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Fraport Skyliners

„Ohne Wöbke wäre ich kein Trainer mehr“

Von Jörg Daniels
 - 08:28
In seinem Element: Gordon Herbert, Cheftrainer der Fraport Skylineres, bei einem Meisterschaftsspiel in der Max-Schmeling-Halle in Berlin. Bild: dpa, F.A.Z.

Wer hat den schwierigeren Job bei den Skyliners? Geschäftsführer Gunnar Wöbke oder Sie?

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Gunnar hat immer den schwierigsten Job. Er muss sich mit vielen verschiedenen Themen befassen – dem Team, den Sponsoren oder der Arbeit auf der Geschäftsstelle.

Aber das Endprodukt auf dem Feld formen Sie. Und Sie müssen in Frankfurt aus einem bescheidenen Etat viel machen und Talente zu gestandenen Bundesliga-Spielern ausbilden. Einen Sportdirektor gibt es qua Funktion auch nicht. Sind Sie immer einer Meinung mit Gunnar Wöbke?

Nein. Wir diskutieren auch miteinander. Es wäre nicht gut, wenn zwei Menschen immer die gleiche Meinung hätten. Zum Schluss kommen wir aber zu einem von beiden mitgetragenen Ergebnis.

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Wer ist der Boss?

Gunnar. Ich habe großen Respekt vor ihm. Ich hatte Rückenprobleme. Und er hat mich unterstützt, wie es sonst keiner tun würde. Das vergesse ich ihm nie. Ich schulde Gunnar viel, für mich ist er eine großartige Person. Er ist einer der wichtigsten Personen in meinem Leben für meiner Trainerkarriere. Ohne Gunnar wäre ich heute nicht Trainer in Frankfurt. Ich wäre überhaupt kein Trainer mehr.

Sind Sie befreundet?

Ja. Wir haben großen Respekt voreinander. Er ist der beste Mensch, für den ich bisher gearbeitet habe. Das bringt mir fast ein bisschen die Tränen in die Augen.

Sie sind 58. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wann Sie Ihre Trainerkarriere beenden werden?

Vielleicht in zwei Jahren, ich habe noch einen Zweijahresvertrag. Ich muss abwarten, wie es mir dann gesundheitlich geht. Auf jeden Fall werde ich dem Basketball später in irgendeiner Funktion verbunden bleiben – vielleicht auch in Frankfurt.

Oder als Trainer einer Nationalmannschaft?

Ich habe darüber nachgedacht. Seit 2010 habe ich vier Angebote als Nationaltrainer abgelehnt, eines in diesem Sommer. Es war sehr interessant für mich. Ich habe dann mit Gunnar darüber gesprochen. Aber Gunnar hatte absolut Recht: Aufgrund meines Rückens kann ich es nicht machen. Ich kann nicht das ganze Jahr über arbeiten. Zwischen den Spielzeiten brauche ich eine Auszeit, um den Stress aus meinem Rücken zu bekommen. Klare Priorität haben für mich die Skyliners. Ich will hier die bestmögliche Arbeit machen. Es gibt drei Dinge in meinem Leben, auf die ich mich konzentriere: Meine Gesundheit, meine Familie und meinen Job bei den Skyliners. Alles andere tritt dahinter zurück.

Hinter Ihnen liegt die Saisonvorbereitung. Ist die Mannschaft gewappnet für den Liga-Start an diesem Freitag in Jena?

Teilweise war es schon hart. Wir hatten ein paar verletzte Spieler. Und der eine oder andere Spieler stieß erst relativ spät zum Team. Aber wir sind bereit, ich bin sehr zuversichtlich. Wir haben uns erst einmal auf die wichtigsten Dinge konzentriert. Ein paar Dinge wollen wir sehr gut machen. Wir können nicht beides sein – ein großes Defense-Team und ein großes Offense-Team. Im Moment wollen wir sehr gut verteidigen.

Wie schätzen Sie Ihr Team ein?

Ich bin sehr zufrieden. Wir haben eine der interessantesten Mannschaften, die ich je betreut habe. Wir haben sehr gute, junge deutsche Spieler, wir hoffen, dass sie gute Schritte nach vorne machen. Mit dem 24 Jahre alten Phil Scrubb und dem 22 Jahre alten Tai Webster sind außerdem ein kanadischer und ein neuseeländischen Nationalspieler in unseren Reihen. Beide sind viel erfahrener als es ihr Alter aussagt. Das ist für mich ein großes Plus. Und mit Quantez Robertson, Shawn Huff und Mike Morrison haben wir eine ältere Spielergruppe, die für die Jungen ein sehr gutes Beispiel an Professionalität sind. An ihrer Seite können die Talente wachsen. Wir haben einen sehr guten Mannschaftsmix mit einer sehr guten Teamchemie.

Robertson und Morrison waren zum Start der Vorbereitung aber keine Vorbilder.

Anfangs hatte ich einen Konflikt mit ihnen. Ich war ein bisschen enttäuscht über die körperliche Verfassung, in der beide aus der Sommerpause zurückgekommen sind. Beide müssen diszipliniert sein. Die Probleme sind jetzt aber gelöst. Beide haben in Sonderschichten hart an sich gearbeitet. Nun sind wir wieder auf einer Wellenlänge. Wir brauchen Robertson auf einem hohen Niveau. Im Hinblick auf die kleinen Dinge, die zu tun sind, ist er besonders wichtig. Es ist schwieriger, einen Spieler vom Typ Robertson zu finden, als jemand, der viele Punkte macht. Robertson ist 32 Jahre alt. Aber sein Körper sieht wie 23 aus – wenn er fit ist.

Topscorer in der Vorbereitung war Scrubb. Hätten Sie ihm die gute Verfassung nach dessen langer Verletzungspause aufgrund eines Knorpelschadens im Knie zugetraut?

Wir waren überrascht. Phil ist in besserer Verfassung als vor seiner Verletzung. Kein Zweifel: Er ist der beste Spieler der Vorbereitung. Phil hat das Potential, in zwei Jahren ein Euroleague-Spieler zu sein. Das wäre keine Überraschung. Sein Basketball-IQ ist herausragend.

Wie sehr ärgert Sie das, Talente zu gestandenen Bundesliga-Spielern zu formen, sie dann aber an finanzkräftigere Klubs zu verlieren?

Das passiert nun mal im Sport. Wir können die Spieler aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr halten. Sie können dann bei anderen Klubs wesentlich mehr Geld verdienen. Die deutschen Nationalspieler Johannes Voigtmann und Danilo Barthel schulden mir noch ein Abendessen mit einer guten Flasche Wein. Im Ernst: Ich freue mich sehr über ihren Karriereweg. Auf der einen Seite ist es sehr enttäuschend, dass sie uns verlassen haben. Aber es zeigt auch, dass wir hier gute Arbeit machen.

Ist für Sie die Play-off-Teilnahme in dieser Saison realistisch?

Ich denke, dass diese Saison ein Entwicklungsjahr sein wird. Unsere jungen deutschen Spieler sollen Erfahrung sammeln. Was die Play-offs angeht, können wir uns im November oder Dezember über das Thema unterhalten. Dann wissen wir, wo wir stehen. Im Moment kann keiner sagen, wie sich unsere jungen deutschen Spieler, der 17 Jahre alte Isaac Bonga oder der 19 Jahre alte Richard Freudenberg, in der Bundesliga behaupten werden. Außerdem haben wir mit Bonga und Webster zwei Rookie-Point-Guards. Es ist sicher ein Risiko. Aber es ist auch eine großartige Gelegenheit für die beiden. Und für mich als Trainer ist es eine große Herausforderung.

In Teilen der Skyliners-Anhängerschaft ist von Aufbruchstimmung nicht viel zu spüren. Können Sie das nachvollziehen?

Ich bin sehr optimistisch. Ich habe bei meiner Mannschaft zuletzt viele gute Sachen gesehen. Als Gruppe sind wir sehr geschlossen. Wenn zehn Spieler sich gegenseitig unterstützen und die ihnen vorgegebene Rolle erfüllen, ist das viel besser als zehn sehr gute Spieler zu haben, von denen jeder sein Ding macht. Ich hoffe, dass wir die Meinung unserer Anhänger ändern können.

Wie hoch ist das Skyliners-Budget in dieser Runde?

Ich kann Ihnen keine Zahl nennen. Wenn es sechs Etatgruppen in der Bundesliga gibt, sind wir vielleicht in der vierten. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren hat sich unser Budget, glaube ich, nicht groß verändert.

Wie gehen Sie damit um, dass die Skyliners in diesem Spieljahr an keinem internationalen Wettbewerb teilnehmen?

Das ist hart für mich, keine Frage. Ich spiele gerne international. Die jungen Spieler können sich in diesen Begegnungen entwickeln, sie haben nicht den Druck wie in der Bundesliga. Und internationale Auftritte mit den Reisen tun dem Zusammenhalt gut. Aber wir haben keinen Startplatz in der Champions League bekommen.

Ihr Ligakonkurrent Bayern München bestritt kürzlich am Münchner Flughafen ein Testspiel gegen Real Madrid. Wäre das nicht auch etwas für die Skyliners, deren Hauptsponsor Fraport ist?

Sicher, das ist eine sehr interessante Idee für die Zukunft. Mit unserem Hauptsponsor würde das viel Sinn machen. Auch in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga gibt es diese Spiele unter freiem Himmel.

Quelle: F.A.Z.
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