Kommentar

Fatale Zahl zu Städtischen Bühnen

Von Michael Hierholzer
© Frank Röth, F.A.Z.

Die Zahl hat es in sich. Auf 900 Millionen Euro wird der Um- oder Neubau der Städtischen Bühnen Frankfurt veranschlagt. Fachleute haben der Theaterdoppelanlage bescheinigt, völlig marode zu sein, eine Sanierung, so heißt es, komme genauso teuer wie ein kompletter Abriss und die Errichtung einer neuen Spielstätte.

Dass bei der Höhe dieser Summe das politische Erregungspotential sinkt, versteht sich von selbst. Dabei birgt die Situation Chancen zur Stadtentwicklung, die Frankfurt in der Konkurrenz mit anderen europäischen Metropolregionen einen klaren Standortvorteil verschaffen könnten. Eine außergewöhnliche Architektur in der Mitte der Stadt erhöht die Attraktivität einer Großkommune ungemein, wie die Beispiele von Hamburg bis Bilbao belegen.

Ein noch nie dagewesenes Gebäude

Statt für viel Geld das Bestehende zu flicken, wäre es vermutlich besser, die Mittel in ein noch nie dagewesenes Gebäude zu stecken, das vom Selbstbewusstsein Frankfurts im 21. Jahrhundert zeugt. Es geht um das künftige Stadtbild. Und um die kulturelle Identität, für die das Theater nach wie vor eine entscheidende Rolle spielt. Frankfurt sollte nicht in seinen oft zur Schau gestellten Kleinmut verfallen.

In der öffentlichen Wahrnehmung dürften die Kosten für die bauliche Erneuerung der Städtischen Bühnen unter Ausgaben für die Kultur verbucht werden. Das wäre fatal. Ist allerdings zu befürchten. In Frankfurt droht daher der kulturpolitische Spielraum eng zu werden. Die Zahl, die nicht mehr weit von der Milliarde entfernt ist, hat das Zeug, alles, was sonst noch auf der Kulturagenda steht, zur Makulatur werden zu lassen.

Eine unvorstellbare Summe: Was man für 900 Millionen Euro noch bauen könnte.
© F.A.Z., F.A.Z.

Über das Museum der Weltkulturen wird wohl nicht einmal mehr diskutiert werden, auch die Wiedereinführung von Ankaufsetats in den städtischen Museen rückt womöglich in weite Ferne, wenn der Verweis auf die Sanierungskosten zum Totschlagargument wird. Und was ist mit dem Kinder- und Jugendtheater? Womöglich wäre es am sinnvollsten, es in den Bühnenkomplex am Willy-Brandt-Platz zu integrieren.

Die horrende Zahl, die im Umlauf ist, darf nicht dazu führen, der Frankfurter Kulturpolitik die Luft zum Atmen zu nehmen. Es geht um eine Investition in die Zukunft der Stadt und nicht um eine unangemessene Erhöhung der Kulturzuschüsse. Es müsste auch im Interesse der Politik sein, dies den Bürgern, denen ob der 900 Millionen das Hören und Sehen vergeht, zu vermitteln.

Quelle: F.A.Z.
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