Neuer Trauerhain in Frankfurt

Letzte Ruhe unter den Linden

Von Mechthild Harting
 - 23:37

Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) will dafür sorgen, dass sich die Stadt stärker als bisher auf neue, zeitgemäße und preiswerte Formen der Bestattung einstellt. Als Verantwortliche für die Friedhöfe lässt sie nun auch auf dem Parkfriedhof Heiligenstock einen Trauerhain anlegen. 180 Grabstätten werden unter vor rund zehn Jahren gepflanzten Birken, Linden, Kastanien und Ahornbäumen angeboten. Unter jedem Baum sind bis zu vier Grabstellen möglich, in jeder einzelnen können bis zu sechs Urnen beigesetzt werden, so dass etwa ein Familiengrab entstehen könnte.

„Wir haben eine sehr große Nachfrage nach Bestattungen unter Bäumen“, sagt Heilig. Bisher gibt es nur auf dem Friedhof in Westhausen zwei Trauerhaine. Ein weiterer waldähnlicher Hain soll im nächsten Jahr am Waldfriedhof in Oberrad entstehen.

Preisvorteil für Friedwälder

Heilig reagiert mit diesen Angeboten auf die starke Konkurrenz, die die Friedwälder für die städtischen Friedhöfe darstellen. Die Friedwälder liegen nicht nur mitten in Wäldern, sie sind mit rund 800 Euro je Grabstätte auch viel preiswerter als ein Angebot auf einem Frankfurter Friedhof. Auch der Trauerhain auf dem Parkfriedhof kann da kaum mithalten: Bestattungskosten und Grabgebühr betragen 1800 Euro. Dafür würden aber auch eine Trauerhalle, Toiletten und die Anbindung des Friedhofs an den Nahverkehr angeboten, heißt es. Jede Grabstätte erhält eine Platte mit dem Namen des Toten, die Pflege der Rasenflächen übernimmt die Stadt.

Die städtischen Friedhöfe sind in die Diskussion geraten, weil Heilig zum 1. Januar die Friedhofsgebühren um durchschnittlich 25 Prozent anheben will. Im Umweltausschuss des Stadtparlaments hatte der SPD-Politiker Eugen Emmerling kritisiert, die neue Satzung strahle eine „gewisse Hilflosigkeit“ aus. Schließlich wählten viele Menschen aus Kostengründen die Urnenbeisetzung im Friedwald. Dieser Entwicklung mit einer Gebührenerhöhung zu begegnen sei „schlicht phantasielos“.

SPD: Steuern für Gräber aufwenden

Notwendig sei stattdessen ein „mutiges Konzept für die Zukunft“; dazu könne gehören, dass die Hälfte der Friedhofskosten aus Steuermitteln gezahlt werde. So müssten nicht die Gebührenzahler durch Bestattungen und Gräberkauf die Hauptlast tragen. Derzeit wird ein Drittel der Kosten aus dem allgemeinen Etat finanziert.

Quelle: F.A.Z.
Mechthild Harting - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Mechthild Harting
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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