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Umfrage zum Schulessen

Zwischenstopp beim Supermarkt trotz Salattheke

Von Bernhard Biener
 - 20:26

Das Sprichwort gibt es in zwei Varianten. Der Lateiner sagt: De gustibus non est disputandum – über Geschmack lässt sich nicht streiten. Vielleicht betonte Lars Keitel (Die Grünen) in der Kreistagssitzung am Montag deshalb den Konsens. Seine Fraktion wollte den Kreisausschuss zu einer Umfrage an den Schulen des Hochtaunuskreises zu Qualität und Akzeptanz der angebotenen Schülerverpflegung auffordern. Sie solle Zufriedenheit, Kritik, Beschwerden und Änderungswünsche berücksichtigen. „Wir sollten diejenigen fragen, die es essen“, sagte Keitel zu den angebotenen Mahlzeiten. Gerade durch die Ganztagsschule werde die Verpflegung immer wichtiger.

Von einem Besuch des Kreisschülerrats in der Fraktion zeigte sich Keitel beeindruckt, deshalb solle man mit ihm bei der Umfrage auf jeden Fall zusammenarbeiten, so wie es die AfD vorschlage. „Die Schüler waren sehr engagiert“, hatte der Grünen-Abgeordnete festgestellt. „Die wollen gar nicht nur Pizza und Würstchen.“ Die AfD schlug auch vor, den Anteil der Schüler zu ermitteln, die ein Mittagessen in Anspruch nehmen. „Wenn die Zahlen gering sind, ist das ja vielleicht eine Frage des Angebots“, sagte Peter Münch (AfD). Auch den Vorschlag der FDP fand Keitel sinnvoll. Sie möchte einen externen Berater mit der Umfrage beauftragen, denn schon durch die Art der Fragestellung lasse sich das Ergebnis stark beeinflussen, sagte Holger Grupe (FDP).

Geschmacksfrage mit politischer Dimension

Die meisten Schulen werden durch den kreiseigenen Taunus-Menü-Service (TMS) beliefert, der auch Kindertagesstätten und die Kliniken versorgt. Deshalb hat die Geschmacksfrage auch eine politische Dimension. Wobei die nicht nur aus Kindermund immer wieder einmal zu hörende Klage über das Essen ein nur schwer zu widerlegender Vorwurf ist, weil es auch um Geschmack geht. Landrat Ulrich Krebs (CDU) allerdings wählte die deutsche Variante des Sprichworts, wonach sich darüber sehr wohl streiten lässt. „Jetzt werde ich mal die Konsensstimmung stören“, begann er seine Rede und überraschte die Kreistagsabgeordneten mit dem Furor, den das Thema bei ihm auslöste.

„Populismus in seiner reinsten Form“, hielt Krebs den Antragstellern vor. Der Kreisschülerrat sei auch bei ihm gewesen. Zur eigens vereinbarten Besichtigung des Taunus-Menü-Service seien dann aber nur zwei Leute gekommen. Mit einer „Umfrage ins Blaue“ gewinne man nichts, zumal die Angebote sehr unterschiedlich seien. „Hier gibt es einen Elternkiosk und dort einen Snackverkauf.“ Unklar sei, wer die Grundschulen abfragen solle, mit deren Schulleitern man in regelmäßigem Kontakt stehe. „Sie begrüßen das Essensangebot.“ Für die weiterführenden Schulen gebe es ein Qualitätsmanagement, auch regionale Produkte würden berücksichtigt. Man sei dabei, die Schulküchen zu evaluieren, und prüfe zum Beispiel das Aufstellen zusätzlicher Salattheken. Trotzdem machte sich der Landrat keine Illusionen: „Wir sind früher zum HL gegangen, heute gehen die Kinder zum Rewe.“

Skepsis gegenüber Umfrage

Die Umfrage sei nicht gegen den TMS gerichtet, sagte FDP-Fraktionschef Stefan Naas, denn man habe alle Schulen im Blick. „Eltern, Schüler und Schülervertreter kommen auf uns zu, wir werden das Thema nicht aus der Welt bekommen.“ Mit der Praxiserfahrung eines ehemaligen Schulleiters zeigte sich Walter Breinl (SPD) skeptisch über den Sinn einer Umfrage. Das Ergebnis werde ähnlich ausfallen wie eine bundesweite Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Bis das Ergebnis vorliege, habe schon wieder eine Schülergeneration die Schulen verlassen. Zumal der Durchschnittswert nichts über den Einzelfall aussage.

„Wenn einer ,igitt‘ sagt, schmeckt’s den anderen am Tisch plötzlich auch nicht mehr“, sagte Breinl zu typischem Schülerverhalten. Schon jetzt gebe es die Möglichkeit, täglich mit einem Fragebogen Rückmeldung zu geben. Statt einer Umfrage sei es sinnvoller, an den Schulen jeweils einen Verpflegungsausschuss mit Schülern und Eltern einzurichten. Am Ende fand, bei geschlossener Ablehnung der CDU/SPD-Koalition und wechselnden Enthaltungen, keiner der Anträge eine Mehrheit. Die Umfrage findet nicht statt.

Quelle: F.A.Z.
Bernhard Biener
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.
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