Region
Geschichte der Garnison

Eine Ausstellung in der Pulvermühle

Von Hanau
© Rainer Wohlfahrt, F.A.Z.

Das geplante Dokumentationszentrum für die Hanauer Militärgeschichte könnte in einem historischen Gebäude im Stadtteil Wolfgang unterkommen: Als Standort hat Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) das ehemalige Verwaltungsgebäude der Pulverfabrik an der Straße Vor der Pulvermühle in Nachbarschaft des Culture Club vorgeschlagen. Das Haus gehört der stadteigenen Baugesellschaft, im Erdgeschoss war früher der Stadtteilladen untergebracht, bis das neue Bürgerhaus in Wolfgang bezogen wurde.

Das zweigeschossige Gebäude in Ziegelbauweise stammt aus der Zeit vor 1890, wie Jens Gottwald, Geschäftsführer der Baugesellschaft, erläuterte. Nach der Auflösung der Pulverfabrik diente das Erdgeschoss vom Jahr 1937 an als Schule. Außerdem wurden in dem Haus Büros der Verwaltung und der NSDAP untergebracht, im Keller wurden Luftschutzräume eingerichtet. Wegen seiner historischen und städtebaulichen Bedeutung ist der ehemalige Verwaltungsbau nach Gottwalds Worten als Kulturdenkmal eingestuft. Derzeit nutze das Deutsche Rote Kreuz das Erdgeschoss, als Ersatz könnten der Hilfsorganisation Räume im ersten Stock angeboten werden, äußerte Gottwald. Denn nur das Erdgeschoss solle für das Dokumentationszentrum genutzt werden, sagte Margret Härtel. Die frühere CDU-Oberbürgermeisterin ist Vorsitzende des Fördervereins, der die Einrichtung des Dokumentationszentrums vorantreibt.

Ausstellung mit historischen Fotos vorgesehen

Diese Ausstellung werde sich zwar der Geschichte des Militärs und der Soldaten in Hanau widmen, aber das Militärische keineswegs verherrlichen, sagte Härtel. Der Förderverein distanziere sich deutlich von Gewalt. Aber Hanauer Geschichte sei eben zum großen Teil Militärgeschichte, weil die Stadt über Jahrhunderte ein wichtiger Truppenstandort gewesen sei. Zum ersten Mal überhaupt sei Hanau erst seit wenigen Jahren „militärfrei“, seit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte im Jahr 2008. Auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sagte, wer sich mit der Vergangenheit der Stadt beschäftige, müsse sich auch mit dem Militär befassen, weil es die Entwicklung der Stadt stark geprägt habe. Das Dokumentationszentrum werde dessen Geschichte kritisch beleuchten, so dass es sich um ein „Friedensprojekt“ handele. Die vielen ehemaligen Kasernen im Stadtgebiet böten der Stadt die Chance, sich zu entwickeln, durch die Umwandlung der Militärflächen in Wohnviertel und Gewerbegebiete.

Der aus Hanau stammende Historiker Jens Arndt sagte, das Dokumentationszentrum werde kein Museum, weil man nur wenige Schaustücke zur Verfügung habe. Stattdessen sei eine Ausstellung mit historischen Fotos vorgesehen. Die Vergangenheit werde auch mit Hilfe der neuen Medien, etwa mit Videofilmen, dargestellt. Das genaue Konzept müsse aber noch ausgearbeitet werden. Berücksichtigt werde nicht nur die neueste Geschichte mit der Präsenz der amerikanischen Truppen, sondern die Entwicklung Hanaus seit der Antike. Denn die Geschichte der Stadt beginne mit dem Bau eines römischen Kastells am Mainknie, also auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Kesselstadt.

Quelle: F.A.Z.
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