Kommentar

Szenenapplaus für die Flüchtlingshelfer

Von Marie Lisa Kehler
© Wolfgang Eilmes, F.A.Z.

Mit dem Applaus ist es so eine Sache. Kommt er zu früh, wirkt er deplaziert. Fällt er aus, sind alle schockiert. Ist er zu laut, zu leise, zu wild oder zu steif, sind alle pikiert. „Frankfurt hilft“, die Koordinierungsstelle in der Flüchtlingsarbeit der Mainmetropole, hat sich für den Szenenapplaus entschieden. Und zwar an der richtigen Stelle. Mit der Plakataktion „Bin dabei“ wird den Helfern erstmals sichtbar im öffentlichen Raum gedankt. Und das war überfällig.

Zwar ist die Zahl der Flüchtlinge, die in Frankfurt ankommen, deutlich gesunken. Inzwischen kann man die Zahl der wöchentlichen Neuankömmlinge an einer Hand abzählen. Vor zwei Jahren sah das noch anders aus.

Aufgaben sind komplexer geworden

Damals, als die große Flüchtlingswelle nach Deutschland rollte, entstand auch eine große Hilfsbereitschaft. Anfangs gehörte es für viele zum guten Ton, sich in irgendeiner Weise einzubringen, jetzt spricht kaum noch jemand darüber. Ein Großteil der Initiativen, die sich 2015 gründeten, ist aber bis heute aktiv.

Doch das Engagement der Helfer droht manchmal unterzugehen. Denn wenn etwas funktioniert, wird kein Wirbel darum gemacht. Es gilt schnell als normal und selbstverständlich. Die Zahl der Flüchtlinge in Frankfurt ist bekannt. Es sind etwa 5000. Die Zahl der stummen Helfer nicht. Dabei engagieren sich in der Stadt 70 Initiativen, dazu kommen einzelne Projekte von Vereinen und Kirchengemeinden. Ihre Aufgaben sind komplexer geworden. Es geht für die Flüchtlinge nicht mehr um eine Erstversorgung – es geht um das Ankommen.

Langer Weg zum Schlussapplaus

Dass sich viele Ehrenamtliche mit Herzblut, Zeit und Tat einbringen, hat auch die Koordinierungsstelle „Frankfurt hilft“ schon lange erkannt. Darum hat die von der Stadt und zehn Stiftungen finanzierte Anlaufstelle die Kampagne „Bin dabei“ ins Leben gerufen. Auf den ersten Blick hat die Kampagne das alleinige Ziel, weitere Helfer für die Arbeit mit Flüchtlingen zu werben. Bedarf gibt es schließlich genug – das zeigt schon ein kurzer Besuch auf der eigens für diese Kampagne entworfenen Homepage bindabei.frankfurt-hilft.de.

Aber die zweite, die weniger laute Botschaft, ist eine andere. Langfristig vielleicht sogar die wichtigere. Sie lautet schlichtweg: Danke. Das ist nötig. Es darf aber nicht bei der einmaligen Aktion bleiben. Die Stadt darf das Engagement nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen, sondern muss die Helfer unterstützen. Denn es sind erst wenige Akte gespielt. Bis zum Schlussapplaus ist es noch ein langer Weg.

Quelle: F.A.Z.
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