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„Alles über Liebe“ in Komödie

Ärztin, heile dich selbst

Von Claudia Schülke
 - 12:07

Weißer geht’s nicht. Die Praxis der Paartherapeutin Edeltraut Mayer-Wölk ist klinisch rein. Mit einer weißen Couch, einem weißen Schalensessel und einem weißen Acryltischchen, auf dem jeder Wassertropfen Flecken hinterlässt, erzählt der Bühnenbildner Mark Späth Bände über die Zwangsstörung dieser Frau. Die weißen Leinwände im Hintergrund wecken falsche Erwartungen. Nichts wird auf sie projiziert, sie leuchten gelegentlich blau und pink. Aber projiziert wird trotzdem jede Menge zwischen den beiden Patienten und ihrer Therapeutin. Anna und Carlos wollen ihre Beziehung retten, die zwischen schreienden Kindern und beruflichem Frust untergeht. Das Publikum in der Frankfurter „Komödie“ fühlt sich verstanden.

Stephan Eckels Komödie „Alles über Liebe“ ist ein Feuerwerk aus Pointen, sonst wäre es auch nicht auszuhalten vor Platituden. Regisseur Jörg Schlachter hat die Figuren passend besetzt. Die dynamische Tanja Schumann liefert den Sprengstoff mit ihren Wutausbrüchen als überforderte Hausfrau und Mutter, die lieber ein Restaurant führen würde. Giovanni Arvaneh hält als ahnungsloser Ernährer der Familie dagegen, und Renan Demirkan lässt als Psychotherapeutinnenkarikatur das explosive Gemisch in die Luft gehen. Carlos hatte ja gleich gewusst, dass sein Geld hier schlecht angelegt war. Nicht einmal ein Bier hat Frau Mayer-Wölk vorrätig. Dafür umso mehr „Einladungen“ zu sonderbaren Zweisamkeitsübungen.

Lautstarke Begeisterung des Publikums

Kaum denken die beiden zurück an den Apfelkuchen mit Calvados, über dem sie sich vor 14 Jahren kennengelernt haben, schon kommt Harmonie auf, und Carlos legt die Hand auf Annas Knie. Doch Anna ist eifersüchtig auf die Praktikantin in seinem Architektenbüro. Warum hat er ihr auch die SMS der Verliebten gezeigt? Zwischen Affen- und Vampirtänzen in der Kita kommt sie nicht mehr zur Ruhe, und dann füttert Carlos ihren Vater auch noch heimlich mit Buletten, weil ihre Mutter nur vegetarisch kocht. Sein Rülpsen kann sie ebenfalls nicht ertragen. Immer bringt er den Kindern Blödsinn bei, und sie muss es ausbaden. Denn die anderen Vorstadt-Mütter achten penibel auf den Umgang ihrer Kleinen.

Erst als Carlos ihr gesteht, dass sein Büro kurz vor der Pleite steht, entdeckt sie ihre eigene Bedeutung als Halt der Familie und damit auch ihre Liebe wieder. Jetzt macht sogar die Gastronomie Sinn. So viel Einsicht hätten die beiden auch ohne Therapeutin haben können, muss sogar diese einsehen, die ihre eigene Beziehung nicht retten konnte. Das Publikum bedankte sich mit lautstarker Begeisterung für den Sitz im Leben dieses Theaterabends.

Bis 18. März täglich außer montags von jeweils 20 Uhr an, sonntags von 18 Uhr an.

Quelle: F.A.Z.
Claudia Schülke
Feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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