Rheinland-Pfalz-Ausstellung

Glänzende Schuhe, glückliche Kunden

Von Markus Schug, Mainz
© Cornelia Sick, F.A.Z.

Eine glänzende Schuhpolitur, unentgeltlich und quasi im Vorübergehen, einige Käsehäppchen direkt auf die Hand, ein wenig Fingernagelpflege mit extrascharfen Edelstahlinstrumenten und immer wieder Kataloge: Beim Besuch der Rheinland-Pfalz-Ausstellung, die am Samstag auf dem Mainzer Messegelände bei Hechtsheim eröffnet worden ist, lassen sich, wenn man es geschickt anstellt, immer noch etliche Dienstleistungen kostenfrei in Anspruch nehmen, die einem ansonsten wohl in Rechnung gestellt würden. Denn der direkte Kontakt zum potentiellen Kunden ist für die rund 700 auf 19 Hallen und das Freigelände verteilten Aussteller das Wichtigste – und gut für den Umsatz.

So darf sich der Umworbene getrost auf einem Massagestuhl niederlassen, in der Heimsauna Platz nehmen und sich selbst den fünften Marken-Grill in der langen Reihe noch ganz ausführlich erklären lassen. Dass das Ehepaar das als Weltneuheit angepriesene und für 40 Euro angebotene „Multitalent Nicer Dicer“, das kaum in den mitgeführten Rucksack passen will, in Wahrheit nur deshalb erworben hat, weil man schon seit Jahren einen ähnlichen Allesschneider mit großer Zufriedenheit in der eigenen Küche verwende, zeigt vor allem eines: dass die inflationär gebrauchten Begriffe wie „Weltneuheit“ und „Messerabatt“ bei Großveranstaltungen wie diesen mit Vorsicht zu genießen sind.

Den Einkaufsbummel als Kür

Da sich die seit 46 Jahren zu Mainz gehörende Traditionsmesse tatsächlich immer wieder neu erfinde und sehr innovativ zeige, komme er Jahr für Jahr gerne auf das Messegelände, um nach der offiziellen Eröffnung noch ein wenig durch die Zeltstadt an der Genfer Allee zu bummeln, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin, Malu Dreyer (SPD), die gleichfalls nur lobende Worte für die „von einem engagierten Familienunternehmen organisierte größte Verbrauchermesse des Landes“ fand, verriet den Zuhörern dann sogar, was genau sie sich von dem Besuch erhoffe. Es gehe ihr, wie immer, vor allem darum, bei dieser Gelegenheit ihre Käsevorräte aufzustocken.

Zuvor allerdings schaute sie an verschiedenen Info-Ständen vorbei, an denen das Land für sich und ausgewählte Projekte, etwa zum Thema „Nachhaltigkeit“, warb. Ein Rundgang durch die ins Programm aufgenommene Wanderausstellung „World Press Photo“, mit Werken der 2016 gekürten Preisträger eines internationalen Fotowettbewerbs, gehörte für die meisten Ehrengäste am Samstag ebenfalls noch zur Pflicht, ehe es dann für alle zur Kür, also dem Einkaufsbummel, überging.

„Glück“ auf Nachfrage verschenkt

Rund 70 000 Besucher werden bis zum 26. März bei der Rheinland-Pfalz-Ausstellung erwartet, die allen daran Interessierten zum Eintrittspreis von neun Euro, ermäßigt sieben Euro, täglich von 10 bis 18 Uhr offensteht. Am Stand der Deutschen Bundesbank zum Beispiel wird über Geld lediglich gesprochen: über den neu und noch sicherer gestalteten 50-Euro-Schein etwa, der vom 1. April an ausgegeben werden soll. Oder aber auch über die einem Ein-Euro-Stück ähnelnde türkische 50-Kurus-Münze, die tatsächlich aber nur 0,127 Euro wert ist.

Zum Trost für den zerknirschten „Falschgeld“-Besitzer hat sich der Mitfünfziger bei einem von der Bundesbank ebenfalls veranstalteten Schätzspiel dann allerdings so gut geschlagen, dass er als Tagessieger mit einer werthaltigen Fünf-Euro-Gedenkmünze nach Hause gehen konnte. Manche Aussteller, wie die beiden eigentlich für Beratungsgespräche zur Mainzer Messe gekommenen Schornsteinfeger, waren am Samstag gar dazu bereit, ihr teuerstes Gut, also „Glück“, auf Nachfrage an Bedürftige zu verschenken.

Informationen über die Rheinland-Pfalz-Ausstellung auf dem Mainzer Messegelände, die noch bis zum 26. März stattfindet, finden sich im Internet unter www.rheinland-pfalz-ausstellung.de.

Quelle: F.A.Z.
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