Gegen Abholzung von Bannwald

Fluglärmgegner gehen in den Wald

Von Hans Riebsamen
 - 18:28

Wieder einmal solle wertvoller Bannwald für den Flughafenausbau abgeholzt werden, klagt die Bürgerinitiative Neu-Isenburg auf einem Flugblatt. Gegen diese Zerstörung der Natur und des Lebensraumes wolle man demonstrieren. „Waldbegehung“ nennen die Fluglärmgegner ihre Aktion, die am Sonntag um 14 Uhr in der Nähe des Bahnhofs Zeppelinheim beginnen soll. Sie knüpft an an die legendären Waldspaziergänge, die einst Gegner der Startbahn West unternahmen.

Ganz in der Nähe des Demonstrationsortes soll zwischen dem Autobahnanschluss Zeppelinheim und dem Walldorfer Badesee eine neue Autobahnanschlussstelle gebaut werden, über die Fraport das geplante Terminal 3 des Flughafens an das Autobahnnetz anschließen möchte. Dazu benötigt der Flughafenbetreiber ein Waldstück, das sich im Eigentum der Kommunen Neu-Isenburg und Trebur, obwohl weiter entfernt, befindet.

Trebur zeigt sich widerspenstig

Für den Straßenbau werden Fraport zufolge 4,5 Hektar Wald benötigt, dazu 1,6 Hektar für eine vorübergehende Nutzung während der Bauzeit. Außerdem würden elf angrenzende Hektar als Kompensationsfläche gebraucht. Doch Trebur zeigt sich widerspenstig. Im vergangenen Jahr hat dort der Umwelt- und Hauptausschuss den Verkauf des Treburer Waldstücks an die Fraport AG abgelehnt.

Zwei Euro pro Quadratmeter Wald sowie einen Erlösausfall für die Nutzung des Holzes hatte die Hessische Landesgesellschaft, die im Auftrag der Hessischen Straßenverwaltung Hessen Mobil Flächen für Autobahnbau und Autobahnanschlüsse kauft, der Gemeinde geboten. Dabei orientierte sich die Landesgesellschaft am Preis für Treburer Ackerflächen und bemaß den Wert des Waldes mit 40 Prozent des Ackerwertes, was nach Angaben von Fachleuten ein durchaus übliches Verfahren ist.

Ohne besagtes Areal kann der Flughafenbetreiber die Anschlussstelle an der A5 anderthalb Kilometer südlich der Ausfahrt nach Zeppelinheim nicht bauen. Und ohne eine Verbindung zur Autobahn ist der Betrieb des Terminals, das nicht einmal über einen S-Bahn-Anschluss verfügen wird, nicht denkbar. Noch hofft man bei der Fraport auf eine Einigung mit der Gemeinde Trebur. Eine gütliche Lösung sei immer besser als eine Enteignung, sagt ein Fraport-Sprecher.

Baubeginn erst 2015

Tatsächlich könnte Trebur am Ende gezwungen sein, das Waldstück dem Flughafen zu überlassen. Denn durch den Planfeststellungsbeschluss des Wirtschaftsministeriums, das damals noch von Minister Dieter Posch (FDP) geleitet wurde, hat Fraport ganz offensichtlich das Recht, das Grundstück zu erwerben. Trebur droht ein Enteignungsverfahren.

Noch ist es nicht so weit. Die Fraport, die 2015 mit dem Bau des Terminals 3 beginnen möchte, will laut einem Sprecher erst aktiv werden, wenn sie das umstrittene Waldstück braucht. Über einen Enteignungsantrag hätte das Regierungspräsidium Darmstadt zu entscheiden. Die Bürgerinitiativen gegen Fluglärm befürchten aber eine vorzeitige Inbesitznahme des Waldes durch die Fraport und eine Rodung des Areals. Bei der Bürgerinitiative Trebur weist man auf das der Region nach dem Bau der Startbahn West gegebene Versprechen, dass kein weiterer Baum mehr fallen werde. Mit dem Planfeststellungsbeschluss sei 2010 für den genannten Wald jedoch der Schutzstatus als Bannwald aufgehoben worden.

Amphibienzäune bemerkt

Mit der Rodung könnte es ziemlich schnell gehen, glauben die Ausbaugegener in Trebur. Das Jahr sei noch jung, in dieser Zeit dürften noch Bäume gefällt werden. Akut stehe die Rodung aber wahrscheinlich nicht an, aber man habe Vorarbeiten bemerkt. So seien Amphibienzäune bemerkt worden, wie sie einst in Kelsterbach vor der Rodung angebracht worden seien. Vorerst solle die Waldbesichtigung als Art Informationsveranstaltung dienen. Wenn es Anzeichen für eine bevorstehende Rodung gebe, würden die Fluglärmgegener wieder im Wald an Ort und stelle sein, kündigte Jan Wunderlich, ein Mitglied der Bürgerinitiative Trebur, vor kurzem an.

Die Kommunalpolitiker in Trebur sind sich durchaus bewusst, dass ihre Weigerung, das Waldstück zu verkaufen, über ein Enteignungsverfahren ausgehebelt werden kann. Darüber hinaus könnte die Kommune auch einen materiellen Schaden erleiden. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass Trebur bei einer Enteignung sich mit einem niedrigeren Preis zufriedengeben müsste, als ihn die Hessische Landesgesellschaft derzeit bietet.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Riebsamen, Hans (rieb.)
Hans Riebsamen
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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