Keine Genehmigung der Behörden

Die Odenwaldschule gibt es nicht mehr

Von Werner Breunig, Heppenheim/Wiesbaden
 - 15:22

Die Odenwaldschule existiert nicht mehr, auch nicht mit neuen Investoren und nicht unter neuem Namen. Das Hessische Kultusministerium und das Hessische Ministerium für Soziales und Integration untersagten den Weiterbetrieb. Sie sprechen den neuen Investoren der „Schuldorf Lindenstein gGmbH in Gründung“ ab, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit für den Weiterbetrieb gesichert sei, und erteilten nicht die Genehmigung für Schul- und Internatbetrieb. Investoren und Eltern hatten geplant, die Schule als „Schuldorf Lindenstein“ weiterzuführen.

Nach dem Hessischen Schulgesetz widerrufen die Ministerien die bestehende Genehmigung der insolventen Odenwaldschule zum Betrieb einer sogenannten Ersatzschule. Sie lehnen eine Übertragung der Ersatzschulgenehmigung zugunsten der neuen „Schuldorf Lindenstein gGmbH i.G.“ ab. Folglich gibt es auch keine Betriebserlaubnis für das Internat.

Finanzierung nicht ausreichend belegt

Zu diesem Ergebnis kamen laut Ministerien das Staatliche Schulamt als Aufsichtsbehörde für die Schule und das Landesjugendamt als Genehmigungsbehörde für den Internatsbetrieb. Die Bescheide seien gestern der Insolvenzverwalterin der Odenwaldschule und den Anwälten von „Schuldorf Lindenstein“ zugestellt worden.

Laut Ministerien sind die vorliegenden Schülerzahlen für einen langfristigen wirtschaftlich und finanziell tragfähigen Schulbetrieb „nicht valide belegt“ und daher nicht ausreichend. Kritisch würden vor allem die nicht belegten möglichen Zuwächse und Neuanmeldungen in den nächsten beiden Schuljahren bewertet. Auch der Wirtschaftsplan überzeugte die Ministerien nicht. Die für die Finanzierung dargestellten Eigenmittel und das erforderliche Eigenkapital seien nicht belegt. Die Aufsichtsbehörden sehen die Gefahr, dass das „Schuldorf Lindenstein“ schon in einem überschaubaren Zeitraum abermals in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten könne.

Auch Landesrechnungshof eingeschaltet

An der Odenwaldschule zeigte sich, dass 15 Jahre nachdem lang zurückliegende sexuelle Übergriffe an Schülern ans Licht gekommen waren, der Ruf der Einrichtung so stark gelitten hatte, dass Geld und Schüler fehlten. Auch wenn die Strukturen in diesem Jahr grundsätzlich geändert wurden, so schickten Eltern ihre Kinder nicht mehr auf die Odenwaldschule. Geld fehlte, auch wenn Lehrer und Erzieher auf Gehalt verzichteten. Das vergangene Schuljahr konnte nur mit Spenden und Darlehen früherer Schüler sowie der Veräußerung von Liegenschaften zu Ende gebracht werden. Neue Zusagen erwiesen sich als nicht haltbar, so dass schließlich die Odenwaldschule Insolvenz anmeldete.

Die Ministerien halten sich zugute, dass sie die Unterlagen gründlich geprüft hätten. Zuletzt sei noch der Landesrechnungshof eingeschaltet worden, der als unabhängige Instanz zu der Einschätzung gekommen sei, „dass die vorgelegten Unterlagen keine ausreichenden Nachweise enthielten, die eine finanzielle Absicherung des Schulbetriebs für die Zukunft belegen können“.

Schüler auf andere Schulen verteilt

Das Kultusministerium verweist darauf, dass kein Schüler, der im vergangenen Schuljahr an der Odenwaldschule unterrichtet wurde, im neuen Schuljahr ohne Schulplatz dastehe. Das Staatliche Schulamt und das Jugendamt des Kreises Bergstraße hätten schon vor den Sommerferien Eltern und Jugendämter dabei unterstützt, alternative Schul- und Betreuungsangebote zu finden.

Laut Insolvenzverwalterin hätten zu Beginn des Schuljahres 80 Anmeldungen vorliegen müssen. Das „Schuldorf Lindenstein“ habe sich mit dem pädagogischen Konzept „an Bewährtem“ orientieren wollen. Für Schüler hätten pro Monat 2650 Euro Schulgeld entrichtet werden müssen. Die Rede war auch von Personalabbau. Jetzt nach der Entscheidung gehen die Kündigungen an die Beschäftigten raus

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Breunig, Werner (wbr)
Werner Breunig
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Landkreis Darmstadt-Dieburg.
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