Bernadette Weyland

Im Dauereinsatz für den Wahlsieg

Von Tobias Rösmann, Frankfurt
 - 11:28

Charmant ist er nicht gerade, der Kollege. Warum sie denn jetzt ein Fotomotiv ihrer jüngeren Schwester plakatiere, will der Journalist mit der Wollmütze von Bernadette Weyland wissen. Die CDU-Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl stutzt, dann seufzt sie und sagt: „Da ist nicht viel retuschiert. Aber mit so was muss ich wohl leben.“

Wenige Minuten zuvor hat Weyland vor vielen Kameras das rechte untere Viertel ihres Auftaktplakats zum Wahlkampf per Besen auf eine Großfläche am Senckenbergmuseum gekleistert. „Wer Schulen will, wählt Weyland“ steht auf der linken Hälfte, der rechte Teil zeigt die Kandidatin, die beinahe jugendlich daherkommt. Die Sechzigjährige, die eine leuchtend orangefarbene Jacke trägt, blickt auf das Plakat, dann auf den Kleisterbesen und sagt: „Jetzt sind die Blasen weg, aber die Falten sind noch da. Das ist gut so.“

„Wir brauchen mehr Gymnasien“

Seit Sonntagnacht, exakt sechs Wochen vor der Wahl, dürfen die Kandidaten ihre Wahlplakate zeigen. 100Großflächen im Stadtgebiet hat Weyland gebucht. Damit der wöchentliche Wechsel nicht zu teuer wird, bleibt das Porträt rechts jeweils unverändert, während der Spruch links aktualisiert wird. An die Stelle des Worts „Schule“ sollen bis zur Wahl am 25.Februar nach und nach „Wohnungen“, „Kitas“, „Mobil sein“ und „Sicherheit“ rücken. Außerdem kündigt Weyland „ein Schlusspaket“ für die letzte Woche an, zu dem sie keine Details verrät.

Der Boden an der Senckenberganlage ist schwer vom Winterregen, der Wind pfeift kalt, aber Weyland lässt sich davon nicht beirren. Seit Anfang September, seitdem sie ihr Amt als hessische Finanzstaatssekretärin aufgegeben hat, ist die promovierte Juristin im Dauerwahlkampf. Vom klammen Kreisverband bekommt sie nach eigenen Worten wenig Geld, das meiste sammelt sie selbst ein. „Wir hoffen, dass wir mit 350000 Euro hinkommen“, sagt sie. Die Arbeit erledige ein kleines Team junger Mitarbeiter – „wie ein Start-up“. Wer will, kann das als Kritik an ihrer Partei verstehen.

Auf teure Werbemittel verzichtet Weyland, die ihr Programm samt Gummibärchen und Kuli in einer hölzernen Mandarinenkiste an die Journalisten verteilt. Die Idee, Computer-Sticks mit dem Programm darauf zu verteilen, hat sie deshalb verworfen. Zu dem wichtigen Termin sind aus der CDU-Spitze drei Leute erschienen: der Parteivorsitzende Jan Schneider, der Sicherheitsdezernent Markus Frank und der Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein. Schneider bleibt aber nicht lange. Termine. Auf prominente Gastredner aus der Bundespolitik kann die Bewerberin ebenfalls nicht zählen. Die Kanzlerin sei zwar angefragt worden, habe aber in diesen Groko-Tagen wohl anderes zu tun. Dafür kommt im Februar der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier zu ihrer Unterstützung nach Frankfurt.

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So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

Falls sie gewählt wird, will Weyland eine Milliarde Euro in die städtischen Schulen investieren. Dass Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) die Summe nun auch nenne, sei neu, sagt sie und fügt hinzu: „Wir brauchen mehr Gymnasien.“ Auch die ihrer Meinung nach katastrophalen Zustände der Schultoiletten werde sie beseitigen. Und innerhalb von drei Jahren soll es W-Lan an allen Schulen geben.

In der Wohnungspolitik will Weyland neue Wohngebiete zusammen mit dem Umland bauen, in der Verkehrspolitik plant sie unter anderem sichere und schnelle Radwege sowie einen Ausbau der E-Mobilität mit mehr Ladestationen. In der Sicherheitspolitik will sie eine ständige Sicherheitskonferenz einberufen, gegen Bettlerbanden und Trickdiebe vorgehen sowie „der Vermüllung in unserer Stadt ein Ende setzen“.

Ihre Konkurrenten fordert Weyland auf, Angriffe unter die Gürtellinie zu unterlassen. Der unabhängige Bewerber Volker Stein hatte sie jüngst im Interview mit dieser Zeitung als „Revival-Blondchen“ bezeichnet, das Petra Roth zu kopieren suche. Dem Amtsinhaber Feldmann wirft sie vor, alles Positive in der Stadt auf sich zu beziehen und „alles auf seine Agenda zu schreiben, was man sich denken kann“. Das sei eben seine Art, Wahlkampf zu machen. „Dabei weiß jeder in Frankfurt, dass das Unsinn ist.“

Quelle: F.A.Z.
Tobias Rösmann
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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