Region
Privat-öffentliche Partnerschaft

91 Schulen binnen fünf Jahren saniert

Von Eberhard Schwarz
© Rainer Wohlfahrt, F.A.Z.

Die Containersiedlung, die einst das Bild an der Weibelfeldschule, einer kooperativen Gesamtschule in Dreieich, prägte, ist längst verschwunden: Im September 2004 hatte die SKE Schul-Facility-Management GmbH, Langen, damit begonnen, das Gebäude von Grund auf zu sanieren; danach mussten jeweils etliche Klassen ihre angestammten Räume gegen Container eintauschen. Schon zwei Jahre später war die 16,1 Millionen Euro teure Verjüngungskur beendet. Im Januar 2005 ging die Hochtief PPP Schulpartner GmbH, Heusenstamm, an den Start: Die Kreuzburgschule, eine Haupt- und Realschule in Hainburg/Klein-Krotzenburg, gehörte zu den ersten Schulen im Kreis, die Hochtief rundum erneuerte. Auch dort sind die Baufirmen längst wieder abgezogen.

Vor fünf Jahren nahm im Kreis Offenbach das bis heute größte Projekt einer „Public Private Partnership“ (PPP) im öffentlichen Hochbau in Deutschland seinen Anfang: Für die Dauer von 15 Jahren übertrug der Kreis Sanierung und Bewirtschaftung aller 91 Schulen – insgesamt 450 Gebäude mit mehr als 11.000 Räumen – zwei privaten Partnern: der Firma SKE aus Mannheim, zuständig für 41 Schulen im Westteil des Kreises, und dem Baudienstleister Hochtief aus Essen, zuständig für 50 Schulen im Ostteil. Die Verträge sahen vor, alle Schulen innerhalb von fünf Jahren zu sanieren. Die Zeitvorgabe wurde eingehalten: Die Schulgebäude im Kreis befinden sich heute in einem besseren Zustand denn je.

Erwartungen „mehr als erfüllt“

Diese Bilanz der gerade beendeten Bauphase haben Landrat Peter Walter (CDU), Johannes Huismann, Geschäftsführer der SKE Schul-Facility-Management GmbH, und Bernward Kulle, Vorstandsmitglied der Hochtief Concessions AG, gezogen. Die Erwartungen seien „mehr als erfüllt“ worden, sagte Walter.

Keine einzige Rechtsstreitigkeit habe man mit SKE oder Hochtief austragen müssen und in keinem einzigen Fall festgestellt, dass Vereinbarungen umgangen worden seien, sagte Walter, der als Vorreiter von PPP in Deutschland gilt und überzeugt davon ist, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Auf rund 200 Millionen Euro wurde seinerzeit der Nachholbedarf für Investitionen und Instandhaltung an den Schulen geschätzt. In Eigenregie hätte der Kreis mindestens 25 Jahre gebraucht, alle Gebäude zu modernisieren. Zudem wäre dies deutlich teurer geworden als durch PPP: Auf 18,5 Prozent wurden die Einsparungen geschätzt – ein Wert, der ziemlich genau eingehalten wurde. Dies hat nach Angaben von Walter die Technische Universität Darmstadt bestätigt, die das Projekt wissenschaftlich begleitet.

Gesamtpaket von 780 Millionen Euro

Rund 960 Millionen Euro hätte der Kreis Offenbach aufbringen müssen, hätte er die Schulgebäude weiterhin in eigener Verantwortung sanieren und bewirtschaften wollen. Die privaten Partner kalkulierten das Gesamtpaket auf rund 780 Millionen Euro: SKE erhält 370 Millionen, davon 92,2 Millionen Euro für die Sanierungsleistungen. Hochtief ist mit 501 Millionen dabei; davon entfallen 130 Millionen Euro auf die Sanierungsarbeiten.

Dass sich die jährlichen Raten, die der Kreis zahlen muss, von 55 Millionen Euro im Jahr 2005 auf 67 Millionen Euro im vergangenen Jahr erhöhten, führte Walter auf eine Zunahme der bewirtschafteten Fläche, die Mehrwertsteuererhöhung und steigende Personal- und Energiekosten zurück. Weil es immer mehr Ganztagsangebote gebe, würden die Räume länger genutzt. Walter rechnet damit, dass die Gesamtsumme, die der Kreis an SKE und Hochtief zahlen muss, um etwa 50 Millionen Euro steigen wird. Schüler, Lehrer, Eltern und sonstige Nutzer der Gebäude seien zu 80 bis 90 Prozent zufrieden. Dies habe die TU Darmstadt in zwei Studien festgestellt.

Moderne Bildungseinrichtungen geschaffen

Kulle würdigte Walters Mut, mit einem PPP-Projekt dieser Größenordnung voranzugehen, und sprach von einem „Erfolgsmodell“. Gemeinsam habe man moderne Bildungseinrichtungen geschaffen und zudem ein „ganz großes Mittelstandsförderungsprogramm“ gestartet. 51 Prozent der von Hochtief vergebenen Sanierungsaufträge und 72 Prozent der Aufträge für den Betrieb der Gebäude hätten Betriebe aus dem Umland erhalten. In der Region sei ein Investitionsvolumen von 81 Millionen Euro geblieben. Veraltete Haustechnik und das Fehlen von Dämmung, die für den hohen Energieverbrauch sorgten, gehören der Vergangenheit an.

An den Schulen, für die Hochtief zuständig ist, ging der Energieverbrauch um ein Drittel, der Wasserverbrauch um 27 Prozent zurück. An den Schulen, die von SKE saniert wurden, sank der Energieverbrauch um 30 Prozent und der Wasserverbrauch um 15 Prozent. Der Kohlendioxidausstoß verringerte sich insgesamt um gut ein Drittel. Allerdings fließt mehr Strom: Standen 2005 an den Schulen 3000 Computer zur Verfügung, sind es heute 6860. Seit 2005 richteten 26 Schulen Ganztagsbetreuungsangebote ein; außerdem wurden 28 zusätzliche Küchen oder Cafeterias gebaut. Von einem solchen Schulstandard „können andere Länder und Kreise träumen“, so Huismann.

Quelle: F.A.Z.
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