Weilburger Schlosskonzerte

Muße an der Lahn

Von Guido Holze
 - 06:12

Der Blick fällt ziemlich steil hinunter ins Lahntal. Und doch stimmt er ruhig und entspannt. Wer vom barocken Weilburger Schlosshof aus über die prächtige Balustrade hinabblickt, sieht nämlich, wie der Fluss an dieser Stelle breit und flach über eine kleine Rampe schäumt und sich dann doch sanft um das Schloss herumbiegt. Dazu passt ein kühler trockener Weißwein.

Natürlich geht es hier nicht um Empfehlungen im Kochbuch- oder Reiseführer-Stil. Doch sollten Konzertbesucher, die zu den Weilburger Schlosskonzerten kommen, sich etwas Zeit nehmen, um diese Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Der weiße Kies im Schlosshof knirscht am angenehmsten, wenn er nicht im Eiltempo beschritten wird. Die drei mächtigen Blutbuchen im Schlosshof mögen gedanklich zur Entschleunigung beitragen: Wie wenig ist im Anblick dieser 200 Jahren alten Naturdenkmäler eine halbe Stunde Muße vor dem Konzert?

Kleinere Schwester des Rheingau Musik Festivals

Seit 1973 gibt es die Weilburger Schlosskonzerte schon, und damit treten sie in diesem Jahr von morgen an bis zum 11. August in ihre 46. Saison. Sie sind also die ältere und doch kleinere Schwester des 1988 gegründeten Rheingau Musik Festivals, das zur Sommerzeit mit nun meist etwa 150 Konzerten die Musikfreunde in einen vom Kerngebiet aus nicht weniger fernen Teil der Region lockt.

In der 46. Saison sind bei den Weilburger Schlosskonzerten 46 Veranstaltungen zu zählen. Mit 28 Konzerten ist der Großteil davon der klassischen Musik gewidmet, während die anderen Konzerte Jazz, gehobene Folk-Musik, Klezmer oder Spanisches, Chansons, Kabarettistisches und Gemischtes bieten. Verteilt sind die Veranstaltungen stets auf die Wochenenden von Freitag bis Sonntag. Etwa 30 000 Besucher zieht es so inzwischen jedes Jahr nach Weilburg.

„Schönwetterkarten“ oft noch kurzfristig zu bekommen

Für die größeren Orchesterkonzerte steht der dafür akustisch erstaunlich geeignete, eher wie ein geschlossener Saal klingende Renaissancehof zur Verfügung, wo bei voller Bestuhlung 1500 Zuhörer Platz finden. Als Ausweichspielstätte bei schlechtem Wetter dient die 400 Besucher weniger fassende Schlosskirche, so dass oft „Schönwetterkarten“ noch kurzfristig zu bekommen sind – eine Spezialität der Weilburger Schlosskonzerte. Intendant ist der klassisch ausgebildete Sänger Stephan Schreckenberger, der diese Funktion 2011 von Karl Rarichs übernommen hat, der wiederum das Festival zuvor 30 Jahre lang geprägt und zu einer Auslastungsquote von etwa 90 Prozent geführt hat.

Schreckenberger hat das Festival insgesamt mit einem größeren nichtklassischen Anteil noch populärer ausgerichtet und legt, nach eigenem Bekunden, viel Wert auf die Förderung junger hochbegabter Musiker. Besonders stolz ist er in diesem Jahr auf eine neue Kooperation mit der Anne-Sophie Mutter Stiftung, die sich vor allem um talentierte Streicher kümmert. Ein aus Stipendiaten der Stiftung bestehendes Streichquartett ist am 15. Juli in der Unteren Orangerie zu hören.

Erstmals Chöre aus Weilburg und der Region

Das Eröffnungskonzert bestreitet die Staatskapelle Weimar in der Schlosskirche unter der Leitung des aus der Ukraine stammenden Weimarer Generalmusikdirektors Kirill Karabits. Vor Mendelssohns Sinfonie Nr. 4 A-Dur, der „Italienischen“, erklingt Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 61 mit dem Solisten Linus Roth. Erstmals sind zu den Schlosskonzerten Chöre aus Weilburg und der Region eingeladen, um am Sonntag mit „Chorgesang nonstop“ aufzuwarten.

Besonders hochkarätige Frankfurter Gewächse sind am übernächsten Wochenende zu Gast: der Pianist Martin Stadtfeld im Duo mit dem Cellisten Benedict Kloeckner am 23. Juni und das Aris-Quartett am 24. Juni. Ein selten zu hörendes Werk präsentiert die Staatskapelle Halle am 29. Juni: die Sinfonie Nr. 1 e-Moll op. 1 von Nikolai Rimski-Korsakow. Vorab erklingt mit dem Solisten Bernd Glemser das Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30 von Rachmaninow. Zu den Klassikern im Programm zählt inzwischen das Barockfest der Frankfurter Musikhochschule, das am 15. Juli teils simultan 60 Konzerte und zugleich eine gute Gelegenheit bietet, alle Spielorte der Schlossanlage kennenzulernen.

WEILBURGER SCHLOSSKONZERTE

8. Juni bis 11. August, Programm unter www.weilburger-schlosskonzerte.de

Quelle: F.A.Z.
Guido Holze
Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.
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