„Kapriolen mit Juliette“

Quasselstrippe trifft Sugardaddy

Von Claudia Schülke
 - 06:59

Wer in der Pause gegangen war, hatte etwas versäumt. Doch bis dahin war einfach nicht abzusehen, dass diese Dialog-Komödie zwischen einer nervtötenden Quasselstrippe und ihrem potentiellen Sugardaddy noch eine so krasse und auch sympathische Wendung nehmen könnte. Der britische Autor Eddie Cornwell hatte mit seinem Psychokrimi „Das Verhör“ einen verdienten Erfolg im Fritz Rémond Theater geerntet. Seine neue Komödie „Kapriolen mit Juliette“, die dort jetzt uraufgeführt wird, kann daran nicht anschließen. Die plumpen Avancen, die hier eine nicht mehr ganz junge Frau einem in die Jahre gekommenen Unternehmer und gelangweilten Ehemann macht, können das Stück nicht tragen. Auch nicht in der Regie des sonst so bewährten Michael Wedekind.

George und Juliette haben sich erst am Abend zuvor kennengelernt, und schon spaziert die korpulente Dame im lachsroten Wickelkleid hinein ins blau leuchtende Appartement, das sie für ein Lustnest hält. Sie wirft sich in Pose, trumpft verbal auf und genehmigt sich einen Whisky nach dem anderen. George ist überrascht von dem erotischen Furor seines Gastes. So hatte er das mit seiner Einladung doch gar nicht gemeint. Aber Juliette kennt offenbar die Vorzüge betuchter Senioren. Allerdings beißt sie bei George auf Granit. Bis sie sein Vertrauen in seine Ehefrau untergräbt, indem sie sich als Lockvogel einer Privatdetektivin outet. Da scheint die Stimmung zu kippen. Doch George kehrt den Spieß um und konfrontiert Juliette mit unbekannten Tatsachen – sie kann es nicht fassen.

Karlheinz Lemken und seine Tochter Julia Dahmen stehen wieder einmal als Schauspieler-Duo auf der Bühne: er überzeugend in der Bredouille als ungeübter Schwerenöter, der seine liebe Not mit dieser aufdringlichen Person hat, sie als Pussycat mit dem einschlägigen Handtäschchen und dem vorlauten Mundwerk. Was Julia Dahmen hier auffährt und aufführt, ist jenseits des Erträglichen: outrierend, plakativ und schablonenhaft. Das mag bei den Soaps im Fernsehen hingehen, passt aber nicht in ein Theater, das seinen Ruf Charakterschauspielern verdankt. Ein enttäuschender Abgesang zum Ende dieser Spielzeit.

Quelle: F.A.Z.
Claudia Schülke
Feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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