Krimi-Show „Hessen zuerst!“

Bröhmann ermittelt wieder

Von Christian Riethmüller
 - 18:30

Er kann es nicht lassen: Obwohl Henning Bröhmann nie mit Leib und Seele Polizist war und daher auch den Dienst quittierte, gerät der Ex-Kommissar ausgerechnet beim Wandern im Vogelsberg in eine bedrohliche Geschichte, in der zudem sein Vermieter Rüdi eine mysteriöse Rolle spielt. Der engagiert sich nämlich in einer neuen Protestpartei, die den Namen „Hessen zuerst!“ trägt und möglicherweise Böses gegen das Flüchtlingsheim im Ort im Schilde führt. Als dann tatsächlich Blut fließt, wird der Schnüffler in Bröhmann geweckt. Der steht aber erst einmal vor einem großen Rätsel, bei dessen Lösung ihm seine privaten Verpflichtungen als kleine Zwillinge hütender Hausmann und Mitglied einer skurrilen Country-Band immer wieder im Weg stehen.

Mit der Krimikomödie „Hessen zuerst!“ schickt der in Gießen lebende Autor und Kabarettist Dietrich Faber seinen Antihelden Henning Bröhmann bereits zum fünften Mal auf Spurensuche in Vogelsberg und Wetterau. Dabei hatte Faber weder an einen Regionalkrimi noch gar an eine Reihe gedacht, als er vor sieben Jahren anfing, eine Geschichte um die Figur Bröhmann zu entwickeln. „Ich suchte eine Herausforderung, wollte mich ausprobieren und mal etwas anderes als Kabaretttexte oder Kolumnen schreiben“, sagt Faber, der seit 1996 hauptberuflich als Kabarettist arbeitet und viele Jahre gemeinsam mit Martin Guth das bekannte Duo „FaberhaftGuth“ bildete: „Ich hatte ja noch gar keinen Verlag und war daher frei, die mit ihrem Beruf hadernde Figur zu entwickeln.“

„Fünf oder sechs Angebote von großen Verlagen“

Als Faber sein Manuskript vollendet hatte und sein Glück bei drei Literaturagenten versuchte, die ihm von einer Freundin empfohlen worden waren, ging es allerdings rasant voran: „Zwei der Agenten sagten sofort zu, den Text vermitteln zu wollen und innerhalb einer Woche hatte ich fünf oder sechs Angebote von großen Verlagen“, erinnert sich Faber im Gespräch mit dieser Zeitung an seine Anfänge als Krimiautor: „Da war gewiss viel Glück dabei, im richtigen Moment anzufragen. Regionalkrimis waren gefragt und ich ja zumindest regional auch schon bekannt. Das passte.“ Faber entschied sich für das Angebot des Rowohlt-Verlags, der den im Jahr 2011 veröffentlichten Debüt-Krimi „Toter geht’s nicht“ gleich als Toptitel vermarktete. Faber schaffte es damit gleich in die Bestseller-Listen, was ihm auch mit den Nachfolgetiteln „Der Tod macht Schule“ (2012), „Tote Hunde beißen nicht“ (2014) und „Schneller, weiter, toter“ (2015) gelang, in denen er um Bröhmann ein amüsantes Figurentheater entwickelt hat. Das besteht aus zahlreichen Familienmitgliedern des Ex-Kommissars, aus früheren Kollegen und grotesken Bekanntschaften wie dem auf Hessisch singenden und grundsätzlich verdrehte Phrasen dreschenden Country-Barden Manni, über die sich herzlich lachen lässt, die Faber aber gleichwohl so ernst nimmt, dass sie mit ihren Fehlern und Schwächen stellvertretend für unser eigen „täglich Schaff“ stehen können.

Immer eine Pointe auf Lager

Gleichwohl lässt der 47 Jahre alte Autor dem Kabarettisten in sich gern die lange Leine und nimmt statt des direkten Wegs die Wendung, weil so noch eine Pointe mitzunehmen ist. „Auch wenn der Krimi das Ganze zusammenhalten muss, machen mir die Nebengeschichten sehr viel Spaß“, gesteht Faber, der den Nebenfiguren auch in seinen Shows einigen Raum gewährt. Neben der klassischen Lesung präsentiert Faber seine Bücher auch in der kabarettistisch-musikalischen „Show zum Buch“. Dabei erzählt er von der Handlung, spricht mit unterschiedlichen Stimmen die verschiedenen Figuren, singt in der Rolle des Manni einige hessische Country-Songs und spielt Gitarre, Geige und Mandoline. Begleitet wird Faber dabei von drei befreundeten Musikern, zu denen bisweilen auch die amerikanische Sängerin Tess Wiley gehört. „The Overhesse“ nennt sich die Formation, die nebenbei beweist, dass es in der oberhessischen Provinz nicht nur kriminell, sondern auch lustig zugeht.

Dietrich Faber tritt morgen von 20 Uhr an in der KÄS in Frankfurt, am 22. November im Theater Alte Mühle in Bad Vilbel und am 25. November in der Konzerthalle Bad Orb auf.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Riethmüller Christian
Christian Riethmüller
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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