Statistiken für Wiesbaden

Immer mehr Migranten mit Hochschulabschluss

Von Ewald Hetrodt, Wiesbaden
 - 10:28

Sechzig Prozent der Kinder in den Wiesbadener Grundschulen stammen aus Zuwandererfamilien. Diese Zahl erhellt die Bedeutung des Monitorings zur Integration von Migranten, das die Stadt seit dem Jahr 2003 erstellt und regelmäßig fortschreibt.

Die aktuelle Ausgabe enthält im Hinblick auf die Bildung gute Nachrichten. Danach liegt der Anteil der ausländischen Mädchen und Jungen, die jahrelang einen Kindergarten besucht haben, gegenwärtig bei 90 Prozent. Der höchste Wert der vergangenen Jahre wurde mit 94 Prozent im Jahr 2011 erreicht. Danach hat die verstärkte Zuwanderung die Quote wieder absinken lassen. Von den Schulanfängern mit Migrationshintergrund sprechen knapp drei Viertel gut oder sogar sehr gut Deutsch. Auch dieser Befund hat sich angesichts der Flüchtlinge in den zurückliegenden Jahren verschlechtert.

Bilanz zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt fällt gemischt aus

Unbeeinträchtigt davon ist aber der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die ein Gymnasium besuchen. Er lag im vergangenen Schuljahr in der achten Jahrgangsstufe bei 29 Prozent und damit acht Punkte über dem Stand von 2010. Der Anteil der Abiturienten stieg von 17 Prozent im Jahr 2010 auf 29 Prozent.

„Diese Zuwächse sind erfreulich“, heißt es in dem Bericht des Städtischen Amtes für Strategische Steuerung. Aber immer noch bestehen große Unterschiede zu Schülern ohne Migrationshintergrund. Von ihnen erlangen heute 55 Prozent die allgemeine Hochschulreife. Neun Prozent der jugendlichen Migranten verließen die Schule 2016 ohne Abschluss, aber nur drei Prozent der Einheimischen.

Die Bilanz zur Eingliederung der Migranten in den Arbeitsmarkt fällt gemischt aus. Die traditionell relativ niedrige Beschäftigtenquote der ausländischen Frauen ist auf 36,7 Prozent gestiegen. Bei den einheimischen Frauen liegt sie allerdings bei 60 Prozent. Auch das Qualifikationsniveau der ausländischen Beschäftigten hat sich weiter verbessert. Verfügten beispielsweise 2007 nur elf Prozent über eine akademische Berufsausbildung, so sind es heute schon 18 Prozent. Ein Studium haben 15 Prozent der ausländischen Männer, gut 21 Prozent der ausländischen Frauen, knapp 29 Prozent der deutschen Männer und rund 26 Prozent der deutschen Frauen abgeschlossen. Insgesamt sind die Einheimischen besser qualifiziert. Das ist eine der Erklärungen dafür, dass Ausländer zwei- bis dreimal so häufig arbeitslos sind wie Deutsche.

Das nachbarschaftliche Zusammenleben zwischen Zugewanderten und Einheimischen bewerten 73 Prozent der Migranten mit gut oder sehr gut. Unter den Befragten ohne Migrationshintergrund fällt das Urteil mit 66 Prozent etwas verhaltener aus. 84 Prozent der Migranten leben gern in Wiesbaden, 74 Prozent fühlen sich sogar heimisch.

Wiesbaden zählt gegenwärtig knapp 290 000 Einwohner. Der Anteil der Migranten liegt bei 37 Prozent. Er sinkt mit zunehmendem Alter. Die bei weitem größte Gruppe der in Wiesbaden lebenden Migranten stammt aus der Türkei, die zweitgrößte hat ihre Wurzeln in Polen. In den vergangenen Jahren wanderten vor allem Rumänen und Bulgaren zu. Seit 2015 kommen Flüchtlinge vor allem aus Syrien, Afghanistan und anderen Krisengebieten. Gegenwärtig kümmert sich die Landeshauptstadt Wiesbaden um etwa 3800 Geflüchtete. Es sind deutlich mehr Männer als Frauen. Ein Drittel ist minderjährig. Der Altersmedian liegt bei 24 Jahren. Bei allen Wiesbadenern ist er fast doppelt so hoch.

Quelle: F.A.Z.
Ewald Hetrodt - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ewald Hetrodt
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.
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