Kommentar zu Bahn-Plänen

Bürgernah und zielorientiert

Von Luise Glaser-Lotz
 - 18:03

„Wenn du es eilig hast, geh langsam.“ Dieser Empfehlung des chinesischen Philosophen Konfuzius ist die Deutsche Bahn bei ihrer Planung für die Ausbaustrecke von Gelnhausen nach Fulda gefolgt. Um eine Variante zu finden, die Mensch und Natur so wenig belastet wie möglich, hat man sich viel Zeit genommen.

Das ist gut so, aber die Zeit allein kann es nicht richten. Das haben die Jahre zwischen 1990 und 2002 gezeigt, als nach der Wiedervereinigung die Notwendigkeit eines Ausbaus einer der wichtigsten Bahnverbindungen Deutschlands immer dringender wurde. Die beiden Gleise reichten schon damals nicht mehr aus. Doch nach langwierigen Diskussionen wurden die Vorarbeiten 2002 einfach eingestellt. Zu schwierig und konfliktreich erschien damals die Verwirklichung. Der Engpass blieb.

Neues Verfahren, neue Suche

Dann kam das Frühjahr 2014: Auf Initiative des hessischen Verkehrsministeriums wurde das Großprojekt wieder in Gang gesetzt. Die Planungen für den ersten Abschnitt zwischen Hanau und Gelnhausen, wo die neuen Gleise relativ unproblematisch entlang der Bestandsstrecke geführt werden können, trennte man von dem weitaus schwierigeren Teil hinter Gelnhausen. Dafür begann man sowohl mit einem neuen Verfahren als auch mit einer neuen Suche nach der optimalen Trasse.

Es war ein kluger Schritt von Bahn und Ministerium, die Bürger und ihre Vertretungen über ein Dialogforum von Anfang an einzubeziehen. Mit großem Engagement und Fleiß begleiteten das Gremium und seine Arbeitsgruppen den akribischen, zielorientierten Planungsprozess, der sich jetzt allmählich einem konkreten Ergebnis zuneigt.

Offen gegenüber Ideen

Protestplakate an Ortseingängen konnte das Vorgehen ebenso wenig verhindern wie die Gründung von Bürgerinitiativen gegen den Ausbau. Das war auch nicht zu erwarten, denn ohne tiefgreifende Eingriffe in die Lebenswelt der Menschen und in die Natur geht ein solches Mammutprojekt nicht ab. Dank der Arbeit des Dialogforums, der Gewissenhaftigkeit der Bahn bei den Untersuchungen und ihrer Gesprächsbereitschaft können sich die Bürger ernst genommen fühlen.

Die Bahn zeigte sich zudem offen gegenüber Ideen von außen. Viel besser hätte man es nicht machen können. Wenn in einigen Wochen die Vorzugsvariante endlich feststeht, können die Verantwortlichen den Kritikern zumindest erklären, warum sie sich so und nicht anders entschieden haben.

Quelle: F.A.Z.
Luise Glaser-Lotz
Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.
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