„Burger Clash“

Ein Gericht, Hunderte Variationen

Von Christoph Brügmann, Mainz
 - 11:12

Rauch liegt in der Luft, der Geruch von gegrilltem Fleisch weht über das Gelände. Wohin man blickt sieht man Grills, von deren Gittern das Fett tropft. Und obwohl alle das scheinbar Gleiche zubereiten, sind die Unterschiede immens. Verlockend duftet es an jeder Ecke, und neugierig machen die Speisekarten, die in kunstvollen Designs angefertigt sind.

„Burger Clash“ heißt die Veranstaltung, die am Samstag und Sonntag in Mainz zu Gast war. Organisiert vom Veranstalter „Street Food Festival“, fand der „Burger Clash“ in den vergangenen beiden Jahren in Köln statt. Dieses Mal war die Halle 45 in Mainz-Mombach die Heimat für die Burger-Messe. Industrie-Charme traf auf Hinterhof-Flair, und Freunde der Burger-Kultur hatten Gelegenheit, sich an 25 verschiedenen Ständen in ihr persönliches Schlaraffenland zu begeben.

Der Smoker - fast so groß wie ein Kleinwagen

Ursprünglich war der Burger mal ein sehr einfaches Gericht: Ein Brötchen, eine Scheibe Rindfleisch, dazu etwas Salat, Tomaten, Gurken und manchmal noch eine Scheibe Käse, fertig war der Burger. Schnell ging er um die Welt, große Fastfood-Ketten sorgten dafür, dass er überall und jederzeit verfügbar wurde. Mit der Zeit wurde er fester Bestandteil fast jeder Esskultur.

Aber sein Ruf litt unter den Produkten der Fastfood-Ketten, der Burger galt und gilt vor allem als ungesund. Doch seit einigen Jahren kommt er zu neuen Ehren. In den Metropolen Deutschlands tummeln sich heute Burgerläden neben Burgerläden. Hauptsächlich junge Menschen haben die Liebe zum amerikanischen Nationalgericht wiederentdeckt und angefangen, das simple Grundrezept neu zu interpretieren. Wie weit der Ideenreichtum geht, konnten die Besucher des „Burger Clash“ herausfinden.

Dort springt kurz nach dem Betreten des Geländes ein rauchender, massiver schwarzer Grill ins Auge. Der Smoker ist fast so groß wie ein Kleinwagen und gehört zum Leverkusener Cateringservice „Speisewagen“, der nur einen Burger im Angebot hat: den „Bacon Bomb Burger“. Ein Ungetüm, das in aufwendiger Kleinarbeit hergestellt wird. Auf ein Gitter aus Speckscheiben wird eine grobe Masse an Rindernackenfleisch gelegt, darauf wiederum eine Lage alten englischen Cheddar-Käses. Danach wird der lange Streifen zusammengerollt und in den Smoker gelegt. Während das Fleisch gart, wird es mit einem Gemisch aus Apfelsaft, Ahornsirup und Whiskey besprüht. „Der Zucker im Ahornsirup und Apfelsaft karamellisiert den Speck“, verrät Uwe Feller einen Teil des Geheimnisses hinter dem Speckbombenburger. Auf einem vom lokalen Bäcker gebackenen Brötchen mit Bio-Limetten-Dip, Salat und Tomaten-Chutney zeigt das Ergebnis eindrucksvoll, dass ein Burger nicht gleich ein Burger sein muss.

Unter den 25 Ständen finden sich auch weitaus exotischere Vertreter, unter anderem mit Kreationen aus dem lateinamerikanischen oder asiatischen Raum. Chilees aus Berlin bietet den Besuchern einen koreanischen „Galbi-Burger“ an, der auf einem Sesam-, Schwarz- oder Nudelbrötchen serviert wird. Eine Scheibe Rindfleisch mit Käse, Speck, Mayonnaise und Mangopüree zwischen frittierten Käsenudeln wirkt jedoch im ersten Moment irritierend und ist in der Tat eine logistische Herausforderung beim Essen.

„Es ist definitiv besser als McDonald’s“

Besser macht es der lokale Vertreter Bullys Burger, der unter anderem einen Laden in Mainz und zwei in Frankfurt betreibt. Hier gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Varianten, vom klassischen Cheeseburger bis zum „Aloha Burger“ mit Ananas. Der überzeugt sogar Gäste aus dem Heimatland des Burgers, Ryan Clark aus Nashville findet ihn sehr gut. „Es sind viele verschiedene Geschmäcker, die zum Vorschein kommen, und es ist definitiv besser als McDonald’s“, meint er. Das Geheimnis bei Bullys Burger liege in der „Bullysoße“, die sei selbstgemacht, und das Rezept kennen nur wenige, so die Erfinder. „Wir verwenden ausschließlich regionales Charolais-Fleisch, das jeden Tag von uns frisch zubereitet wird“, berichten die Burgerkünstler Ira, Dieter und Grigori.

Neben Fleischliebhabern, für die es vom Pastrami-Burger bis zum Pulled Pork Burger alles gibt, werden auch Vegetarier und Veganer beim „Burger Clash“ fündig. Zum Beispiel beim Essener Foodtruck von Tofinos. Bei deren veganem „Red Carpet Burger“ wird das Fleisch durch rote Linsen, Erdnüsse und Quinoa ersetzt. Der Rest ist altbekannt und sorgt für den nötigen Burgergeschmack. Für Caro Haus aus Alzey und Alexander Fleischer aus Mainz bleibt aber die Fleischvariante die einzig wahre. Sie geraten beim Stand der BBQ Brothers ins Schwärmen: „Das Brötchen ist so fluffig und knusprig. Ich habe in eine Jalapeño gebissen, die hat richtig geknackt und ist in meinem Mund explodiert.“

Einen anderen Ansatz vertritt Pitty Silva an seinem nach ihm benannten Stand Pitty’s. Silva kommt ursprünglich aus Sri Lanka und lebt heute in Köln. In seinem Heimatland gibt es eigentlich keine Burger. Eine Eigenkreation hat er trotzdem im Angebot. Der „Indian Tandoori Burger“ wird mit elf verschiedenen Gewürzen zubereitet und anschließend 24 Stunden in eine spezielle Marinade eingelegt. „Das Essen in Sri Lanka ist den meisten Menschen zu scharf, deshalb mischen wir europäische Gerichte mit indischen Produkten und kreieren etwas Neues“, sagt Silva.

Am Ende gehen die Besucher satt und um einige Erfahrungen reicher nach Hause. Der „Burger Clash“ hat gezeigt, dass ein einfaches Grundrezept nicht zwangsläufig ein simples Essen zur Folge hat. Ob amerikanisch, koreanisch, indisch oder vegan: Ein Burger ist nicht immer nur ein Burger.

Quelle: F.A.Z.
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