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Leichtathletin Salman-Rath

Der Reiz von Doha und Tokio

Von Katja Sturm
 - 07:09

Der mentale Druck war hoch gewesen. Gemerkt hat Claudia Salman-Rath das erst, als er von ihr abgefallen war. Das war der Moment, in dem sich die Siebenkämpferin der LG Eintracht Frankfurt dazu entschlossen hatte, das Rennen gegen die Zeit für dieses Jahr zu beenden und sich in aller Ruhe auf die Weltmeisterschaften 2019 in Doha und die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorzubereiten. Das letzte noch fehlende Puzzlestück in ihrer Karriere, den Auftritt bei einem internationalen Großereignis vor heimischem Publikum, gab sie damit verloren geben. Doch noch wichtiger als die Teilnahme an der Leichtathletik-Europameisterschaft in diesem Sommer in Berlin ist der 31-Jährigen ihre Gesundheit.

Bereits die vergangene Saison war ein Balanceakt gewesen. Kurz vor den Weltmeisterschaften in London hatte die Dritte der Hallen-EM im Weitsprung so starke Schmerzen im Knie verspürt, dass sie um den geplanten Doppelstart im Mehrkampf und der Einzeldisziplin zittern musste. Zwar bekam sie die Beschwerden noch rechtzeitig in den Griff; eine Arthroskopie war danach jedoch unumgänglich, um den aus den hohen Belastungen der Vergangenheit resultierenden Knorpelschaden zu beheben. Der Wiedereinstieg war vielversprechend. Doch nach der Rückkehr von einem Trainingslager auf Teneriffa fühlte sich das Knie im Winter steif an. Bei einer Kontrolluntersuchung wurde ein kleines Ödem in der Patella nachgewiesen. Die Athletin hätte dennoch ihre Pläne weiterverfolgen, sich mit „Alternativtraining“ behelfen können. Doch die Ärzte rieten der Sportlerin, lieber auf ihren Körper zu hören und diesem Ruhe zu geben.

Jüngste Entwicklungen lassen zweifeln

Zudem will die WM-Vierte von 2013 nicht noch einmal Momente erleben wie bei den kontinentalen Titelkämpfen vor vier Jahren in Zürich, als sie sich als Achte selbst enttäuschte. Wenn sie antrete, betont Salman-Rath, dann wolle sie konkurrenzfähig sein. Dass das im August möglich sein könnte, daran ließen die jüngsten Entwicklungen sie zweifeln.

So entschied sie sich schweren Herzens für den Neustart. Am Dienstag ließ sie bei einem Spezialisten in Hannover den Knorpel glätten – ein Eingriff, der ansonsten nach der Saison notwendig geworden wäre. Nach einer kurzen Erholungszeit im Elternhaus will sie dann bald per allgemeinem Fitness- und viel Wassertraining sowie präzise gesteuerten Krafteinheiten am sogenannten Isomed beim Olympiastützpunkt in Frankfurt ihre Form für 2019 langfristig aufbauen.

„Zusammen in ein normales Leben starten“

Dass die Qualifikation für die Großereignisse dann ungleich schwerer werden könnte, darüber versucht die im April ihren 32. Geburtstag feiernde Athletin sich nicht allzu viele Gedanken zu machen. „Ich will nicht einfach von der Bildfläche verschwinden“, beteuert Salman-Rath. Sie wolle selbst bestimmen, wann sie sich von der sportlichen Bühne verabschiedet. Am liebsten wäre ihr das 2020. Dann beendet ihr Mann sein Promotionsstudium, und „wir könnten zusammen in ein normales Leben starten“. Wobei die Sportsoldatin dann erst einmal ihren Abschluss in sozialer Arbeit machen müsste, der sich dadurch verzögert hat, dass sie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) dazu zwang, ihren Trainingsortes nach Saarbrücken zu verlegen. Dadurch musste sie ihr Präsenzstudium in Wiesbaden unterbrechen. Jetzt kann sie in den nächsten Monaten ihr Studium wieder vorantreiben. Der DLV erlaubt, die sportliche Basisarbeit im Rhein-Main-Gebiet zu absolvieren.

Der Traum von einer zweiten Olympiateilnahme lebt weiter. Dabei hatte Salman-Rath vor zwei Jahren geplant, ihre Karriere nach den Spielen von Rio de Janeiro zu beenden. Doch da der Olympiastart nach einer von Verletzungen geprägter Vorbereitung mit Rang 14 im Siebenkampf nicht wie gewünscht verlief, wurde ihr Ehrgeiz noch einmal geweckt. Zudem reizt sie Tokio als Olympiastandort ganz besonders.

Das vergangene Jahr mit dem ersten internationalen Podestplatz in der Wintersaison, dem nationalen Meistertitel im Weitsprung, dem Doppelstart bei der WM sowie mehreren neuen Bestleistungen, darunter 6580 Punkte im Siebenkampf, bestätigten sie darin, sich noch nicht zur Ruhe zu setzen. „Ich will auf jeden Fall noch mal angreifen“, sagt sie, obwohl sie weiß, dass eine schwere Zeit vor ihr liegt. Am liebsten würde sie sich noch einmal im Siebenkampf an einer Bestleistung versuchen, für den „noch immer mein Herz schlägt“. Sollte der Körper das nicht mehr mitmachen, gerne auch im Weitsprung – wobei die Konkurrenz dort größer sei. Befreit von der Last des Zeitdrucks glaubt Claudia Salman-Rath aber auch in Zukunft noch an große Sprünge.

Quelle: F.A.Z.
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