Region
Neue Wohnungen

205 Mikro-Apartments im Offenbacher Hafen

Von Eberhard Schwarz, Offenbach
© Wolfgang Eilmes, F.A.Z.

Von der Dachterrasse im sechsten Obergeschoss schweift der Blick zur Carl-Ulrich-Brücke über den Main zum Hafenbecken und weiter über Offenbach. In der Ferne sind die Frankfurter Hochhäuser zu erkennen. Wer möchte, kann in einer Sitzecke oder in einem Strandkorb Platz nehmen. Ein kleines, mit Basketballkörben und Handballtoren ausgestattetes Sportfeld mitten auf dem Dach lädt dazu ein, etwas für die eigene Kondition zu tun. Ein Netz über dem Spielfeld verhindert, dass die Bälle vom Dach fallen. Diese Freiluftoase ist für die Bewohner des Main-Atriums in der Jean-Weipert-Straße auf der Offenbacher Hafeninsel gedacht. Rund 27 Millionen Euro investierte die „I-Live-Gruppe“ aus Aalen für ihr neuestes Projekt, das am Samstag eröffnet wurde. Ende Oktober 2015 hatte der Bau des Main-Atriums mit 205 Mikro-Apartments begonnen; beim Energieverbrauch entspricht es dem Standard „KfW-Effizienzhaus 40“. Im vergangenen Juni war das Gebäude fertig, das auf die Wünsche und Gewohnheiten junger Menschen, der „Generation Y“, zugeschnitten ist.

Vom Ein-Zimmer-Apartment mit 21 Quadratmetern reicht die Auswahl über Apartments mit der Standardgröße von 23 Quadratmetern bis zum Zwei-Zimmer-Penthouse mit 55 Quadratmetern. Alle Mikro-Apartments sind nach Angaben von Julia Pietsch, der Marketingleiterin von des Unternehmens, inzwischen verkauft. 180 Käufer haben eines oder gleich mehrere von ihnen für jeweils 100.000 bis 250.000 Euro erworben. In der Regel werden die Apartments anschließend vermietet. Dafür hat die „I-Live-Gruppe“ Studenten, junge Akademiker, Berufseinsteiger, Manager und Pendler im Blick. Den Käufern biete man ein „Rundum-sorglos-Paket“, übernehme die Verwaltung und suche auch einen Nachmieter, wenn jemand einmal ausziehe. Die Mieten wandern in einen Topf und werden an alle Eigentümer entsprechend der ihnen gehörenden Quadratmeterzahl ausgeschüttet. Auf diese Weise erhalte ein Eigentümer auch dann eine Miete, wenn sein Apartment einmal kurz leer stehe, hob Pietsch hervor.

Bio-Eier per App bestellen

Zwischen 300 und 950 Euro beträgt die Kaltmiete für die möblierten und mit einem passiven Belüftungssystem ausgestatteten Apartments; zwischen 80 und 150 Euro kommen jeweils an Nebenkosten hinzu. Events und eine App, die den Dialog unter den Bewohnern, aber auch mit der Hausverwaltung ermöglichen, sind darin enthalten. Die Stockwerke im Main-Atrium tragen die Namen internationaler Großstädte: Rio, Sydney, Tokio, New York, Hamburg und Hongkong. W-Lan steht im ganzen Haus zur Verfügung. Neben einer Lounge mit Küche und Tischkicker im Erdgeschoss, wo die Bewohner sich treffen und gemeinsam etwa Fußball im Fernsehen anschauen können, gibt es einen Fitnessraum, eine bei Bedarf zu buchende Eventküche und einen Tanzraum. In der Tiefgarage stehen rund 60 Parkplätze zur Verfügung. Ein sogenannter „Community und Facility Manager“ ist für die Bewohner täglich ansprechbar; er koordiniert etwa die Termine für die Wäschereinigung und bestellt den Zimmerreinigungsdienst.

Zu 90 Prozent sind die Mikro-Apartments schon vermietet. Am 1. August werden die ersten Bewohner einziehen. Eine 19 Meter hohe und 25 Meter breite Brandwand entstand zu einem benachbarten Parkdeck hin. Ein Sprayer-Team aus Berlin schuf darauf ein Riesengemälde, das den Berg Corcovado über Rio de Janeiro samt Christusstatue zeigt. Im begrünten und leicht hügelig gestalteten Innenhof wurde eine Art brasilianisches Straßenpflaster verlegt. Sechs Hühner tummeln sich in einem großzügigen Stall. Die Bewohner des Main-Atriums können die Bio-Eier per App beim Community Manager bestellen.

Und sonntags auch mal zwei: Im Hof des Main-Atriums gibt es einen Hühnerstall.
© Wolfgang Eilmes, F.A.Z.

Wer möchte, kann sich auch an der Pflege der Tiere beteiligen. Im Erdgeschoss des Main-Atriums befinden sich zwei Gewerbeeinheiten, in die ein Alnatura-Laden und ein Fitnessstudio einziehen. An Standorten wie Berlin, Heidelberg, Heilbronn, Nürnberg und Ravensburg hat das Unternehmen bisher 14 derartige Objekte mit insgesamt 2000 Wohneinheiten errichtet. 60 Prozent der Bewohner seien Studenten, verriet Pietsch. 40 Prozent gehören dem gehobenen Management an; viele wohnen unter der Woche in dem von ihnen gemieteten Mikro-Apartment, fahren am Wochenende aber nach Hause.

Quelle: F.A.Z.
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