S-Bahnen im RMV

Pünktlichkeit weiter gesunken

Von Hans Riebsamen, Frankfurt
© dpa, F.A.Z.

Kaum ein anderes Thema bringt Pendler, die mit der Bahn zur Arbeit fahren, so sehr in Wallung wie das der Pünktlichkeit. Genauer gesagt: der Unpünktlichkeit. S-Bahnen und Regionalbahnen verspäten sich seit Jahren in einem Ausmaß, das dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) immer neuen Anlass zur Besorgnis gibt. Er organisiert zwar den Regionalverkehr mit S-Bahnen und Regionalzügen, doch er kann wenig ausrichten, wenn es zu Unpünktlichkeiten kommt. Denn das operative Geschäft betreibt im Auftrag des RMV die Deutsche Bahn AG, sie schickt die S-Bahnen und viele der Nahverkehrszüge auf die Schienen.

An den Schienen beziehungsweise am Schienennetz liegt es hauptsächlich, dass viele Bahnen zu spät abfahren oder ankommen. Mehr als 60 Prozent der Verspätungen, so berichtet RMV-Geschäftsführer Knut Ringat, resultierten aus Mängeln, die durch die Infrastruktur hervorgerufen würden. Die Störungen reichten von Schäden an Weichen, Problemen mit Oberleitungen bis zu einer fehlerhaften Signaltechnik. „Dies muss ein Ende haben“, sagte Ringat. Das Schienennetz müsse dringend saniert werden.

Verspätung erst ab sechs Minuten gezählt

Denn es ist chronisch überlastet, weil über den Schienenknoten Frankfurt auch ein Gutteil der deutschen Bahn-Fernverkehre läuft. Mit deren Intercity-Zügen etwa müssen sich die Regionalzüge und die S-Bahnen oft die Gleise teilen, wobei der Fernverkehr Vorrang besitzt, während die regionalen Bahnen warten müssen, wodurch Verspätungen entstünden, die sich vor allem auf die folgenden S-Bahnen auswirkten.

Das Jahr hat in puncto Verspätungen schlecht angefangen für den Regionalverkehr. Zahlreiche außergewöhnliche Störungen, zum Beispiel ein Brand im Stellwerk Friedberg mit tagelangen Auswirkungen, hat der Bahn beziehungsweise dem Rhein-Main-Verkehrsverbund die Pünktlichkeitswerte richtiggehend verhagelt. Vor allem bei den Linien S1 und S2 haben sie sich verschlechtert. Die Pünktlichkeit sank bei der S1 vom ohnehin schon miserablen Wert 90,35 Prozent im vergangenen Jahr auf 86,1 in den ersten beiden Monaten dieses Jahres.

Bei der S2 ging sie von 89,9 auf 86,3 Prozent zurück. Betrachtet man alle S-Bahn-Linien, so liegt die Pünktlichkeitsrate in diesem Jahr bisher bei 92,3 Prozent, was eine Verbesserung um 0,7 Prozentpunkten darstellt. Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass ein Zug erst als verspätet gewertet wird, wenn er sechs Minuten und mehr Minuten vom Fahrplan abweicht. Züge, die beispielsweise fünf Minuten zu spät ihr Ziel erreichen, gelten in der Statistik als pünktlich.

Neues Gleis ab 2021

Grundlegend verbessern dürfte sich die Pünktlichkeit erst, wenn das Schienennetz im Rhein-Main-Gebiet erweitert beziehungsweise verbessert worden ist. Eines der Projekte, die Verspätungen verhindern sollen, ist der Ausbau der Strecke von Frankfurt nach Bad Vilbel von zwei auf vier Gleise. Wenn es einmal so weit ist, werden der S6 keine Fernzüge und Güterzüge mehr in die Quere kommen.

Ein Beispiel einer Optimierung des Schienennetzes ist die Verlegung eines zusätzlichen Gleises auf dem sogenannten Homburger Damm zwischen dem Hauptbahnhof Frankfurt und dem Abzweig Mainzer Landstraße. Baubeginn ist im Frühsommer. Die Genehmigungen für das Vorhaben liegen nach Angaben von Gerd-Dietrich Bolte, Leiter für Großprojekte der DBNetzAG, vor, die Finanzierung sei gesichert. Die Bahn habe die Bauaufträge für das 131 Millionen Euro teure Projekt schon vergeben. 2021 solle das neue Gleis in Betrieb genommen werden.

Umorganisation des Bahnhofs geplant

Der Homburger Damm wird derzeit von Zügen in beiden Richtungen befahren. Dadurch kommt es immer wieder zu Wartezeiten, weil ein Zug seine Fahrt erst fortsetzen kann, wenn der Gegenzug ihn passiert hat. Wenn das zusätzliche Gleis zur Verfügung steht, können laut Bolte Regionalzüge, vor allem jene von und nach Limburg, schneller in den und aus dem Hauptbahnhof fahren.

Ein Fernziel der Bahn ist es, Züge komplett kreuzungsfrei in den Frankfurter Hauptbahnhof zu führen. Dafür soll der Bahnhof einmal zweigeteilt werden: auf der einen Seite liegen dann die Bahnsteige für den Fernverkehr nebeneinander, auf der anderen jene für den Regionalverkehr. Doch eine solche Umorganisation der Verkehre ist nach Angaben von Bolte technisch außerordentlich schwierig, weil zum Beispiel unzählige Weichen im Bahnhofsvorfeld verändert werden müssten.

Quelle: F.A.Z.
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