Eintracht Frankfurt

Geld allein reicht nicht

Von Marc Heinrich
 - 08:18

Das ging schnell. Es hat zwei Stunden gedauert, und die 2000 Dauerkarten waren weg. Die Tickets waren von der Eintracht zusätzlich auf den Markt gebracht worden, um die Nachfrage der Kundschaft zu decken, die beständig wächst. Erst recht seit dem Pokaltriumph in Berlin. In dieser Woche wird sich ein ähnlicher Ansturm wiederholen. Die Sehnsucht der Fans nach Frankfurter Fußballfestspielen auf der internationalen Bühne ist enorm. Das versetzt den Klub in die Lage, bereits zehn Wochen vor Auslosung der Gruppenphase in der Europa League die Vergabe der begehrten Plätze im Stadion zu regeln.

Geplant ist, dass die Kundschaft in Unkenntnis der zu erwarteten Gegner alle drei Heimspiele im Block kaufen muss. Was andernorts Unmut provozieren würde, weckt im Lager des Eintracht-Anhangs Vorfreude. Es ist lange her, dass der Klub von einer ähnlichen Welle der Begeisterung getragen wurde. Der Boom lässt die Kassen klingeln. Minimum zwanzig Millionen Euro bringt der Coup gegen den FC Bayern kurzfristig ein. Perspektivisch wird sich die Summe durch wirtschaftliche Folgeeffekte noch erhöhen.

Mehr Gestaltungsmöglichkeiten, aber hohe Erwartungen

Die Einnahmen verschaffen den handelnden Personen in der Vergangenheit ersehnte Gestaltungsmöglichkeiten – erhöht zugleich aber den Erwartungsdruck. Zum dritten Mal hintereinander wird sich die Eintracht im Sommer neu erfinden müssen. Zuletzt, unter der tatkräftigen Mithilfe Niko Kovacs, liefen die großflächigen Umbauarbeiten stets so reibungslos ab, dass sich der Baumeister des Erfolgs auch damit für höhere Aufgaben empfehlen konnte – und die Eintracht ihn nach seinem Meisterstück in der Hauptstadt mit mehr als einer Träne im Knopfloch Richtung München ziehen lassen musste.

Wie es Adi Hütter, sein Nachfolger, konkret anstellen möchte, um das Niveau „weiterzuentwickeln“, wie er forsch ankündigte, ist aktuell noch nicht näher erkennbar. Mehr als Andeutungen waren dem Österreicher bei seiner Präsentation nicht zu entlocken. Gelegenheit, sein Können zu beweisen und eine Mannschaft, die seinem Vorgänger nahezu blind vertraute, mit gezielten Veränderungen so auszurichten, dass sie der kommenden Dreifachbelastung gewachsen ist, bieten sich reichlich.

Sieben Spieler in Russland

Die Abgänge von Hradecky, Wolf und Meier haben Lücken gerissen. Die aus Spanien vermeldeten Hinweise, dass Mascarell der Nächste sein könnte, der demnächst andernorts sein Glück sucht, könnten alsbald den Handlungsbedarf erhöhen. In diesem Sommer werden viele Planungen und Preiskalkulationen durch die WM beeinflusst. Die Eintracht ist bei diesem Turnier gut vertreten. Sieben ihrer Profis sind für ihre Heimatländer von diesem Donnerstag an in Russland im Einsatz – und im Fall von Rebic ist es nicht abwegig, anzunehmen, dass er dort noch mehr in den Fokus betuchter Konkurrenten gerät.

Die Frankfurter, die zuletzt durch Ausstiegsklauseln Spieler unter Marktwert ziehen lassen mussten, haben im Fall ihres Pokalhelden die Schmerzgrenze, ab wann sein Wechsel denkbar sein könnte, auf 40 Millionen Euro beziffert. Viel Geld. Doch eben das allein macht auch nicht glücklich. Beim 1. FC Köln, der vor zwölf Monaten von einer ähnlichen Aufbruchstimmung erfasst wurde, haben sie diese schmerzhafte Erfahrung hinter sich. Das sollte der Eintracht bei ihren Planspielen zu denken geben.

Quelle: F.A.Z.
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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