Lokaltermin

Das beste Gyros der Welt

Von Peter Badenhop
 - 16:36

Das mit dem Durchblick zur Küche ist eine schöne Idee. Nur leider tut sich hinter der großen Fensterscheibe rein gar nichts. Zumindest nicht an diesem Abend. Vielleicht herrscht in dem hell erleuchteten Raum nachmittags mehr Betrieb. Oder an anderen Tagen, wenn dort das Catering für verschiedene Veranstaltungen vorbereitet wird. Heute Abend jedenfalls steht Ioannis Tsangalis wie eh und je hinter seinem langgezogenen Tresen und kümmert sich auf engstem Raum um die Bestellungen. In aller Ruhe und mit der Präzision jahrelanger Routine.

Ioannis Tsangalis und sein „Café Jannis“ sind eine Institution im Ostend. Seit den achtziger Jahren lebt der Grieche mit seiner finnischen Frau Terttu in Deutschland, seit mehr als 16 Jahren betreiben sie das kleine Lokal an der Hanauer Landstraße. Von einer Trinkhalle entwickelte es sich nach und nach zu einer Mischung aus Imbiss und Eintracht-Kneipe. Und jetzt ist es mit Hilfe der beiden Söhne und einer grundlegenden Renovierung zu einem richtigen Restaurant geworden, einer Taverne mit Wohnzimmer-Atmosphäre.

Kkräftig gewürzt, unglaublich knusprig

Auf der kleinen Karte stehen zu Preisen zwischen 9,90 und 14,50 Euro griechische Klassiker wie Kalbskotelett, Souvlaki vom Lamm, Huhn und Schwein, mit Feta gefüllte Bifteki und natürlich Gyros. Hausgemacht, versteht sich. In großen Stücken am langen Spieß gegrillt, kräftig gewürzt, unglaublich knusprig und großzügig portioniert. Weltklasse! Dazu gibt es – wie zu allen Gerichten – Tsatsiki, Ajvar, Tomaten, Oliven und Krautsalat. Unbedingt probieren sollte man das warme Fladenbrot, das zu Vorspeisen wie Kalamares, Sardellen, Riesenbohnen, Auberginenkaviar oder dem würzigen Tirokafteri-Käsedip gereicht wird. Und natürlich das Moussaka nach einem alten Familienrezept. Das ist alles nicht weiter spektakulär, aber solide und gut. Und es wird mit einer solchen Selbstverständlichkeit und Ruhe unter die Leute gebracht, dass man sich tatsächlich ein bisschen wie bei Freunden fühlt.

Mit seiner kleinen, aber feinen Weinauswahl zeigt Ioannis Tsangalis im Übrigen, dass der von Udo Jürgens besungene griechische Wein nichts mit billiger Plörre zu tun haben muss, sondern durchaus Format haben kann. Zumindest wenn die Tropfen von Produzenten wie Gerovassiliou, Biblia Chora, Alpha Estate oder Domain Evharis stammen. Als Absacker stehen im „Café Jannis“ schließlich noch ein halbes Dutzend Ouzos bereit. Und wer mag, kann sich auch einen Koskenkorva einschenken lassen – glasklaren finnischen Wodka.

„Café Jannis“, Hanauer Landstraße 6, Ostend, Telefon 40 56 43 76, Internet www.jannis-frankfurt.de. Geöffnet täglich von 18 bis 2 Uhr.

Quelle: F.A.Z.
Peter Badenhop - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Badenhop
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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