0:1 von 05 gegen 04

Mainz in Not – Schalke auf Kurs

Von Daniel Meuren, Mainz
 - 22:37
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So ganz ohne schlechtes Gewissen wird Christian Heidel am Freitagabend das Mainzer Stadion nicht in Richtung der benachbarten Kneipe Hasekaste verlassen haben. Der Sportvorstand von Schalke 04 musste schließlich seine engsten Mainzer Freunde bei der schon vor dem Spiel angekündigten Kneipenrunde abermals über eine Niederlage hinwegtrösten. Dank eines Treffers von Daniel Caligiuri (55. Minute), der aus dem einzigen Schalker Torschuss des Spiels resultierte, haben die „Königsblauen“ vor 31.000 Zuschauern auch das vierte Duell mit Mainz 05 gewonnen, seit der frühere Mainzer Allesmacher nach einem Vierteljahrhundert am Bruchweg nach Gelsenkirchen gewechselt ist.

Der Schalker 1:0-Erfolg erschwert den Mainzern den Kampf um den Klassenverbleib weiter, so sehr Heidel auch im Vorfeld auf das vorhandene Potential seines ehemaligen Klubs im Abstiegskampf verwiesen hatte. „Es hat jetzt viermal funktioniert, dass wir gegen Mainz gewinnen. Aber es ist nicht so, dass ich gerne gegen Mainz gewinne“, sagte Heidel. „Ich mache mir schon Gedanken darüber, wie es hier weitergeht. Ich wünsche Mainz alles Gute, dass sie die nötigen Punkte holen.“

Bundesliga

Die Mainzer können aus der Niederlage immerhin Mut schöpfen, weil sie sich anders als beim glücklichen 0:0 in Hamburg in der Vorwoche als entschlossene Einheit präsentiert haben, die bis zum Schlusspfiff, wenn auch ohne nennenswerten Ertrag, ihre Chance auf den Ausgleich suchte. „Die bessere Manschaft hat verloren“, sagte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder.

Trainer Sandro Schwarz hatte seine Spieler ermutigt, sich trotz der ungemütlichen Plazierung auf dem Relegationsrang nicht von der Last des Abstiegskampfs erdrücken zu lassen. Stattdessen solle seine Mannschaft Spaß entwickeln an den bevorstehenden Herausforderungen. Entsprechend lauffreudig und lustvoll stürzten sich die Mainzer, bei denen Nigel de Jong nach vier Wochen auf der Ersatzbank dem defensiven Mittelfeld mit einem abgeklärten Auftritt viel Ruhe brachte, in die Partie gegen den Tabellenzweiten aus Gelsenkirchen.

Schalke rang den Mainzern mit sehr energischer, äußerst körperbetonter Defensive so viel Respekt ab, dass die Rheinhessen im Verlauf der ersten Halbzeit immer mutloser wurden. Den Schalkern gelang es dank einer bemerkenswert guten Organisation und Raumaufteilung, dass sie immer wieder mit drei oder vier Spielern den ballführenden Mainzer in Angst und Schrecken versetzten und zum Fehlpass oder Ballverlust zwangen.

Mit dem Herausspielen eigener Torchancen aus diesen Ballgewinnen heraus war Schalke freilich, wie aus dem bisherigen Saisonverlauf bekannt, überfordert, obwohl Trainer Domenico Tedesco in einer ungewohnten 3-4-1-2-Formation mit Franco di Santo als hängender Spitze hinter Guido Burgstaller und Marko Pjaca viel Offensivpotential auf den Rasen geschickt hatte. Trainer Domenico Tedesco erklärte die Mängel damit, dass er sein Team auf eine andere Mainzer Spielweise eingestellt habe. „Er sei von langen Flugbällen statt eines geordneten Spielaufbaus ausgegangen. Deshalb habe er bei gegnerischem Ballbesitz mehr Spieler als letztlich nötig in die Nähe des eigenen Strafraums beordert in Erwartung der langen Bälle. Diese Spieler hätten dann bei den Balleroberung in Nähe der Mittellinie für ein erfolgreicheres Umschaltspiel gefehlt. „Dadurch haben wir nach Balleroberung etwas überhastet agiert“, sagte der 32 Jahre alte Coach.

Der für diese Situationen so wertvolle Leon Goretzka kam nach seiner kurzen Verletzungspause erst mit Beginn der zweiten Halbzeit ins Spiel. Der junge Mainzer Torhüter Florian Müller, der nach seinem überragenden Bundesligadebüt in der Vorwoche den Vorzug vor dem wieder genesenen früheren Nationaltorwart René Adler erhalten hatte, musste deshalb kein einziges Mal eingreifen. So hatten die Hausherren die einzige Torgelegenheit in der ersten Halbzeit. Robin Quaisons Schuss landete jedoch abgefälscht knapp neben dem rechten Pfosten (28.).

Nach dem Seitenwechsel bewies Schalke dann wie so oft in den vergangenen drei siegreichen Spielen eine Effizienz, die Spiele entscheidet: Caligiuri schnappte sich an der Mittellinie den Ball, marschierte Richtung des Strafraums und schlenzte den Ball aus rund 20 Metern unhaltbar ins lange Eck (55.).

Schalke verwaltete anschließend gegen tapfere Mainzer, die bei Schüssen von Serdar und Öztunali jeweils an Schlussmann Fährmann scheiterten, die Führung auf wenig ansehnliche Weise. Der Zweck des Festigens der guten Ausgangsposition im Kampf um einen Champions-League-Platz heiligte aber für die „Königsblauen“ die Mittel. „Wir sind auf dem zweiten Rang und haben nicht vor, uns zu verschlechtern. Wir werden alles dafür tun, möglichst alle ausstehenden Spiele zu gewinnen. Dann bleiben wir Zweiter“, sagte Heidel.

Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz haderte derweil später mit der Niederlage und dem Schiedsrichter Felix Brych. „Das Ergebnis nervt. Und die Entscheidungen nerven“, sagte er. Schwarz spielte auf eine strittige Entscheidung an, als Stefan Bell im Strafraum der Schalker durch Naldo und Thilo Kehrer zu Fall gebracht wurde beim Versuch, einen Flankenball in aussichtsreicher Position mit Kopf zu erreichen. Brych, der als interner Gegner des Videobeweises gilt, verzichtete darauf, sich die Situation mit eigenen Augen anzuschauen. Es wird die Mainzer indes nur wenig trösten, dass dies ausgleichende Gerechtigkeit war: In der Hinserie handelte Brych ähnlich, als er beim Mainzer 1:0-Sieg gegen Köln einen Strafstoß für Mainz gab, den er bei Ansicht der Fernsehbilder nicht gegeben hätte, wie er nachher eingestand.

Quelle: FAZ.NET
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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