Erdbeeren im Rhein-Main-Gebiet

Pilzgifte als Schutzmantel

Von Kerstin Pasemann
© dpa, F.A.Z.

Nicht nur in Zeiten mit viel Regen und Wärme gilt: Die Erdbeere ist eine empfindliche Frucht, die keinen Druck verträgt und mitunter sehr schnell matschig wird. Das Hauptanliegen der Bauern ist aber, die roten Beeren gegen Schimmel zu schützen, wie Willi Billau aus Lampertheim sagt. „Dieses Jahr bekommen die deutschen Bauern es mit der Graufäule zu tun. Einige Felder in der Nachbarschaft sind regelrecht abgesoffen“, berichtet der promovierte Landwirt, der außer Spargel und Kartoffeln auch Erdbeeren anbaut.

Er befürchtet, dass dreißig Prozent der eingeplanten Ernte ausfallen könnten, wenn die Landwirte nichts unternähmen. Und so hat Billau, der seine Erdbeeren konventionell anbaut, bereits während der Blüte seine Pflanzen mit Pilzgiften gespritzt, um sie vor Fäule zu schützen. Zudem werden die Pflanzen mit einer Reihe anderer Pestizide gegen Unkräuter und Schädlinge behandelt.

Bio-Erdbeeren meist doppelt so teuer

„Generell werden Erdbeeren sehr viel gespritzt“, bestätigt Ernährungsexpertin Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen. „Daher finden wir oft Mehrfachrückstände von Pestiziden – also wahre Cocktails an Wirkstoffen in den Früchten.“ Doch diese Rückstände sind gering. In einer Studie von 2014 haben gerade einmal 0,4 Prozent der Proben deutscher wie auch ausländischer Herkunft die deutschen Grenzwerte überschritten.

Umso besser sieht es bei Bio-Erdbeeren aus, denn den Öko-Bauern ist die Behandlung mit Pestiziden untersagt. So fand das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart 2008 in 15 Proben ökologisch erzeugter Erdbeeren keine Pestizidrückstände. Bauer Billau hat als konventionell arbeitender Landwirt Achtung vor den Kollegen. „Der Bio-Bauer trägt das größere Risiko. Der konventionelle Landwirt kann seine Ernte immer noch mit Fungiziden retten.“

Dieses Risiko spiegelt sich auch im Preis der Saisonfrüchte, die der Botaniker zu den Nüssen und nicht zu den Beeren zählt, wider. Bio-Erdbeeren sind meist doppelt so teuer wie die herkömmlich angebauten. Allerdings könnten Resistenzen gegen die zugelassenen Pestizide den konventionellen Bauern die Arbeit erschweren: „Unser Problem ist, dass wir nur noch sehr wenige Wirkstoffe einsetzen können – und das führt dazu, dass Schädlinge sich sehr schnell an die Pflanzenschutzmittel anpassen“, erläutert Bauer Billau die Herausforderung. „Da müssen wir verdammt aufpassen. Sobald Schädlinge Resistenzen gebildet haben, bringt es nichts mehr zu spritzen.“

Landwirt hofft auf Verständnis

Doch auch trotz der geringen Rückstände gilt es, das Obst unbedingt zu waschen. „Man kann nie wissen, ob nicht doch der Fuchs über das Feld gelaufen ist, also die Gefahr besteht, dass sich Eier des Fuchsbandwurmes auf dem Obst befinden“, sagt Verbraucherberaterin Franz. Sie rät, das Obst kurz abzubrausen und es mit einem Stück Küchenrolle schnell abzutrocknen.

Dass die Erdbeere sehr anfällig ist, beweist sie auch in diesem Jahr. Die heimischen Bauern haben in den vergangenen Wochen mit dem feuchten Wetter zu kämpfen. „Die Bedingungen sind für uns extrem“, sagt Landwirt Rolf Meinhardt vom Tannenhof in Weiterstadt. Das schwül-warme Wetter sorge dafür, dass die Erdbeeren zwar gut gedeihten, aber auch sehr weich seien und schnell Druckstellen bekämen. Das führe zu Einbußen bei den Bauern, denn sie müssten einen großen Teil der Früchte aussortieren. Bei anderen Bauern stünden sogar ganze Felder unter Wasser, die habe es noch schlimmer getroffen.

Für eine gute Qualität bei regionalen Erdbeeren müsse der Verbraucher entsprechend zahlen. „Für einen Preis von 99 Cent im Supermarkt kann ich nicht produzieren“, sagt Meinhardt. Aber der Landwirt, der dem Arbeitskreis Erdbeer und Spargel Südhessen vorsitzt, gibt sich kämpferisch. „Wir geben unser Bestes, hoffen aber, dass der Verbraucher für uns Verständnis hat.“

Quelle: F.A.Z.
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