Schnellbus-Liniennetz

Mit dem X-Bus um Frankfurt herum

Von Hans Riebsamen
 - 19:30

Früher brauchte man von Hattersheim zum Flughafen Frankfurt mit öffentlichen Verkehrsmitteln 40 Minuten. Jetzt dauert die Fahrt nur noch 20 Minuten. Bisher fuhren die Fahrgäste mit der S 1 zum Frankfurter Hauptbahnhof, dort stiegen sie in die S 8 oder S 9 zum Flughafen um. Heute setzen sie sich einfach in den Schnellbus X 17, der sie ohne Umweg über Frankfurt zum Terminal 1 bringt.

Auch Fahrgäste aus Hofheim kommen mit dem X 17 schnell zum Flughafen, denn diese Linie beginnt in dem Taunusstädtchen. Seit dem Fahrplanwechsel im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) am 10. Dezember fährt der Schnellbus sogar über den Flughafen hinaus bis nach Neu-Isenburg. Das Angebot wird so stark genutzt, dass jetzt wochentags doppelt so viele Fahrten stattfinden und nun auch sonn- und feiertags X 17-Busse verkehren.

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So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

Das X steht für Express – eine besonders schnelle Art der Beförderung. Deshalb spricht RMV-Chef Knut Ringat auch lieber von Express-Bus als von Schnellbus. Mittlerweile gibt es mehr als ein Dutzend X-Linien im Rhein-Main-Gebiet. Sie wurden vom RMV eingerichtet, um Bewohnern der Region, die abseits der Schienenstrecke zu Hause sind, ein Angebot zu machen. Thomas Busch, der Mobilitätsplaner des Verkehrsverbundes, beschreibt das Ziel folgendermaßen: mit schnelleren Verbindungen neue Kunden gewinnen.

Die Besonderheit der X-Linien liegt darin, dass sie im Gegensatz zu den S-Bahn- und Regionalzug-Linien um Frankfurt herum verlaufen. Dagegen führen die Schienentrassen alle in Richtung Frankfurter City – was sich zu einem Problem entwickelt hat. Denn das Schienennetz hat seine Kapazitätsgrenze erreicht. Vor allem der Tunnel unter der Frankfurter Innenstadt, durch den fast alle S-Bahnen fahren müssen, bildet einen Flaschenhals, der keine zusätzlichen Züge mehr verkraftet.

1000 Fahrgäste täglich im Pilotversuch

Mit den X-Linien rund um Frankfurt sollen denn auch die S-Bahnen und die Regionalzüge etwas entlastet werden. Und natürlich die Straßen. Denn der X-Bus soll auch für Autofahrer attraktiv sein. Wenn ein Bus gegenüber dem Auto höchstens die anderthalbfache Zeit für eine Strecke braucht, besteht eine gute Chance, dass Autofahrer umsteigen – das haben die RMV-Verkehrsfachleute herausgefunden. Im Nahverkehrsplan von 2012 wurde ein Dutzend Strecken definiert, die das Potential für einen Schnellbusverkehr haben.

2014 unternahm der RMV einen Pilotversuch auf der Strecke von Groß-Karben über Bad Homburg und Oberursel nach Königstein. Am Anfang nutzten 200 Fahrgäste täglich das Angebot des X 27-Busses, nach wenigen Monaten waren es 1000. „Die Idee funktionierte“, sagt Mobilitätsplaner Busch. Der RMV habe daraufhin in kürzester Zeit weite Teile des geplanten Schnellbus-Netzes rund um Frankfurt aufgebaut. Mittlerweile fährt der X 26 von Bad Homburg nach Wiesbaden. Zwischen Hofheim, Flughafen und Neu-Isenburg verkehrt der X 17.

„Die Linie hat Potential“

Der X 83 fährt von Langen über Neu-Isenburg nach Offenbach. Dort startet der neue X 97-Bus nach Bad Vilbel. 14 solcher X-Linien hat der RMV bisher eingerichtet, etwa 20 sollen es laut Busch am Ende des Jahrzehnts sein. Derzeit befördern die X-Busse etwa 8500 Passagiere am Tag, Ende 2018 wolle man die Marke von 15 000 erreichen, sagt der RMV-Planer: „Die Nachfrage gibt uns recht.“ Doch Busch will noch höher hinaus. Er hofft auf 30 000 Fahrgäste und 1000 Fahrten am Tag bis 2020.

Bei der Busfirma Sippel in Hofheim-Wallau, die 2016 den Auftrag für die X 17-Strecke von Hofheim zum Flughafen gewonnen hat, ist man hochzufrieden mit der Entwicklung. Vor allem die Pendler, die einen Job am Flughafen hätten, seien dankbar dafür, dass sie jetzt schnell zu ihrem Arbeitsplatz kämen, berichtet Geschäftsführerin Stephanie Schramm. Ursprünglich seien die Sippel-Busse im Stundentakt gefahren, wegen der starken Nachfrage habe man auf einen Halbstundentakt gewechselt und fahre auch sonntags. Zudem sei die Linie nun bis Neu-Isenburg verlängert worden. Sippel hat eigens für die X 17-Linie neue Busse gekauft, sieben Fahrzeuge mit besonders bequemer Ausstattung deckten jetzt die Strecke ab. „Die Linie hat Potential“, sagt Geschäftsführerin Schramm.

Das gilt nicht nur für die X 17-Strecke, sondern auch für Verbindungen, die fern vom Flughafen und von Frankfurt verlaufen. Zum Beispiel für den X 72-Bus von Wiesbaden nach Limburg und den X 76 nach Nastätten. Weil der RMV von seiner Schnellbus-Idee überzeugt ist, hat er zum Fahrplanwechsel sogar in Mittelhessen eine X-Strecke eingerichtet: von Gladenbach bis Marburg und zurück fährt nun stündlich der X 38.

Quelle: F.A.Z.
Hans Riebsamen
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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