Frankfurts CDU kontra Feldmann

„Penetranter als ein Staubsaugervertreter“

Von Tobias Rösmann
 - 19:22

Im Wahlkampf um das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters verschärft CDU-Kandidatin Bernadette Weyland den Ton. Sie nutzte einen Redeauftritt während des Jahresempfangs der Fraktion am Dienstagabend, um Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) deutlich zu attackieren. Feldmann beschäftige sich hauptsächlich mit sich und lasse andere für sich arbeiten. Fototermine seien ihm am wichtigsten, die Amtskette trage er bloß spazieren.

„Mit seiner Selbstherrlichkeit beschädigt er die Würde des Amtes“, sagte Weyland unter dem Applaus der Gäste in der Union Halle an der Hanauer Landstraße. Mit Blick auf Feldmanns kontinuierlichen Hausbesuche bei den Bürgern sagte sie: Der SPD-Politiker klingele zwar dauernd an irgendwelchen Türen, doch kümmere er sich nicht tatsächlich um die Sorgen der Menschen. Der Oberbürgermeister erscheine vielmehr als ein Mann, „gegen dessen Penetranz selbst der hartnäckigste Staubsaugervertreter keine Chance hätte“.

„Ich würde rot werden vor Scham“

Zuvor hatte auch der Parteivorsitzende Jan Schneider einige Spitzen gegen den Amtsinhaber gesetzt. Der Bau- und Reformdezernent, der gemeinsam mit Feldmann im Magistratskollegium der Stadt sitzt, zog eine vom Oberbürgermeister stammende Bilanz der eigenen Arbeitsleistung hervor und ging die Punkte nacheinander durch. In den meisten Fällen, so sagte Schneider, schmücke sich der Oberbürgermeister in seinem Selbstlob mit fremden Federn. „Ich würde rot werden vor Scham“, fügte er hinzu. Aus Feldmanns Büro gab es zu Weylands und Schneiders Äußerungen von seinem Sprecher auf Anfrage nur zwei Wörter: „Kein Kommentar“.

Die CDU-Kandidatin war während des Fraktionsempfangs zudem bemüht, die eigenen Reihen zu schließen. So verteilte sie in ihrer rund halbstündigen Rede reichlich Lob an alle CDU-Dezernenten. Besonders auffällig tat sie das nach Ansicht von Beobachtern bei Sicherheitsdezernent Markus Frank.

Angst, angepöbelt oder attackiert zu werden

Gleichwohl erneuerte sie ihre Kritik an manchen Zuständen in der Stadt, für die in erster Linie Frank zuständig ist. So trauten sich zum Beispiel viele ältere Bürger abends nicht mehr auf die Straße wegen der Angst, angepöbelt oder attackiert zu werden, monierte die Kandidatin. Auch begleiteten Eltern ihre Kinder wieder öfter zur Schule, weil sie Gefahr witterten. Insgesamt hob Weyland ihre Schwerpunkte Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit hervor. Manche Plätze seien verdreckt und nicht in gutem Zustand, sagte Weyland. Auch für diese Äußerung bekam sie Applaus aus dem Publikum.

Einen generellen Schwenk in den Angriffsmodus wollte sie auf Nachfrage gleichwohl nicht bestätigen. Nach einer ersten Phase der Vorbereitung auf zehn Schwerpunkte befinde sie sich nun in der zweiten Phase. Jetzt gehe es darum, Kritikpunkte zu benennen und öffentlichkeitswirksam damit zu arbeiten, sagte sie. Die entscheidende Phase komme dann im Januar und Februar. Aus CDU-Kreisen war am Dienstagabend mehrmals der Wunsch zu vernehmen, Weylands Wahlkampf möge alsbald Fahrt aufnehmen. Manche Zuhörer äußerten die Meinung, die Rede sei bis auf die Angriffe gegen Feldmann nicht sehr überzeugend gewesen.

Quelle: F.A.Z.
Tobias Rösmann - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Tobias Rösmann
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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