Fotografie-Triennale „Ray“

Körper, Landschaft, keine Selfies

Von Michael Hierholzer
 - 20:15

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Kann sein. Muss aber nicht. Es kann einen auch völlig irritieren. Keine Aussage erkennen und den Betrachter im Unklaren lassen. Keine Botschaft haben. Oder statt etwas zu dokumentieren dreist lügen. Mitunter jedoch ist es in der Lage, Menschen wachzurütteln. Sie mit etwas zu konfrontieren, das sie berührt, bewegt, nicht mehr loslässt. Die Fotokunst zeigt auch eine Wahrheit, die im Mainstream der Bilder verschleiert wird: Menschen, wie sie tatsächlich aussehen, mit Körpern, die keinem Schönheitsideal entsprechen und dem Jugendwahn trotzen, Landschaften, die womöglich harmonisch wirken, tatsächlich aber das Ergebnis menschlicher Eingriffe sind, bei denen ganze Siedlungen verschwinden.

Unter anderem darum geht es bei der dritten Ausgabe von „Ray“, der Fotografie-Triennale in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet. Dieses Jahr ist ihr Titel „Extreme“. Am Mittwoch, dem 23. Mai, wird um 18 Uhr das Festival im Frankfurter Museum für Moderne Kunst eröffnet.

Fotokünstlerische Positionen

Vom 24. bis 27. Mai avanciert das MMK 3, die Dependance des Museums gegenüber dem Hauptgebäude, jeweils von 10 bis 22 Uhr zum Schauplatz der Auseinandersetzung mit fotokünstlerischen Positionen. Eine Reihe von Ausstellungen wird in diesem Zeitraum eröffnet, insgesamt werden an zehn Ausstellungsorten mehr als 40 Künstler vorgestellt. Fünf Kuratoren haben sich zusammengetan, um eine große Bandbreite an fotografischen Ausdrucksmöglichkeiten zu präsentieren: Anne-Marie Beckmann von der Deutsche Börse Photography Foundation, Peter Gorschlüter vom MMK, Alexandra Lechner von den Darmstädter Tagen der Fotografie, Celina Lunsford vom Fotografie Forum Frankfurt und Matthias Wagner K vom Museum Angewandte Kunst. Die von ihnen vertretenen Institutionen bieten jeweils eine Schau zum Leitthema. Hinzukommen Partnerorganisationen, die sich „Ray“ mit Ausstellungen angeschlossen haben: der Frankfurter Kunstverein, der Nassausische Kunstverein Wiesbaden, die DZ Bank Kunstsammlung, die Rüsselsheimer Opelvillen und die Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie.

Die Hauptausstellungen sind vom 24. Mai bis zum 9. September zu sehen. In Darmstadt geht es in der Schau „Extreme. Self“ um die Wahrnehmung des eigenen Ich in Zeiten des Selfie-Wahns (Darmstädter Tage der Fotografie und Kunstforum der TU Darmstadt, Hochschulstraße 1, Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr). Das Fotografie Forum Frankfurt (Braubachstraße 30–32, Öffnungszeiten Dienstag und Donnerstag bis Sonntag 10 bis 18, Mittwoch bis 20 Uhr) widmet sich dem ökologischen Wandel: „Extreme. Environments“.

Das Frankfurter Museum Angewandte Kunst (Schaumainkai 17, Öffnungszeiten Dienstag und Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18, Mittwoch bis 20 Uhr) setzt sich mit Körper und Identität auseinander: „Extreme. Bodies“. Das Museum für Moderne Kunst Frankfurt (Domstraße 10, Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18, Mittwoch bis 20 Uhr) nimmt mit Werken von Cao Fei, Richard Mosse und Paulo Nazareth zeitgenössische Formen nomadischer Existenz in den Blick. Die Deutsche Börse Photography Foundation zeigt in „The Cube“ (Mergenthalerallee 61, Eschborn) die Ausstellung „Extreme. Territories“. Sie kann im Rahmen von Führungen nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. Dies kann unter der Internetadresse www.deutscheboersephotographyfoundation.org geschehen.

Eine umfangreiche Beilage zur „Ray“-Triennale finden Sie in der Ausgabe der Rhein-Main-Zeitung der F.A.Z. von Mittwoch, 23. Mai, im E-Paper und in FAZ plus, unserer digitalen Ausgabe.

Quelle: F.A.Z.
Michael Hierholzer
Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.
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