Lokaltermin

Seetang, Ente und Tsingtao

Von Peter Badenhop
 - 13:28

Es ist 21 Uhr, aber die Leute stehen immer noch Schlange. In diesem Fall eine Gruppe Asiaten, die mit ihren Koffern den Eingang blockieren. Irgendjemand muss ihnen gesagt haben, dass sich hinter dieser unscheinbaren Fassade die beste chinesische Küche Frankfurts befindet. Einen Platz bekommen die Reisenden trotzdem nicht – oder besser: genau deshalb. Denn ohne Reservierung ist im „Pak Choi“ im Bahnhofsviertel praktisch nichts zu machen, schon gar nicht an einem Samstagabend.

Das „Pak Choi“ hat einen Namen wie Donnerhall. Nicht nur die chinesische Community schwört auf das kleine, schlichte Restaurant an der Elbestraße. Auch im Rest der Stadt ist inzwischen bekannt, dass hier besonders authentisch gekocht und serviert wird. Wer es allerdings gerne ein bisschen gemütlich hat, der ist hier fehl am Platz. Das „Pak Choi“ ist eher ein Vertreter der chinesischen Funktionsgastronomie: Das Licht ist hell und der Geräuschpegel hoch, die Tische sind blank und die Bedienungen zwar sehr freundlich, aber ständig in Eile. Die Speisekarte ist sehr umfangreich – und zum Glück bebildert, denn ohne diese Hilfe würde die Auswahl zum Blindflug.

„Betäubend scharf“

Alleiniges Auswahlkriterium sind die kleinen Fotos allerdings nicht, einige Gerichte kommen trotz passabler Optik gar nicht erst in die engere Wahl. Die Entenzungen zum Beispiel. Die sehen zwar köstlich aus und kosten auch nur zehn Euro je Portion, aber der Zusatz „betäubend scharf“ ist uns dann doch Warnung genug. Ebenso wenig kommen die verschiedenen Gerichte mit Schweinedickdarm und Schweineohren, Rindersehnen und Rindermagen oder gar die Schweineblutstücke mit Rinderblättermagen in Frage. Das ist uns dann doch eine Spur zu exotisch.

Für chinesische Gäste möglicherweise ein bisschen langweilig, aber trotzdem ein schöner Auftakt zu einem Menü sind der Seetangsalat, der Morchelsalat, der Selleriesalat mit Sesam und der Spinatsalat mit Erdnüssen (3,50 bis sechs Euro) mit ihrer zurückhaltenden Würze. Zur Hauptspeise ist die Auswahl dann geradezu überwältigend: Schwein, Rind, Huhn, Ente, Fisch, Meeresfrüchte, Tofu – zu jeder dieser Zutaten gibt es im „Pak Choi“ ein paar Gerichte. Wirklich gut ist das zweimal gebratene Entenfleisch: Es ist knusprig und würzig, hat eine angenehme Schärfe und wird mit bissfesten Karotten, Zwiebeln und grünem Paprika serviert (zwölf Euro). Deutlich schärfer, aber trotzdem ein Genuss ist das Rindfleisch Sichuan, das mit viel Knoblauch und Chilis gebraten wird (neun Euro).

Pak Choi ein Muss

Unglaublich zart und saftig sind die Schweinerippchen, egal ob sie süßsauer oder mit Schwarzbohnen und Gemüse serviert werden (je neun Euro). Ein „Must have“ als Beilage ist zudem eine Portion des namengebenden Pak Choi, ein auch bei uns inzwischen im Supermarkt erhältlicher Blätterkohl, der wie Mangold blanchiert oder kurz gebraten wird. Im „Pak Choi“ gibt es ihn auch in einer sehr schmackhaften Version mit getrockneten Garnelen (neun Euro).

Angesichts der für Frankfurter Verhältnisse moderaten Preise sind die Portionen geradezu gigantisch. Wer also nicht Unmengen auf seinen Tellern zurücklassen will, der sollte zurückhaltend wählen – und als Begleitung am besten ein oder zwei chinesische Tsingtao-Bier trinken, denn die Weine auf der Karte können den zumeist sehr kräftig gewürzten Speisen kaum standhalten.

„Pak Choi“, Elbestraße 12, Bahnhofsviertel, Telefon 78 98 84 18, Internet www.restaurant-ding.de. Geöffnet montags bis freitags von 11.30 bis 15 Uhr und von 17.30 bis 23 Uhr, samstags von 17 bis 23 Uhr, sonntags von 12.30 bis 22.30 Uhr.

Quelle: F.A.Z.
Peter Badenhop - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Badenhop
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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