Mordfall Irina A.

Prozess um „Sex-Mob“-Lüge wird zurückgestellt

Von Katharina Iskandar
 - 14:18

Der wegen Mordes beschuldigte Frankfurter Gastronom, Jan M., muss sich vorerst nicht wegen Vortäuschens einer Straftat vor Gericht verantworten. Wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft gestern mitteilte, ruht dieses Verfahren zunächst. Grund dafür ist, dass Jan M. eine Anklage wegen einer gravierenderen Straftat droht. Wie berichtet, soll der Gastronom die Frankfurter Geschäftsfrau Irina A. im Niddapark getötet haben. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte gestern, es bestehe noch immer dringender Tatverdacht gegen den Beschuldigten. Die bisherigen Ermittlungen, die noch immer in alle Richtungen liefen, hätte keine entlastenden Indizien erbracht, die gegen Jan M. als Täter sprächen.

Die Vortäuschung einer Straftat hängt, wie berichtet, unmittelbar mit der sogenannten „Sex-Mob“-Lüge zusammen, die im Februar 2017 bundesweit Schlagzeilen machte. Jan M. hatte damals gemeinsam mit Irina A. behauptet, eine Gruppe Nordafrikaner sei durch ihre Kneipe auf der Frankfurter Freßgass' gezogen und hätten Frauen sexuell belästigt. Diese Geschichte erwies sich später als Lüge, da sich Irina A. in der Silvesternacht gar nicht in Frankfurt aufgehalten hatte. Im November vergangenen Jahres wurde gegen Jan M. und Irina A. Anklage erhoben. Sie hätten sich beide am 8. Juni vor dem Frankfurter Amtsgericht verantworten müssen.

Die „Sex-Mob“-Lüge ist offenbar ein Teil des Motivs, das zum Tod von Irina A. geführt haben könnte. Aus ihrem Umfeld war zu hören, durch die erfundene Geschichte habe sich Jan M. „eine Art PR“ für seine Bar an der Freßgass gewünscht, an der Irina A. als stille Teilhaberin beteiligt gewesen war. Da das Lokal aber immer schlechter lief, sei es dann zu finanziellen Streitigkeiten zwischen den beiden gekommen.

Jan M. soll Irina A. nicht ausgezahlt haben, als er die Bar Ende 2017 verkaufte. Allerdings ist unklar, ob auch dies das alleinige Motiv für die Tat gewesen ist. Denn dem Vernehmen nach war Irina A. auf das Geld nicht angewiesen. Sie habe aus Immobilien- und anderweitigen Geschäften sowie vom Wohlstand ihrer Familie gelebt.

Quelle: FAZ.NET
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