Kultur
Stoffel-Festival

Öfter mal ausgestöpselt

Von Christian Riethmüller, Frankfurt
© Stefanie Silber, F.A.Z.

In einer Woche ist es soweit: Dann lockt vom 14. Juli bis zum 12. August mit dem Stoffel eine von Frankfurts beliebtesten Freiluftveranstaltungen wieder vier Wochen lang in den Günthersburgpark. Doch die Vorfreude auf das zum 14. Mal vom Stalburg-Theater organisierte Festival mit Konzerten, Lesungen und Kinderprogramm ist ausgerechnet bei den Veranstaltern etwas getrübt. „Die Finanzierung steht auf wackeligen Beinen“, sagt Petra Gismann, Geschäftsführerin des Theaters und Organisatorin des „Stalburg Theater Offen Luft“, wie Stoffel mit vollem Namen heißt. „Wir laufen Gefahr, ein fettes Minus einzufahren“, warnen Gismann und ihre Kollegen Michael Herl und Herbert Huber.

Grund der Sorge ist eine bedeutsame Veränderung bei der Programmgestaltung. Hatte das Festival bereits in den vergangenen Jahren wegen Beschwerden einiger weniger Anwohner einen sogenannten stillen Montag eingeführt, an dem Mikrofone und Lautsprecher ausgeschaltet blieben, erforderte die Klagedrohung einer einzelnen Anwohnerin nun grundsätzliche Entscheidungen. Um sich der Gefahr erst gar nicht auszusetzen, von einem Verwaltungsgericht im laufenden Betrieb die Fortsetzung des Festivals untersagt zu bekommen, haben die Stoffel-Organisatoren in enger Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt der Stadt einen gangbaren Weg im Dschungel der Verordnungen gefunden. Als problematisch hätte sich nämlich nicht etwa die Lautstärke bei einzelnen Veranstaltungen, sondern die Dauer des Festivals erweisen können.

Brettspiele, Kampfkunst, Yoga

Vier Wochen elektrisch verstärktes Bühnenprogramm würden im Streitfall wohl nicht genehmigt werden. 18 Tage verstärktes Programm an einem Ort sind laut der Verordnungen aber erlaubt, die Stoffel in diesem Jahr auch beanspruchen darf. Für die übrigen Tage haben die Organisatoren die neue Reihe „Stoffel ausgestöpselt“ ersonnen. Das Festival verkürzen wollten sie nicht, auch, um nicht bei ungünstiger Wetterlage ein Gutteil der Veranstaltungen verregnet zu bekommen. Stattdessen gibt es an den „ausgestöpselten“ Tagen – Montage und Dienstage sowie die Wochenenden 22./23. Juli und 5./6. August – Angebote, bei denen es geräuscharmer zugehen soll.

An einigen der Abende singen Chöre, an anderen gibt es die Möglichkeit, Brettspiele auszuleihen. Am Samstag, 22. Juli, lädt die Phönix-Akademie für Kampfkunst und Heilkünste zu gemeinsamen Übungen ein, tags darauf fordern verschiedene Yoga-Lehrer zur kollektiven Bewegung im Park auf. Am 5. August präsentieren sich Frankfurter Selbsthilfegruppen, und einen Tag später macht Stoffel Kunst: Bildende Künstler zeigen ihre Werke, und Christine Fiebig lädt in ein offenes Atelier. An all diesen Tagen offeriert das Stoffel-Team Speisen und Getränke und hofft auch auf Spenden in den roten Eimern, in die sonst an den Veranstaltungstagen vom Publikum freiwillige Eintrittsgelder gegeben werden.

Ticketverkäufe und Selbstausbeutung

Obwohl Stoffel trotz der Veränderung des Programms auf seine übliche Länge kommt, fürchten Gismann, Herl und Huber Einbußen von bis zu vierzig Prozent. „Das ist der Prozentsatz, um den wir weniger Veranstaltungen haben“, sagt Herl. Das Programm, das sich unter der Adresse www.stalburg.de im Internet findet, bietet mit Auftritten von Musikern wie Hugo Race, Markus Rill, Tarq Bowen, Jacky Bastek und Max Clouth zwar wieder reichlich Klasse, doch ob sie die Besuchermassen in den Park locken, lässt sich nicht vorhersagen. Geringere Besucherzahlen werden aber Auswirkungen auf das Stalburg-Theater haben, dessen Betrieb durch die Stoffel-Einnahmen zu einem nicht geringen Teil gesichert wird.

Zwar gibt die Stadt in diesem Jahr nach Angaben von Petra Gismann 40.000 Euro zum Festival dazu, doch die finanziellen Sorgen der Theaterleitung sind damit nicht kleiner geworden. Wie Michael Herl sagt, brauchte ein Haus von der Größe des Stalburg-Theaters eine öffentliche Förderquote von 33 Prozent, tatsächlich betrage die Subvention aber nur fünf bis acht Prozent der jährlichen Gesamtkosten von etwa einer Million Euro. Den Rest muss das Haus über Ticketverkäufe und eine gewisse Selbstausbeutung der Mitarbeiter finanzieren. Und eben auch über ein beliebtes Sommerfestival, das diesmal auf besonders viele Besucher in Spendierhosen hofft, um nicht ganz ausgestöpselt zu werden.

Quelle: F.A.Z.
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