„Pippi Langstrumpf“

Zwei mal drei macht vier

Von Eva-Maria Magel
 - 10:07

Man muss auch souverän verlieren können. Wie Kapitän Langstrumpf, der gerne zugibt, dass seine „kleine Pippi“ von nun an stärker ist als er, der stolze Vater. Aber auch der Lehrer und Frau Settergren, sogar die Prusselise vom Jugendamt und die Diebe Blom und Donner-Karlsson gestehen nach und nach ihre Unterlegenheit ein. Wie könnten sie auch siegen – sie haben es mit Pippi Langstrumpf zu tun!

Es ist eine wundervoll laut lachende, sportive Pippi, mit der man es in diesem Sommer zu tun bekommt. Dass der berühmte von ihr erfundene „Spunk“, den sie als Aufnäher hinten an der Karoweste trägt, ein S missen lässt, ist ein Hinweis: In dieser Lebenskünstlerin ist ein Punk versteckt, eine Anarchistin in jedem Fall. Diese Pippi trägt weder Ringelsocken noch lange schwarze Schuhe, Zöpfe aber wohl. Die richtet sich Laura Bleimund als Pippi immer mal wieder gen Himmel, während sie die Wasserburg rockt.

Theaterspaß, der nicht nur Kindern gefällt

Bei den Burgfestspielen Bad Vilbel setzt man auf die klassischen Stoffe der Kinderliteratur – nach „Ronja Räubertochter“, auch von Astrid Lindgren, hat sich Regisseurin Kirsten Uttendorf diesmal die sicher berühmteste Lindgren-Figur vorgenommen. Das dürfte nicht nur zur Premiere für eine vollbesetzte Wasserburg sorgen – denn Uttendorf ist ein Theaterspaß gelungen, der nicht nur Kindern gefällt.

Sie macht nicht den Fehler, das Buch und seine Hauptfigur, geschweige denn den Filmklassiker aus dem Jahr 1969 kopieren zu wollen. Nicht nur in Kleidung und Bühnenbild mit seiner neongelben Bretter-Villa Kunterbunt (Claus Stump) ist diese Pippi modern: Ohne auf Lindgrens Sprache und auch auf die Film-Melodien zu verzichten, die teilweise live gespielt werden, gelingen der Vilbeler Inszenierung Bilder, die geschickt die Beschränkungen der Bühne in Theatertrümpfe umwandeln – sogar das Publikum ist als Darsteller gefragt.

Die Produktion (Dramaturgie Ruth Schröfel ) hat, was schwer genug ist, aus dem ersten Pippi-Band eine eigene Fassung geschaffen, vom Einzug Pippis in die Villa Kunterbunt bis zu jenem Moment, an dem sie Abschied nehmen soll. Obwohl in der Mitte einzelne Episoden sehr geschickt als Nummern-Gags nur angedeutet werden, ist es mit guten zwei Stunden ein langes Kinderstück geworden. Das aber ist höchst kurzweilig, mit witzigen Einfällen, ein wenig Nostalgie hier, Anspielungen auf heutige Verhältnisse da und auch einer Ebene der leisen Traurigkeit, wenn es um Pippis verlorene Eltern geht.

Weitere Vorstellungen von 14. Mai an, zu Morgen- und Nachmittagsterminen, bis zum 1. September.

Quelle: F.A.Z.
Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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