Friedwald in Sulzbach

Streit um Kommerzialisierung von Bestattungen

Von Heike Lattka, Sulzbach
 - 18:00

Die mögliche Einrichtung eines Friedwaldes auf Sulzbacher Gemarkung hat in der Main-Taunus-Gemeinde eine Diskussion über den Wert geweihter Orte und die fortschreitende Kommerzialisierung von Bestattungen ausgelöst. Der Streit entzündete sich an einem Vorstoß der Sozialdemokraten in der Gemeindevertretung. Sie wollten geprüft wissen, ob in der waldreichen Gemeinde Voraussetzungen für die letzte Ruhestätte unter Bäumen gegeben seien.

Als „aktiver Christ“, so der CDU-Parteivorsitzende und Vorsitzende der evangelischen Kirchengemeinde, Matthias Brandt, könne er sich mit diesem Anliegen überhaupt nicht anfreunden. Schließlich gebe es einen geweihten Friedhof, der jedwedes Bestattungsritual erlaube. Er sehe keinen Sinn darin, ein kommerzielles Unternehmen - um nichts anderes handele es nämlich bei der Friedwald GmbH - zu unterstützen. Brandt führte ebenso rein politische Argumente an: Die CDU werde stets ihre schützende Hand über den Eichwald halten, sagt er.

Das Thema Grabpflege

Warum der Eichwald durch ein paar Schilder an Bäumen bedroht sei, kann der SPD-Gemeindevertreter Peter Hoppe nicht nachvollziehen. Der Sozialdemokrat hatte sich nach dem Erlebnis von Beerdigungszeremonien in Friedwäldern für den Prüfantrag besonders stark gemacht. Letztlich gebe es doch so viele Menschen, deren Angehörige nicht in der Nähe wohnten, und in vielen Familien sei die Grabpflege deshalb ein Thema. Auch seien Friedhofsbestattungen und die anschließende Pflege sehr teuer. Es gebe auch Menschen, die die Nähe zur Natur suchten, andere wollten den Angehörigen die spätere Grabpflege ersparen. All diesen Menschen biete ein Friedwald eine Alternative. Es komme als möglicher Standort ohnehin nicht nur der Eichwald in Frage. Man könne auch nach einer interkommunalen Lösung mit mehreren anderen Gemeinden suchen. Er könne nicht verstehen, warum sich die CDU nicht diesen neuen Bedürfnissen öffne.

Er habe gegen Baumbestattungen nichts einzuwenden, widersprach Brandt. Er regte an, auf dem Sulzbacher Friedhof ein solches Angebot zu etablieren. Immerhin seien die Flächen dort parkähnlich, und zusätzliche Bäume ließen sich auch pflanzen. Eine anonyme Wiese gebe es dort schon, so dass jenen Menschen, die kein Grab wollten, ein Angebot gemacht werde. So einfach, wie die SPD sich das vorstelle, sei die Ausweisung eines Friedwaldes ohnehin nicht: 15 Hektar Wald müssten hierfür eingefriedet werden, und die Bewirtschaftung von 1500 Bäumen gehe verloren.

Das Thema Verkehrssicherheit

Während die Friedwald GmbH je Urne und Bestattung um die 4000 Euro kassiere und damit ein Millionengeschäft mache, müsse die Gemeinde in dem abgetrennten Gebiet dennoch weiterhin für die Verkehrssicherheit sorgen und würde bei diesem Geschäft draufzahlen, so Brandt. Gleichzeitig würden die Strecken für Reiter, Jogger und Spaziergänger beschnitten, damit sinke der Erholungswert des Waldes. Für die CDU handele es sich bei dem Friedwald um ein kommerzielles Projekt ohne Bedarf.

Bürgermeisterin Renate Wolf (SPD) sieht die Friedwald-Diskussion, die in der Lokalpresse in Leserbriefen kontrovers geführt wird, unter rein pragmatischen Aspekten: Es gehe hier nicht um Weltanschauungen, sondern um eine veränderte Grabkultur in der Bevölkerung.

Quelle: F.A.Z.
Heike Lattka - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Heike Lattka
Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.
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