Hessen

Gute Zeiten für Fahrraddiebe

 - 10:04

Fahrraddiebstähle bleiben in Hessen weiterhin ein Ärgernis. 2016 ermittelte die Polizei in 15.267 Fällen, das sind knapp 13 Prozent mehr als noch 2012. Deutschlandweit blieb die Zahl der Fahrraddiebstähle im selben Zeitraum etwa gleich, umgerechnet auf die Einwohnerzahl liegt Hessen aber weiterhin unter dem bundesweiten Schnitt.

„Das Fahrrad ist ein In-Mobil“, sagt Claus Opfermann, stellvertretender Leiter der Zentralstelle Kriminal- und Verkehrsprävention beim Landeskriminalamt (LKA) Hessen. Dass immer mehr Menschen mit dem Rad fahren, sieht er als Grund für die Zunahme der Delikte. Denn die Fahrräder auf den Straßen werden nicht nur mehr, sondern - nicht zuletzt wegen der zunehmenden Beliebtheit von E-Bikes - auch teurer: „Der Trend zu hochpreisigeren Modellen steigt seit Jahren“, sagt David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Ein Fahrrad koste im Durchschnitt etwa 640 Euro, ein E-Bike rund 2.000 Euro. „Das macht den Diebstahl für die Täter attraktiv“, sagt Opfermann. In Hessen liegt die Schadenshöhe bei durchschnittlich 577 Euro.

Die Aufklärung gestaltet sich schwierig

Laut Opfermann reicht das Profil der Täter vom Profi, der Fahrräder komplett oder in Teile zerlegt ins Ausland verschafft, bis zum Beschaffungskriminellen in der Großstadt, der sie im Internet anbietet, auf Flohmärkten oder an Hehler verkauft. Mit in die Statistik fließen auch die Fälle „unbefugter Ingebrauchnahme“ ein, bei denen das Fahrrad nur kurzzeitig benutzt und wieder abgestellt wird.

In Hessen ermittelte die Polizei in 15.267 Fällen wegen Diebstahls von Fahrrädern. Umgerechnet auf 100.000 Einwohner sind das knapp 247 Fälle. Deutschlandweit waren es 332.486 Fälle, 405 pro 100.000 Einwohner. Die meisten Fälle gab es mit 80.688 in Nordrhein-Westfalen. Mit 1.010 Fällen pro 100.000 Einwohner ist der relative Spitzenreiter aber Bremen. Nur 1.000 Fahrräder wurden im Saarland als gestohlen gemeldet. Betroffen sind laut Opfermann vor allem Großstädte. Brennpunkte in den Innenstädten sind Orte wie Bahnhöfe, Schulen oder Universitäten, an denen viele Räder abgestellt werden.

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Die Aufklärungsquote bei diesen Delikten ist mit 11,1 Prozent gering. Hessen liegt damit zwar über dem bundesweiten Schnitt von 8,8 Prozent. Im Vergleich zu anderen Straftaten ist die Quote aber niedrig: 2016 wurde in Hessen jeder dritte Autodiebstahl aufgeklärt, insgesamt wurde bei zwei von drei Straftaten der Täter ermittelt.

LKA sieht Kommunen und Radfahrer am Zug

„Wir stellen die Verfahren sehr schnell ein, wenn wir keine Hinweise haben“, sagt Claus Opfermann vom LKA. Oft seien Fahrräder nicht eindeutig gekennzeichnet. Das erschwere die Ermittlungen. Außerdem sei Fahrraddiebstahl ein Massendelikt. Bei über 15.000 Fällen pro Jahr käme man bei der derzeitigen Personalstärke nicht hinterher.

Opfermann, der neben seiner Arbeit beim LKA auch Referent für Diebstahlprävention beim hessischen Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist, rät daher, Fahrräder codieren zu lassen. Außerdem sei es für die Polizei sehr hilfreich, wenn der Eigentümer im Fall eines Diebstahls einen Fahrradpass vorweisen kann, mit dem das Rad eindeutig identifiziert werden kann. Der Pass ist auch als App verfügbar. Opfermann empfiehlt, hochwertige Bügelschlösser zu verwenden und von dünnen Billigprodukten abzusehen. Die könnten leicht aufgebrochen werden: „Alles, was zwischen die Zangen eines Bolzenschneiders passt, ist knackbar“, sagt er.

Zur Diebstahlprävention sollten Kommunen schon beim Anlegen von Fahrradstellplätzen an die Sicherheit denken. Sollte das Fahrrad trotzdem gestohlen werden, sei in jedem Fall eine Anzeige sinnvoll. Opfermann vermutet, dass nur etwa jede fünfte Tat bei der Polizei gemeldet wird.

Quelle: dpa
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