lokaltermin

Kalbsrippen und Malbec

Von Peter Badenhop, Frankfurt
 - 13:04
Bodenständiger als viele andere Steakhäuser: Weiß und Hellblau dominieren den Gastraum des „Buenos Aires“. Bild: Lukas Kreibig, F.A.Z.

Der Mann mit dem Motorroller hat wirklich Nerven. Ohne mit der Wimper zu zucken, steuert er sein knatterndes Zweirad über das Trottoir direkt an den Tischen vorbei. Einige Gäste greifen instinktiv zu ihren Gläsern, aber da wird der Störenfried schon von der Straßenbahn übertönt, die nur einen Meter weiter vorbeirauscht – wer im „Buenos Aires“ unbedingt im Freien sitzen möchte, darf nicht zimperlich sein. Die Tische stehen auf dem schmalen Bürgersteig direkt an der vielbefahrenen Dreieichstraße. Entsprechend laut und lebhaft geht es dort zu.

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Die Ruhe selbst ist dagegen die freundliche Bedienung in dem argentinischen Restaurant, das sich so wohltuend von der Prahlerei der meisten anderen Steakhäuser in der Stadt abhebt. In dem ganz und gar unprätentiös in Weiß und Hellblau gestalteten Lokal stehen nicht die jüngsten Mode-Cuts und Dry-Aged-Versionen auf der Karte, die Weine sind nicht überteuert und für Etikettentrinker ausgewählt, und als Beilagen gibt es keine Trüffel-Pommes, Süßkartoffel-Sticks oder anderen angesagten Schnickschnack. Nein, im „Buenos Aires“ bekommen die Gäste seit mehr als 25 Jahren einen Einblick in die argentinische Asado-Küche. Und die ist zwar ziemlich fleischlastig, unterscheidet sich vom Angebot in einem teuren Steakhouse aber erheblich.

Vorsicht: Die Portionen sind groß

Das beginnt schon bei den Vorspeisen: Wo hat man zuletzt so großartige Ölsardinen gegessen? Direkt aus der Dose, serviert mit Scheiben von der Fleischtomate und ein paar roten Zwiebelringen, sind sie ein rustikaler, aber großer Genuss. Oder die gekochte Rinderzunge in würziger Vinaigrette. Oder die milde Kartoffeltortilla, die knusprigen Empanadas mit Hähnchenfüllung, der gegrillte Provolone-Käse – ach, am besten, man bestellt die „Entrada Mixta“ für 14 Euro und probiert einfach von allem etwas.

Aber Vorsicht: Die Portionen sind groß, und wer anschließend noch ein ordentliches Stück Fleisch essen möchte, sollte es langsam angehen lassen. Denn auch die Hauptgerichte sind üppig portioniert, die pikanten Chorizo-Grillwürste (12,50 Euro) ebenso wie die kräftig mit Knoblauch und Rosmarin aromatisierten Lammkoteletts (20 Euro). Sehr zu empfehlen sind zudem die Kalbsrippen (20 Euro) und das Rumpsteak mit kreolischer Soße (26 Euro). Aber natürlich gibt es auch Rinderfilet in unterschiedlichen Größen und stets perfekter Garung. Wer sich nicht entscheiden kann, ordert die „Parrillada Mixta“ für 30 Euro, und wer es traditionell mag, probiert das Kalbsbries (22 Euro) oder die scharf marinierten Kalbsherzspieße (12,50 Euro).

Trinken kann man zu diesem Grill-Fest im Grunde nur eins: argentinischen Malbec. Auf der Weinkarte stehen zwar auch Tropfen anderer Rebsorten, aber der Malbec gilt nicht von ungefähr als Seele Argentiniens. Zur Auswahl stehen die Weine namenhafter Bodegas wie Trapiche, Don Cristóbal und Lugi Bosca. Aber gegen den Malbec Estate vom Bioweingut Chakana hat im Grunde keiner dieser Tropfen eine Chance.

Quelle: F.A.Z.
Peter Badenhop
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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