Der Lokaltermin

Ribs, Steaks und Rauch-Drinks

Von Peter Badenhop, Frankfurt
 - 13:02

Für den Relaunch des Restaurants im Méridien-Hotel am Wiesenhüttenplatz haben die PR-Leute ganz weit ausgeholt. Kein Superlativ ist ihnen zu abgegriffen, um das neugestaltete Lokal zu bewerben. Das beginnt schon beim Namen. „The Legacy“, das Vermächtnis, heißt die Mischung aus Bar und Grill-Restaurant. Und natürlich ist es ein neuer „Hotspot“ in der Stadt und der Barkeeper eine „Legende“.

Tatsächlich ist das Restaurant nach dem Umbau nicht wiederzuerkennen. Den Gästen bietet der langgezogene Raum mit der großen Wintergarten-Fensterfront ein sehr modernes, mit vielen Sixties-Elementen durchsetztes Interieur. Um ihn zu strukturieren, fungiert der vordere Teil nun gewissermaßen als erweiterte Lobby mit Bar, dann schließt sich das eigentliche Restaurant an. Dort sind die Tische großzügig gestellt, die Atmosphäre und der Service betont locker.

Die Qualität des Fleisches ist bemerkenswert

Wir beginnen den Abend mit einem „Smokey Cocktail“, der als Spezialität der Bar angepriesen wird, als Referenz an den amerikanischen Smoker, in dem die „Signature Dishes“ des Hauses, Pulled Pork und Spare Ribs, zubereitet werden. Dafür peppt der Barmann klassische Drinks mit Rauchnoten vom amerikanischen Hickory-Holz auf, zum Beispiel den Rob Roy, sprich Scotch Whisky mit rotem Wermut und einem Spritzer Angosturabitter (13 Euro). Restaurantchef Javier Villacampa, der seine Gäste mit angenehmer Gelassenheit und Freundlichkeit bewirtet, bringt einen mit Eis gefüllten Kristalltumbler und eine mit dem Cocktail und Rauch gefüllte Flasche an den Tisch, schüttelt diese kräftig und gießt dann langsam ein. Das Hickory-Aroma steigt nicht nur in die Nase, sondern entfaltet sich auch im Mund, bleibt aber im Hintergrund und verleiht diesem zeitlosen Pre-Dinner-Drink eine zusätzliche Note.

Als Auftakt für das Menü lassen wir uns den Vorspeisenteller mit gebratenen Pimientos, Kalamata-Oliven, Paprika-Bruschetta und etwas grüner Soße (zwölf Euro) und jeweils eine kleine Portion Pulled Pork und Spare Ribs mit Farmersalat und drei Soßen (zehn beziehungsweise 14 Euro) kommen. Auf dem Teller liegen dann zwar nur zwei Rippchen, aber die sind dermaßen groß und fleischig und vor allem so gut gegart und wie das saftige Pulled Pork mit feinem, nicht zu dominierendem Raucharoma durchzogen, wie wir es selten erlebt haben.

Die Qualität des Fleisches ist auch bei den Hauptspeisen bemerkenswert. Außer Pulled Pork und Spare Ribs, die selbstverständlich auch als große Portionen (18 und 24 Euro) angeboten werden, gibt es zum Beispiel auch geschmorte Kalbsbäckchen, in erster Linie aber Steaks: jeweils Filet oder Rib Eye vom argentinischen oder amerikanischen Black Angus. Die Preise ohne Beilagen sind ausgesprochen sportlich, angesichts dessen, was dann aus der Küche kommt, aber durchaus angemessen: Das Fleisch ist so gut gereift, perfekt medium rare gegrillt und anschließend spürbar zur Ruhe gekommen, dass es im Mund nicht nur wie Butter zergeht, sondern auch über ein außergewöhnlich intensives Aroma verfügt.

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Für weniger leidenschaftliche Fleischesser gibt es außer Trüffel-Tagliatelle (18 Euro) und Safran-Risotto (16 Euro) auch Thunfischsteak mit Basilikum-Emulsion, Rosmarin-Kartoffeln, Zuckerschoten und Artischocken (30 Euro) und Kabeljau, der auf einem Salzstein gegart, am Tisch mit einem Bunsenbrenner kurz abgeflammt und dann mit würzigem Spinat und – leider etwas matschigen – Süßkartoffelscheiben serviert wird (34 Euro).

Das alles ist zwar nicht gerade günstig, aber – auch ohne marktschreierische Superlative – ebenso überzeugend wie die nicht übertrieben umfangreiche, aber gut sortierte Weinkarte, auf der sich vor allem Tropfen aus Deutschland und Frankreich finden. Wir kommen sicher einmal wieder und probieren dann den Maker’s Sour Smokey.

Quelle: F.A.Z.
Peter Badenhop - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Badenhop
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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