Der Lokaltermin

Omelette und Apfelstrudel

Von Peter Badenhop, Frankfurt
 - 13:30

Am schönsten ist es hier um halb neun in der Früh. Vor allem, wenn das Wetter mitspielt und es sich – wie in den vergangenen zwei Wochen – schon morgens auf der Terrasse aushalten lässt. Dann kann man nämlich bei einem kräftigen Kaffee und einem Glas frisch gepressten Orangensaft erleben, wie die Stadt langsam zum Leben erwacht: wie die Sonne nach und nach um die Häuserecken kriecht, an der Töngesgasse die Lieferungen für die umliegenden Geschäfte ankommen und die ersten Kunden in die Kleinmarkthalle eilen, wie die Stadtpolizisten ihren Dienst aufnehmen und nach Falschparkern Ausschau halten und wie die ersten Touristen mit großen Augen Richtung Dom und Römer laufen.

Das „Café Libretto“ wirkt wie eine Institution. Wie ein klassisches Kaffeehaus, das zum Inventar der Frankfurter Innenstadt gehört, wie ein Treffpunkt, in dem schon die Großeltern Kaffee getrunken und Kuchen gegessen und mit Freunden geplaudert haben. Tatsächlich ist das Lokal an der Ecke von Hasen- und Töngesgasse aber gerade einmal ein Jahrzehnt alt. Es ist erst eröffnet worden, als die Stadtbücherei ihr neues Domizil im früheren Gebäude der Stadtsparkasse bekam – aber die Frankfurter haben es sofort in ihr Herz geschlossen.

Umfangreiche Tageskarte mit wechselnden Gerichten

Das liegt nicht nur an der zentralen Lage des Platzes, auf dem sich im Sommer rund um den alten Tugendbrunnen die Tische und Stühle des Cafés unter großen Sonnenschirmen gruppieren, sondern in erster Linie an der Familie Malagrino, die den gastronomischen Ganztagsbetrieb von Anfang an mit sicherer, unprätentiöser Hand und mit professioneller Kontinuität geführt hat. Die Einrichtung im Inneren ist modern, aber gediegen, der Service ist freundlich, aber nicht anbiedernd, und das kulinarische Angebot ist im besten Sinne zeitlos. Alle Tapas-, Burger- und Bagel-Moden sind an diesem Haus gottlob vorüber gegangen. Es gibt eine große Frühstückskarte mit neun Variationen und zahlreichen Ergänzungen (von denen vor allem das famose „Mumbai Omelette“ mit indisch gewürztem Gemüse eine lobende Erwähnung verdient), eine Reihe von kleinen Gerichten (zu denen auch so wunderbar altmodische Kreationen wie Hawaii-Toast und Ragout-fin-Pastete gehören), eine bebilderte Eiskarte (auf der auch der großartige Apfelstrudel mit Vanilleeis zu finden ist) und eine umfangreiche Tageskarte mit wechselnden Gerichten.

Die hausgemachten Waffeln gehören nach Ansicht vieler Gäste ebenso zu den besten der Stadt wie die vielen verschiedenen Kuchen und Torten, die in großen Glasvitrinen darauf warten, angeschnitten und mit einem guten Kaffee oder Tee serviert zu werden. Aber das ist eher etwas für den Nachmittag, wenn sich die Besucher der Bibliothek, Einkäufer von der Zeil und entspannte Senioren eine kleine Pause gönnen. Auch dann ist das Café am Tugendbrunnen einer der schönsten Plätze in der Innenstadt.

Quelle: F.A.Z.
Peter Badenhop - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Badenhop
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
TwitterGoogle+
  Zur Startseite