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Frankfurter Wohnungsmarkt

An Geld herrscht kein Mangel

Von Rainer Schulze
 - 10:41
Vier neue Türme: Das Projekt „Four“ soll auf dem früheren Deutsche-Bank-Areal verwirklicht werden Bild: Frankfurter Wohnungsmarkt: Vier neue Hochhäuser für die Innenstadt, F.A.Z.

Das Wort „Deutsche-Bank-Areal“ will Jürgen Groß nicht mehr hören. Sein Projekt heiße jetzt „Four“, sagt der Entwickler, der zwischen Roßmarkt, Junghofstraße und Großer Gallusstraße gleich vier Hochhäuser auf einmal bauen will. Dicht an dicht stehen die Zuhörer auf der Immobilienmesse Expo Real in München vor der „Metropol-Arena“ genannten Bühne und lauschen den Worten des Projektentwicklers. Das „Four“ ist ohne Frage das spektakulärste Bauvorhaben, das am Frankfurter Messestand präsentiert wird. Groß will in diesem Jahr mit dem Abriss der alten Bankgebäude beginnen und 2023 mit den Neubauten fertig sein. Das Großprojekt mit Hotels, Büroflächen, Geschäften und Wohnungen sei „maßstabsgebend“ für künftige Bauvorhaben, verkündet Groß. „In sechs Jahren können Sie mich an meinen Worten messen.“

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An Hochhaus-Modellen herrscht am Frankfurter Stand kein Mangel: Das Unternehmen GEG präsentiert ein bronzefarbenes Modell des alten Commerzbankturms, der komplett saniert und als „Global Tower“ neu vermarktet wird. Außerdem ist am Stand des Unternehmens ein Modell des Wohnturms „Riverpark Tower“ zu sehen: Diesen Namen trägt künftig das alte Bürohaus der Union Investment am Mainufer, das zu einem Wohnturm umgebaut wird. Markus Brod von Pecan Development zeigt den Marienturm, für den mit Goldman Sachs schon ein erster Mieter gefunden wurde. Und Tishman Speyer präsentiert ein Modell des „Omniturms“, der schon im Bau ist.

Streben von Rekord zu Rekord

Das ist nur eine kleine Auswahl der Frankfurter Hochhäuser, die derzeit im Bau oder in Planung sind. Ein solches Hochhausfieber gab es in der Stadt schon lange nicht mehr. Getrieben wird der Bauboom weniger von der Nachfrage der Mieter, sondern eher von der Suche der Investoren nach Anlagemöglichkeiten. Der Investmentmarkt strebt von Rekord zu Rekord. Selten war es so leicht, ein großes Bauvorhaben zu finanzieren. „Es fehlt nicht an Geld, das ist ohne Ende da“, sagt der Immobilienanwalt Robin Fritz, Partner der Kanzlei FPS.

Nicht wenige Marktbeobachter fragen sich, ob diese Situation noch gesund ist. „Das erinnert mich an die neunziger Jahre“, sagt ein erfahrener Bauingenieur, der schon viele Hochhausprojekte in Frankfurt betreut hat. Damals entstanden zu Beginn der New Economy etliche Büroflächen spekulativ. Die Blase platzte, und die Entwickler blieben auf ihren Flächen sitzen. Bis heute ist es nicht gelungen, diesen Leerstand abzubauen. Derzeit suchen Bauherren und Investoren wieder fieberhaft nach Flächen. Doch der Grundstücksmarkt ist ziemlich leergefegt. „Es gibt nichts: keine Produkte, keine Flächen. Und die Preise schießen durch die Decke“, stellt Fritz fest.

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Konzentration auf Luxusprojekte

Auch die vielen Wohntürme machen manchen Beobachtern Sorge. Sie bezweifeln, dass derart viele kostspielige Hochhauswohnungen auch Abnehmer finden. Die Preise im Wohnungsbau steigen, weil die Baugrundstücke in den zentralen Lagen zur Neige gehen. Die Folgen beschreibt Peter Skopp, Projektentwickler des Unternehmens Corpus Sireo: „Bezahlbaren Wohnraum findet man bald nur noch in der Peripherie und hochpreisigen in der Innenstadt.“ Er findet die Konzentration der Bauherren auf Luxusprojekte „eigentlich nicht mehr gesund“. Für Kapitalanleger aus dem Ausland sei das Frankfurter Pflaster zwar immer noch günstig, meint auch Fritz. „Aber normale Menschen können sich in Frankfurt bald keine Wohnung mehr kaufen.“

Um der Verknappung auf dem Wohnungsmarkt entgegenzuwirken, müsste das Angebot dringend vergrößert werden. Aber für neue Wohnprojekte, vor allem im günstigen Preissegment, gibt es kaum noch Bauland. „Wir rasen sehenden Auges in ein Vakuum“, sagt Stadtplanungsamtsleiter Martin Hunscher. Dass das geplante neue Baugebiet im Norden der Stadt schon wieder von einigen Politikern in Frage gestellt wird, bevor die vorbereitenden Untersuchungen überhaupt begonnen haben, findet er höchst problematisch. Das saturierte Bürgertum dürfe nicht jede neue Entwicklung ablehnen. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) wünscht sich mehr Mut: „Wenn die Stadtplaner vor 30Jahren auch so große Bedenken gehabt hätten, würde es heute ein Drittel der Stadt nicht geben.“

Der CDU-Stadtverordnete Nils Kößler will seine Partei nicht in der Rolle des Verhinderers sehen. Man erinnere nur daran, dass die Bebauung der Äcker an der Grenze zu Steinbach nicht einfach werde – schon wegen der A5 und der Starkstromtrasse. „Wir stehen hinter dem Ziel, diese Flächen zu nutzen. Aber wir müssen das mit Steinbach gemeinsam angehen.“

Quelle: F.A.Z.
Rainer Schulze
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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